- Urteil
der Präsidentin der Scientologykirche
- 24 heures,
Lausanne
- 28 mai 2003
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von Georges-Marie Bécherraz
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- Das Gericht von Lausanne hat gestern die Präsidentin Suzanne Montangero
wegen Verleumdung verurteilt, ein trauriges Kapitel des offenen Krieges
mit dem ehemaligen Mitglied Jean-Luc Barbier sanktionierend.
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- TRIBUNAL DE POLICE "Die Redefreiheit ist gestorben. Das Gericht hat im
Wesentlichen beschlossen, dass Minderheiten kein Recht haben, die
Wahrheit zu sagen und sich angesichts ungerechtfertigter und
unbegründeter Angriffe zu verteidigen." Die Scientology Kirche von
Lausanne ist nicht bereit, das gestern durch den ersten Präsidenten des
Bezirksgerichts, Jean-Pascal Rodieux, erlassene Urteil zu schlucken.
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- Tatsächlich hat der Magistrat nach Ablauf eines Tages Anhörung die
Präsidentin Suzanne Montangero zu fünfzehn Tagen Gefängnis mit
Bewährungsfrist von zwei Jahren wegen Verleumdung verurteilt.
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Eine um so bitterer empfundene Sanktion als sie dem Kläger, einem der
wildesten Feinde der Sekte, ihrem ehemaligen Genfer Anhänger Jean-Luc
Barbier recht gibt. Als Sahne auf der Torte müssen ihm die Scientologen
2000 Fr. für moralisches Unrecht überweisen und ihm die Kosten in Höhe
von 6000 Francs zahlen. Er jubelt.
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- Das härteste was einer Armee passieren kann besteht darin, von einem
Deserteur angegriffen zu werden, den sie selbst im Kampf ausgebildet
hat, den sie alle Feinheiten der Guerilla gelehrt hat. Genau dies ist
es, was sich seit mehr als zwölf Jahren zwischen den Scientologen und
Jean-Luc Barbier abspielt.
Seit dem Tag, als der heute 52jährige Genfer Musiker vom weltweiten Sitz
der Sekte in Clearwater (Florida) entfloh und darauf hin von der
Bewegung nach fünfzehn Jahren Zugehörigkeit rausgeworfen wurde. Er hatte
den Grad eines Ethikoffiziers. "Ich kenne ihre Kriegsstrategie. Sie wird
im grünen Volumen Nummer 7 von Ron Hubbard beschrieben. Lügen,
Belästigung, schwarze Propaganda, Bedrohung, Rufmord ... Sie haben mir
einen finanziellen, physischen und moralischen Schaden zugefügt. Ich
streite mich heute, um die Bevölkerung zu warnen, den Opfern zu helfen
und die Schäden in vollem Umfang geltend zu machen, welche ich erfahren
habe."
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- Man zittert. Rauhe Vorwürfe in gespanntem Umfeld führten dann in
Montbenon [Quartier in Lausanne] zum Prozess mit Suzanne Montangero auf
der Anklagebank, angeklagt wegen Verleumdung, weil sie im Februar 2000
auf einen Artikel derb geantwortet hatte, der in einer jurassischen
Tageszeitung die Gründung der 'Association des Victimes de la Dianétique
et de la Scientologie' (AVDS) durch Jean-Luc Barbier ankündigte.
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- Moralisch unterstützt durch die Anwesenheit von etwa dreissig Anhängern
im Audienzsaal wurde die Scientologin durch Monsieur Jean Lob
verteidigt, einem Spezialisten für Menschenrechte. Die teilweise in der
Jurazeitung veröffentlichte Antwort von Madame Montangero zog die
Ehrlichkeit der AVDS in Zweifel, insbesondere indem sie behauptete, dass
ihr Gründer die Erpressung von Geld zum Ziel habe.
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- Die Mitteilung enthielt auch andere "Liebenswürdigkeiten" bezüglich
früherer finanzieller Schwierigkeiten von Monsieur Barbier. Für Monsieur
Lob war es völlig normal, dass die Scientology Kirche auf diesen als
Angriff empfundenen Artikel reagierte ("sie liess sich praktisch während
zehn Jahren durch Jean-Luc Barbier bedrängen ohne etwas zu sagen"). Er
verglich diese Schlagabtausch mit politischen Auseinandersetzungen,
indem er ein Urteil des Bundesgerichts beizog, welches unterstreicht,
dass man sich in solchen Fällen nur mit Vorsicht auf ein Berühren der
Ehre berufen darf, die vorgebrachten Worte überschreiten oft die
Gedanken ihres Autors.
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- Der Rechtsberater von Jean-Luc Barbier, Monsieur Charles Munoz,
erinnerte geschickt daran, dass man nicht ohne Beweise anklagte. "Es ist
für die Feinde von Scientology und auch für die Scientologen wahr. Es
gibt nicht den Schatten eines Hinweises um zu sagen, dass die AVDS
gegründet worden sei, um sich zu bereichern."
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- In seinem Urteil war Jean-Pascal Rodieux nicht zurückhaltend mit seinen
Worten, um den Gegenschlag von Suzanne Montangero zu qualifizieren. Er
glaubt, dass das Ziel nicht darin bestand, gegen eine falsche
Darstellung von Scientology zu schreiben, sondern dass sie eine Rechnung
mit Jean-Luc Barbier begleichen wollte indem sie ihn als
verachtenswertes Individuum darstellte. "Sie wählte eine niedrige und
heimtückische Art, obwohl sie als Präsidentin mit dem guten Beispiel
voran gehen sollte. Jedenfalls, selbst wenn der Artikel verleumderisch
gewesen wäre, hätte dies sie nicht berechtigt auf derselben Ebene zu
entgegnen."
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Für die Getreuen von Ron Hubbard hat "das Gericht eine Person geschützt,
die offen dazu neigt, die Scientologykirche zu zerstören und ein Maximum
von Problemen für ihre Mitgliedern zu verursachen".
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- Sie beabsichtigen, bereits heute einen Rekurs einzureichen. Selbst wenn
das von Richter Rodieux verfasste sehr detaillierte Urteil als äusserst
schwierig umzuwerfende Konstruktion erscheint.
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Ndr
: Der Rückgriff in Justiz ist abgelehnt worden.
Das Urteil ist in Aufruf bestätigt worden.
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