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Le
Gravis
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- Ist Scientology eine Religion
?
- Georg Otto Schmid
- Mitarbeiter der "Evangelischen
Informationsstelle Kirche - Sekten - Religionen" /Zürich
-
- Le
fondateur de la Scientologie, L. Ron Hubbard, exige depuis l'année 1955 le statut
de religion pour sa conception du monde et celui d'une Eglise pour son organisation. Une
exigence que la scientologie elle-même relativise.
-
- Seit dem Jahr 1955 beansprucht der Gründer der Scientology, L. Ron Hubbard,
für seine Weltanschauung den Status einer Religion und für seine Organisation
denjenigen einer Kirche. Für die VertreterInnen der Scientology ist dieser
Anspruch seither aktuell, dessen staatliche Anerkennung wird allenthalben mit
unterschiedlichem Erfolg eingefordert.Die Forderung an die
Religionswissenschaft geht seitens der Scientology dahin, die Legitimität dieses
Anspruchs zu bestätigen. Im folgenden soll deshalb der behauptete
Religionsstatus der Scientology einer kritischen Prüfung unterzogen
werden. Hierbei ist überraschenderweise vorerst zu bemerken, dass die
Scientology ihren eigenen Anspruch, Religion zu sein, vielfach selbst wieder
relativiert.
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- 2.1 Scientology
: Religion oder Parawissenschaft ?
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- 2.2 Die "religiösen" Rituale der Scientology
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- 2.3 Die Hingabe der Scientologinnen
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- 3. Scientology in der Sicht ihrer Kritiker
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- 3.1 Scientology als Konzern
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- 3.2 Scientology als Ideologie
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- 4. Zusammenfassung
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- Ist Scientology eine Religion
?
- Georg Otto Schmid
-
- Seit dem Jahr 1955 beansprucht der Gründer der Scientology, L. Ron Hubbard,
für seine Weltanschauung den Status einer Religion und für seine Organisation
denjenigen einer Kirche. Für die VertreterInnen der Scientology ist dieser
Anspruch seither aktuell, dessen staatliche Anerkennung wird allenthalben mit
unterschiedlichem Erfolg eingefordert.
Die Forderung an die
Religionswissenschaft geht seitens der Scientology dahin, die Legitimität dieses
Anspruchs zu bestätigen.
Im folgenden soll deshalb der behauptete
Religionsstatus der Scientology einer kritischen Prüfung unterzogen
werden.
Hierbei ist überraschenderweise vorerst zu bemerken, dass die
Scientology ihren eigenen Anspruch, Religion zu sein, vielfach selbst wieder
relativiert.
- 1 Relativierungen des Religionsstatus durch Scientology selbst
-
- Für Aussenstehende wirkt äusserst irritierend, dass die Scientology die von
ihr verfochtene Geltung als Religion mancherorts selbst wieder
zurücknimmt:
- Zitate aus dem Munde Hubbards belegen, dass bei diesem
Anspruch steuerliche und imagemässige Motivationen zumindest mit eine Rolle
gespielt haben, ein Faktum, das für breite Teile der Oeffentlichkeit den
Religions- resp. den Kirchenstatus der Scientology als obsolet erscheinen
lässt.
- In der Strassenwerbung wird religionskritischen Menschen
gegenüber der Anspruch, Religion zu sein, ebenso begründet: Es ginge darum,
steuerliche Vorteile zu erzielen. Im Grunde wäre es der Scientology nicht um
Religion, sondern um Wissenschaft zu tun. Dass Scientology-WerberInnen die
Negierung religiöser Absichten in der Werbung regelmässig üben, kann jede Person
im Rahmen einer Scientology-Strassenwerbung leicht überprüfen.
- In
Ländern, wo ein Religionsstatus klare Nachteile erbringen würde, besteht
Scientology darauf, keine Religion zu sein. So nimmt die Scientology in
Griechenland für sich den Titel einer Philosophie in Anspruch, da philosophische
Veranstaltungen im Gegensatz zu religiösen nicht bewilligungspflichtig
sind.
Aus diesen Relativierungen des Anspruches, Religion oder gar Kirche
zu sein, folgern steuer- oder werbetechnische Ueberlegungen nicht zwingend als
einzige oder vordergründige Motivation zur Erhebung dieses Anspruches. Klar ist
aber, dass nichtreligiöse Erwägungen eine grosse Rolle spielen, ein Faktum, das
eine religionswissenschaftliche Analyse des Religionsstatus von Scientology zu
äusserster Vorsicht und Präzision anhalten sollte.
- 2 Die Begründung des Anspruches, Religion zu sein, durch Scientology
selbst
-
- Die Scientology begründet ihren Anspruch, Religion zu sein, mit einer
Vielzahl von Vergleichen ihrer eigenen Theorie und Praxis mit derjenigen
religiöser Traditionen und Organisationen. Die Argumente der Scientology lassen
sich dabei auf drei Hauptbegründungsreihen bündeln :
- Die Scientology
behauptet für ihre Weltanschauung, oder zumindest Teile davon, die Geltung als
religiöse Lehre. Abgestützt wird diese Behauptung durch angebliche Parallelen
zwischen der Lehre der Scientology und Elementen aus religiösen, insbesondere
östlichen Traditionen.
- Die Scientology weist in ihrer Tätigkeit
Praktiken auf, die sie in Parallele zu Gebräuchen religiöser Organisationen
sieht und bewusst nach dem Vorbild religiöser Institutionen benennt. Die hierbei
zur Anwendung kommende Terminologie stammt zumeist aus der christlichen
Tradition.
- Die Scientology weist darauf hin, dass die Hingabe der
Menschen an Scientology der Bindung von Menschen an religiöse Traditionen und
Organisationen gleichkommt.
Die drei Argumentationsfiguren sollen im
folgenden einzeln diskutiert werden.
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- 2.1 Scientology
: Religion oder Parawissenschaft ?
-
- Für gewisse Teile ihrer Ideologie beansprucht Scientology die Geltung als
religiös. Insbesondere geht es hierbei um die Lehre vom Thetan, dem
unsterblichen menschlichen Personenkern, die Lehre der Reinkarnation und die in
den OT-Kursen gelehrte Vorstellung, dass der Mensch bei Anwendung
scientologischer Techniken zu einer Ueberschreitung seiner natürlichen
Möglichkeiten komme. Diese Konzepte finden sich ähnlich auch in religiösen
Traditionen, woraus für Scientology folgert, dass es sich hierbei um Kennzeichen
einer Religion handle.
Zu bemerken ist zu dieser Argumentation
allerdings, dass sich diese Gedanken auch in Traditionen finden, die nicht
Religion, sondern bewusst Wissenschaft sein wollen, zu denken ist hierbei etwa
an die Anthroposophie, die "Geisteswissenschaft" sein will, aber für zukünftige
Inkarnationen ebenfalls eine beachtliche Ausweitung menschlicher Möglichkeiten
verspricht, an die boomende Reinkarnationstherapie, die das Thema der
Reinkarnation und der Unsterblichkeit der Seele mit wissenschaftlicher Methodik
erhellt haben will, und an unzählige Psycho-Kursangebote, die dem Menschen durch
die Anwendung ihrer Methodik moderatere oder phantastischere neue Fähigkeiten
verheissen. Mithin können die Lehren, die für Scientology das typische
Kennzeichen einer Religion sind, auch in bewusst wissenschaftlichem und
nichtreligiösem Kontext auftauchen.
Die Deutung dieser Lehren ist in
unserer Gesellschaft folglich strittig und nicht etwa klar religiös, wie
Scientology annimmt.
Nun sind die angesprochenen Theorien von den
Fachwissenschaften nicht als wissenschaftliche anerkannt, der mancherorts
behauptete Wissenschaftsstatus kann ihnen nicht zugebilligt werden. Dennoch ist
ernstzunehmen, dass manche ihrer Vertreter mit wissenschaftlicher Methodik zu
ihnen gelangt zu sein glauben. Diesen Vertretern, wie es Scientology tut,
implicite Religion zu unterschieben, kann nicht als fair bezeichnet werden.
Weiter trägt hier der Begriff der "Parawissenschaft", der Theoriekonzepte
bezeichnet, die wissenschaftlich gewonnen sein wollen, von den
Fachwissenschaften aber wegen wissenschaftstheoretischer Mängel (Fehlen der
Intersubjektivität resp. der Reprodzierbarkeit) nicht als wissenschaftlich
anerkannt werden können.
Die Frage um die Wertung der angeblich
"religiösen" Lehren der Scientology kann somit zugespitzt werden zu: Sind diese
Lehren religiös oder parawissenschaftlich?
Zur Beantwortung dieser Frage
sind die Differenzen zwischen Religion und Parawissenschaft
herauszuarbeiten:
- Diese Differenzen liegen, wie oben gezeigt wurde,
nicht im Inhalt der Lehren. Ein und dieselbe Lehre kann in religiösem wie in
parawissenschaftlichem Kontext auftreten.
- Der wesentliche Unterschied
ist derjenige der Gewinnung der Lehre: Während sich eine religiöse Lehre auf
Offenbarung oder Ueberlieferung stützt, will eine parawissenschaftliche Theorie
durch Forschung gewonnen sein.
- Eine weitere Differenz ist diejenige der
Ueberprüfbarkeit. Während religiöse Lehren den Glauben ansprechen und für den
durchschnittlichen Anhänger nicht überprüfbar sind, geht die Parawissenschaft
davon aus, dass ihre Resultate zumindest theoretisch von jedem Menschen durch
Forschung nachgeprüft werden können. In der Parawissenschaft lautet das Motto
folglich: glaube nicht, überprüfe selbst.
- Der dritte Unterschied zeigt
die differenten Wege der Vermittlung. Während religiöse Lehren als Glaubensgut
vermittelt werden, tritt die Parawissenschaft mit dem Anspruch auf,
wissenschaftliche Resultate anbieten zu können.
Nun ist für die drei
genannten Punkte zu überprüfen, ob Scientology jeweils die Position der Religion
oder diejenige der Parawissenschaft einnimmt:
- L. Ron Hubbard behauptet,
seine Theorien durch Forschung gewonnen zu haben. Sein Rang als Forscher und
Wissenschaftler wird von der Scientology denn auch intensiv thematisiert.
Irgendeine Offenbarung spielt bei Hubbard keine Rolle. Auf Ueberlieferungen
diverser Traditionen bezieht er sich zwar, will deren Gültigkeit aber durch
Forschung und Experiment verifiziert haben.
- Von Scientologen ist oft
der Rat zu hören, man/frau solle der Scientology nichts glauben, sondern deren
Aussagen selbst überprüfen. Scientology behauptet folglich die Ueberprüfbarkeit
ihrer Resultate.
- In der Werbung wird, wie oben schon angesprochen
wurde, der wissenschaftliche Rang der Erkenntnisse der Scientology
betont.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Lehren der
Scientology, die sie als religiöse wertet, durch die Art ihrer Gewinnung und
Vermittlung durch die Scientology als parawissenschaftliche Lehren auftreten.
Scientology als Tradition ist Parawissenschaft, nicht Religion.
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- 2.2 Die "religiösen" Rituale der Scientology
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- Das zweite Argument, das Scientology vorbringt, um den eigenen
Religionsstatus zu untermauern, weist auf angebliche religiöse Rituale hin, die
im Rahmen der Scientology geübt würden. Die hier angeführten Gebräuche lassen
sich in zwei Gruppen einteilen:
- Zum einen benennt Scientology
Gebräuche, Funktionen und auch Objekte, deren Einsatz rein weltlich-immanent
motiviert wird, mit (Zweit-)Namen, die aus religiösen Traditionen geschöpft
sind. So gilt das Auditing als Form der "Beichte", der Auditor wird zum
"Geistlichen", das E-Meter ein "religiöses Artefakt". Hierbei handelt es sich um
eine rein interpretatorische Ebene: Beliebigen scientologischen Begriffen werden
religiöse Termini übergestülpt. Dieses religiöse Mimikry kann zur Begründung des
Religionsstatus keinen grossen Wert haben, da solches jedem beliebigen Verein
möglich ist.
So könnte jeder Fussballclub seine gemeinsamen Trainings als
"Kommunion" bezeichnen, Einzelgespräche mit dem Trainer als "Beichte", diesen
selbst als "Geistlichen", das Mannschaftsdress als "liturgische Gewänder", die
das Training beschliessende Dusche als "Reinigungsritual" und Ligaspiele als
"Hochamt". Der Ball könnte ebensowohl als "religiöses Artefakt" durchgehen wie
das E-Meter.
Diese camouflage allein kann eine religiöse Praxis der
Scientology für religionswissenschaftliche Sicht folglich nicht begründen, will
diese nicht Gefahr laufen, fürderhin jede beliebige Betätigung als religiös
werten zu müssen, falls diese einen solchen Anspruch erhebt.
- Zum
zweiten führte die Scientology, allerdings erst relativ spät in ihrer
Geschichte, Gebräuche ein, die zumeist den christlichen Kirchen nachempfunden
sind, so einen Sonntagmorgen-Gottesdienst, ein Namengebunsritual und ein
Bestattungsritual. Die Frage muss nun lauten, ob solche Rituale religiös zu
werten sind oder nicht.
Hierzu scheinen drei Gedanken bedeutsam :
-
Einerseits können die genannten Rituale durchaus auch ausserhalb religiösen
Kontexts auftreten, zu denken etwa an Namengebungsrituale bei den Pfadfindern,
an säkulare Bestattungsriten und an Reden und Ansprachen zu Feierstunden
säkularen Gepräges. Die Tatsache, dass Scientology über die genannten Rituale
verfügt, weist folglich nicht zwingend auf einen Religionsstatus hin. Die
Scientology-Rituale können durchaus auch säkular gedeutet werden, diese Deutung
wird bei den Teilnehmenden auch der Normalfall sein.
- Zweitens würde
auch eine Deutung der in Frage stehenden Rituale als religiös noch nicht den
Status der Scientology als Religion oder gar Kirche belegen. Das Faktum, dass
eine evangelische Schule jeweils in der grossen Pause eine Andacht durchführt,
macht aus dieser evangelischen Schule noch keine Kirche. Dass
CVP-Parteikongresse mit einer Andacht beginnen mögen, verwandelt die Partei
nicht in eine Religion. Religiöse Aktivitäten machen aus einer Organisation
keine Religion, falls nicht diese religiösen Aktivitäten den Hauptzweck der
Institution ausmachen.
- Hier schliesst das dritte Argument an. In der
Praxis der Scientology kommt den genannten Ritualen eine bloss randständige
Bedeutung zu. Für die Praxis der durchschnittlichen Scientologin, des
durchschnittlichen Scientologen spielt weder der Gottesdienst noch das
Namengebungsritual irgendeine Rolle. Von der äusserst umfänglichen Literatur der
Scientology ist diesen Ritualen wohl kein Promille der gesamten Textmenge
gewidmet. Für die Zwecke der Scientology kommt den Ritualen somit ein ähnlich
niederer oder gar noch geringerer Rang zu als der Andacht für eine evangelische
Schule. Zur Begründung eines Religionsstatus reicht dies nicht
aus.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Scientology als
religiös gewerteten Gebräuche einen Religionsstatus nicht zu begründen vermögen,
da sie entweder religiösen Praktiken nur terminologisch angeglichen wurden oder
aber eine bloss randständige Bedeutung haben. In grosszügigster Interpretation
und unter Einsatz grössten Wohlwollens könnte der Scientology allenfalls
zugebilligt werden, dass sie ein Konzern mit parawissenschaftlicher Ideologie
darstellt, welcher nebenbei Rituale anbietet, welche auch religiös gedeutet
werden können.
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- 2.3 Die Hingabe der Scientologinnen
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- Der dritte Argumentationsstrang der Scientology zur Begründung ihres
Religionsstatus verweist auf den Grad der Hingabe und persönlichen Beteiligung,
der von ScientologInnen gegenüber ihrer Organisation geübt würde. Dieses hohe
Engagement wäre, so die Behauptung, nur mit Religionen zu vergleichen.
In
ihrem dritten Argument geht die Scientology hinter gesicherte Resultate
religionswissenschaftlicher Forschung zurück. Dass der Grad der Hingabe und der
persönlichen Beteiligung zwischen religiösen und nichtreligiösen Organisationen
nicht unterschieden werden kann, dass sich die Grösse des Engagements also zur
Bestimmung des Religionscharakters einer Institution nicht eignet, kann als
nicht mehr bestrittene Erkenntnis der Religionswissenschaft
gelten.
Augenfällig zu belegen ist diese Tatsache anhand eines Vergleichs
religiöser und bewusst irreligiöser weltanschaulicher Gemeinschaften. VPM und
Yamagishi unterscheiden sich als nichtreligiöse Gruppierungen im Grad des
Engagements ihrer Mitgliedschaft in nichts von explizit religiösen
Organisationen wie den Zeugen Jehovas oder der ICOC. Noch weitergehend kann
darauf hingewiesen werden, dass auch manche nicht-weltanschauliche Organisation
auf ein nicht geringeres emotionales wie finanzielles Engagement ihrer
Mitgliedschaft zählen kann, vgl. etwa Fan-Clubs von Sportvereinen oder
Musik-Gruppen.
Der Hinweis auf das zweifellos grosse Engagement vieler
ScientologInnen kann einen Religionsstatus der Scientology folglich nicht
belegen.
- 3 Scientology in der Sicht ihrer Kritiker
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- Nachdem die Argumente der Scientology, mit welchen sie ihre Geltung als
Religion plausibilisieren möchte, gewürdigt sind, sollen nun noch die
wesentlichen Argumente kritischer ExpertInnen besprochen werden, die häufig
gegen einen Religionsstatus der Scientology ins Felde geführt werden.
Es
geht hierbei einerseits um die Organisationsstruktur der Scientology,
andererseits um deren Wertung als Ideologie.
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- 3.1 Scientology als Konzern
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- Scientology tritt in den Augen ihrer Kritiker als privatwirtschaftliche
Firma, als Konzern auf, und nicht als religiöse Institution.
Eine Prüfung
der Scientology ergibt, dass diese Organisation tatsächlich einige schlagende
Parallelen zur Organisationsstruktur eines Konzerns aufweist:
- Die Werke
L. Ron Hubbards, aber auch entscheidende Termini der Lehre Hubbards sind
urheberrechtlich geschützt, die Rechte liegen beim RTC unter der Leitung David
Miscaviges. Scientology-Organisationen müssen für die Verwendung
scientologischer Lehren dem RTC Urheberrechtsgebühren bezahlen. Es kann folglich
formuliert werden, dass die Scientology ihre weltanschauliche Tradition
verkauft.
Religiöse Institutionen verschenken ihre Tradition. Bezahlt
wird allenfalls für konkrete Leistungen, aber keinesfalls für die Bezugnahme auf
die Tradition selbst (man/frau stelle sich vor, der Papst würde die Rechte auf
Begriffen wie "Messe", "Eucharistiefeier", "Maria", "Dreieinigkeit" halten und
für deren Verwendung von Pfarreien Lizenzgebühren erheben).
Diese
finanzielle Bewirtschaftung der eigenen Tradition teilt Scientology mit der
Privatwirtschaft, nicht mit religiösen Institutionen.
- Die Scientology
kennt feste Preise für ihre Leistungen, die ohne Rücksicht auf die finanziellen
Verhältnisse des Leistungsnehmers erhoben werden.
Religiöse Institutionen
kennen durchgängig eine sozial abgefederte Gestaltung ihrer Finanzierung,
entweder über einkommensabhängige Abgaben oder über in der Höhe freie
Spenden.
Die Erhebung fester Preise teilt die Scientology mit der
Privatwirtschaft. Von religiösen Institutionen grenzt sie sich hier klar
ab.
- In der Scientology wird der finanzielle Umsatz intern zur Massgabe
des Erfolges, er ist Hauptdatum der intensiv geführten Statistiken. "Make money,
make more money" lautet denn auch L. Ron Hubbards Weisung an seine
Mitstreiter.
Gemässigte religiöse Institutionen kennen den finanziellen
Umsatz nicht als Massstab des Erfolges. Radikale religiöse Organisationen wie
die ICOC können das Finanzaufkommen in der Erfolgsbilanz anführen, es steht aber
hinter dem missionarischen Erfolg auch intern in klar sekundärer
Position.
Ihre Umsatzbezogenheit teilt die Scientology mit der
Privatwirtschaft.
- Ein Unterschied zwischen der Scientology und einem
privatwirtschaftlichen Konzern zeigt sich da, wo es um das Endziel der
offensichtlichen Bereicherungsabsicht geht. Während die Privatwirtschaft ihren
Gewinn an die Anteilseigner ausschüttet, wirft die Scientology ihren Gewinn in
die Dissemination, die Ausbreitung. Privatwirtschaftlich gesprochen legt die
Scientology den ganzen Gewinn ins Werbebudget um.
In ihrer
Organisationsstruktur kann die Scientology folglich mit einigem Recht als
Konzern gewertet werden, der allerdings nicht persönliche Bereicherung, sondern
permanente Umsatzsteigerung im Auge hat.
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- 3.2 Scientology als Ideologie
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- Scientology vertritt, dies wird eigentlich von niemandem bestritten, ein
Konzept der Umgestaltung der Gesellschaft, das jeden Bereich des menschlichen
Lebens im Auge hat. Der Anspruch der Scientology ist mithin ein
totaler.
Scientology wird deshalb von Kritikern strukturell gerne mit
klassischen Ideologien wie dem Kommunismus oder dem Faschismus verglichen, die
ebenso die Totalität des menschlichen Lebens umfassen möchten. Scientology
könnte so mit gutem Recht als Ideologie bezeichnet werden.
Dahingegen
würde eine Religion sich auf einen gesellschaftlichen Teilbereich beschränken
und auf die Regulation anderer Teilbereiche verzichten.
Dieses Argument
trifft allerdings nur für nachaufklärerische Religionen zu. Religionen, die die
Aufklärung bewusst zurückweisen, wie der protestantische oder der islamische
Fundamentalismus, oder von dieser unbeeinflusst sind, wie ein traditioneller
Katholizismus, können durchaus die Religion als umfassenden Sinnhorzont für alle
gesellschaftlichen Fragen betrachten. Eine Religion kann folglich durchaus auch
als Ideologie auftreten.
Die Tatsache, dass Scientology mit einigem Recht
als Ideologie bezeichnet werden kann, besagt so für den von ihr beanspruchten
Religionsstatus nichts.
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- Scientology bemüht sich intensiv, an Orten, wo solches vorteilhaft zu sein
scheint, als Religion anerkannt zu werden. Die Art der Gewinnung und Vermittlung
ihrer Lehre, das leicht durchschaubare terminologische Mimikry, die geringe
Bedeutung ihrer Rituale und die auf Umsatz orientierte Organisationsstruktur
machen es aus religionswissenschaftlicher Sicht aber nicht ratsam, der
Scientology diesen Status zuzubilligen, will die Religionswissenschaft nicht
Gefahr laufen, fürderhin jeden Anspruch einer beliebigen Organisation, Religion
zu sein, unbesehen übernehmen zu müssen.
Der Anspruch der Scientology,
Religion zu sein, ist deshalb aus religionswissenschaftlicher Sicht
zurückzuweisen.
Scientology ist religionswissenschaftlich gesehen
näherungsweise als Konzern mit parawissenschaftlicher Ideologie zu werten.
-
- Georg Otto Schmid, 1998

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