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Stefan Kuzmany Religionen im Test. So werden Sie Super-Scientologe ! spiegel.de - November 11, 2011
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So werden Sie Super-Scientologe ! Source: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,794466,00.html - 11.11.2011
Scientology-"Kirche" in Berlin: Raus aus dem Körper und ab auf den Mond! Was ist die beste Religion der Welt ? Stefan Kuzmany macht sich auf die Suche - nach Islam und Judentum probiert er jetzt Scientology aus. Für alle, die nicht so viel Zeit haben, hier ein Schnellkurs vom normalen Menschen zum Operierenden Thetan. 1. Teil: So werden Sie Super-Scientologe ! Es kann Jahre dauern und sehr viel Geld kosten (nach Schätzungen etwa 380.000 US-Dollar), sich bei Scientology zu einem Superwesen namens Operierender Thetan ausbilden zu lassen. Das geht allerdings schneller, wenn Sie sich die entsprechenden Dokumente aus dem Internet zusammensuchen und ein wenig Selbststudium betreiben. Noch schneller geht es, wenn Sie meine folgende Kürzest-Zusammenfassung lesen. Sie erhebt wohlgemerkt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrhaftigkeit und ist, so viel ist sicher, ein reines Phantasieprodukt ohne jeden Sinn und Zweck. Das ist auch besser so, denn sollte es sich hierbei um die nichtautorisierte Vermittlung geheimer Scientology-Inhalte handeln, wäre das erstens illegal und zweitens sehr, sehr gefährlich, denn wer nicht exakt nach Vorschrift die Stufen aufsteigt, kann von den falsch enthüllten Inhalten schweren Schaden nehmen - angeblich bis hin zum Tod durch Lungenentzündung. Die weitere Lektüre erfolgt auf eigene Gefahr. Sie sind gewarnt. 2. Teil: Aller Anfang ist klar Der Zustand "Clear" ist dann erreicht, wenn der bisher Ungeklärte die Erkenntnis hat, dass der sogenannte reaktive Verstand, also die Ansammlung schlimmer Erfahrungen (sogenannte Engramme) die wir laut L. Ron Hubbard loswerden sollen, nur eine Einbildung ist. Das ist insofern etwas seltsam, weil wohl die meisten Menschen ohne Kenntnis der Ideen Hubbards von alleine niemals auf den Gedanken gekommen wären, überhaupt so etwas wie einen reaktiven Verstand zu besitzen. Sie waren also in gewisser Weise bereits vorher schon "clear", wussten es aber noch nicht. 3. Teil: Seltsame Dinge auf Stufe 1 Im Wesentlichen geht es in diesem Kurs darum, auf öffentlichen Plätzen herumzulungern und Menschen und deren Eigen- schaften zu beobachten, kleine, große, dicke, dünne und so weiter - so lange, bis man eine "Erkenntnis" hat. Fragen Sie mich bitte nicht, um welche "Erkenntnis" es sich dabei handeln soll, vermutlich aber um die, dass es eine Menge unterschiedlicher Leute gibt. OT 1 beendet. Gratulation! Aber Vorsicht: Laut Hubbard können bei der Ausbildung zum Operierenden Thetan der Stufe 1 "seltsame Dinge" geschehen. Es gibt von dieser Stufe allerdings auch eine überarbeitete Version, die sich darin erschöpft, eine Liste von Leuten aufzustellen, mit denen man einmal Probleme hatte oder haben könnte, und diese Liste dann in einem Frage-Antwort-Verfahren mit einem Scientology-Angestellten abzuarbeiten, der sich dabei eifrig Notizen macht. Mir ist die alte Version sympathischer. 4. Teil: Weichgeklopft auf Stufe 2 Sehr schwer zu beschreiben und praktisch unverständlich. Diesen Kurs sollten Sie am besten vielleicht doch selbst in einer autorisierten Scientology-Niederlassung absolvieren. Es scheint darum zu gehen, das Denken in Gegensätzen zu überwin- den und zu diesem Zweck mit diversen Begriffspaarungen zu operieren. Am Ende scheint dann etwas zu explodieren, aber wahrscheinlich doch eher symbolisch, und dann gibt es da wohl noch Elemente in diesem Kurs, die daraus bestehen, dass man sich das Innere eines Hauses vorstellt oder für einige Stunden das Bild einer Frau vor dem geistigen Auge hat. Es kann allerdings sein, dass diese Stufe nur dazu dient, den Interessenten hinreichend zu verwirren und weichzuklopfen, damit er schluckt, was ihm in der nächsten Stufe geboten wird. 5. Teil: Kopfschmerzen bei Stufe 3 Diese Stufe wird auch "Feuerwand" genannt, höchstwahrscheinlich, weil ihre Durchschreitung ähnlich viel Überwindung kostet wie die eines brennenden Gemäuers. Während man sich bei einer realen Feuerwand jedoch auf Verbrennungen einstellen muss, ist der Kurs "Operierender Thetan Stufe 3" wohl eher mit heftigem Kopfschmerz verbunden. Entweder handelt es sich dabei nämlich um die endgültige Erklärung der menschlichen Natur. Oder um hanebüchenen Unsinn. Aber halt: was, wenn die menschliche Natur hanebüchener Unsinn ist? Entscheiden Sie selbst. Nehmen Sie vorher am besten schon mal eine Kopfschmerztablette. Oder besser: zwei. Sitzen Sie gut? Also los. Vor 75 Millionen Jahren war ein außerirdischer Diktator namens Xenu für einen Teilbereich der Galaxis zuständig, eine Föderation aus 26 Sternen und 76 Planeten. Dummerweise lebten auf jedem dieser Planeten durchschnittlich 178 Milliarden Bewohner zu viel. Um der Überbevölkerung beizukommen, ließ er die überzähligen Kreaturen zu einer Überprüfung ihrer Steuererklärung in die örtlichen Finanzämter einbestellen und sie dort von Psychiatern mit einem Alkohol-Glykol-Gemisch betäuben und einfrieren. Die gefrorenen Kreaturen wurden daraufhin in Raumschiffe verladen, die dem irdischen Flugzeug Douglas DC-8 frappierend ähnlich sahen, und auf den Planeten Teegeeack gebracht, dessen Name dem Begriff "Teegebäck" frappierend ähnlich sieht, der aber eigentlich unsere Erde ist. Kaum angekommen, wurden die vereisten Steuerzahler in Vulkane auf den Kanarischen Inseln und Hawaii geworfen, und noch einige Wasserstoffbomben hinterher, auf dass ihre Körper verdampften, womit das Bevölkerungsproblem allerdings immer noch nicht gelöst war, denn jetzt schwirrten 13,5 Billionen Seelen über die Weiten von Teegebäck. Doch Xenu, nicht blöd, hatte vorgesorgt und riesige Seelenstaubsauger aufstellen lassen, die die armen Seelen wieder einfingen. Dann wurden die gefangenen Seelen in 3-D-Kinos gesteckt, wo sie sich zwar nicht "Avatar", aber doch unzählige andere schreckliche Filme ansehen mussten. Kurz gesagt: Es wurde ihnen die Realität, wie sie Nicht-Scientologen kennen, eingeimpft, inklusive aller Ideologien wie Kapitalismus oder Kommunismus sowie sämtlicher bekannter Religionen - eben alles. Schließlich wurden sie freigelassen, schwirrten ziellos umher, formten dann, nun ja, Klumpen, und diese Klumpen hefteten sich dann an die frühen Menschen. Diese Klumpen sind die sogenannten "Körper-Thetane", und der gesamte Rest der scientologischen Ausbildung handelt davon, diese Körperklebewesen wieder loszuwerden. 6. Teil: Körperlos drogenfrei auf Stufe 4 Ziel dieses Kurses ist es offenbar, die eigene Drogenvergangenheit zu bewältigen. Wobei "Vergangenheit" ein sehr weit gefasster Begriff ist, denn selbst wenn Sie in Ihrem Leben niemals auch nur einen etwas zu starken Früchtetee zu sich genommen haben sollten - einige Ihrer etwa zweitausend Anhaftungen waren wahrscheinlich schwer abhängige Typen und haben ihren letzten dicken Joint gerade im Aschenbecher ausgedrückt, als sie damals vor 75 Millionen Jahren ins Finanzamt aufgebrochen sind zu Xenus vorgetäuschter Steuerprüfung. Tja, und die sind noch heute bekifft, daran hat auch ihre Verdampfung im Vulkan nichts geändert: Nach all den Jahren sind sie noch stoned. Und ob Sie es glauben oder nicht: Sie auch. Denn irgendwie kann offenbar die bloße Erinnerung an die Drogenräusche irgendwelcher körperlosen Wesen betäu- bende Wirkung haben. Also wird zunächst einmal ausgiebig gesaunt, um seit Jahrmillionen vorhandene Drogenreste aus dem Körper zu schwitzen. Und anschließend werden die drogenabhängigen Körperthetane vertrieben. 7. Teil: Irgendwas bemerken auf Stufe 5 Auch von diesem Kurs gibt es zwei Versionen. Die ursprüngliche enthüllt angeblich endlich die grundlegenden Gesetze von Materie, Energie, Raum und Zeit. Der Proband liegt herum und konzentriert sich abwechselnd auf Punkte innerhalb und außerhalb seines Körpers, bis er entweder eingeschlafen ist oder sich außerhalb des physischen Universums befindet, was ja im Grunde genommen dasselbe ist. Später soll man dann auf parkende Autos zulaufen und sich darüber Gedanken machen, wie sich die Entfernung zu dem Auto verändert (von fahrenden Autos ist zum Glück nicht die Rede), noch später dann Energiestrahlen auf Gegenstände richten beziehungsweise Energie von Objekten abziehen. Mindestens zehnmal wiederholen, sonst hilft es nichts! Und sich dann Gedanken darüber machen, was da gerade geschehen ist. Nun ja. Irgendwann ist man dann so weit, dass man die Erdbewegung spürt. Und wenn man dann "etwas an zehn Leuten bemerkt" hat, ist man reif für die nächste Stufe. Zu diesem Zeitpunkt sollten allerdings wohl schon mehr als zehn Leute "etwas" an einem bemerkt haben, es könnte sich dabei um fortschreitenden Schwachsinn handeln, und vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Stufe 5 grundlegend überarbeitet wurde. Die neue Stufe 5 ist eine ungleich weniger spektakuläre Ansammlung von Übungen, die sich mit der Austreibung besonders hartnäckiger Körperthetane beschäftigen. 8. Teil: Raus aus dem Körper auf Stufe 6 In der ursprünglichen Version scheint es hier darum zu gehen, den Probanden daran zu gewöhnen, sich außerhalb des physikalischen Universums aufzuhalten. Im ersten Teil dieses Kurses soll man sich in eine Position drei Fuß hinter seinem Kopf begeben - falls das nicht klappt, soll man versuchen, sich nicht drei Fuß hinter seinen Kopf zu begeben. Später: Zwei Ecken im Raum suchen und zwei Minuten dort bleiben. Zwei Orte auf der Erde suchen und zwei Minuten dort bleiben. Einige Orte finden, an denen man sich nicht befindet. Und noch mal. Später dann soll man sich unter anderem auf die Sonne und auf den Mond begeben. Im zweiten Teil verlässt man dann gleich anfangs den Körper und erteilt verschiedenen Lebewesen Anweisungen: Tiere sollen sich bewegen und stehen bleiben, Menschen ebenso. Da das Ganze nur im eigenen Kopf stattfindet, könnte es sogar funktionieren. Im dritten und vierten Teil geht es schließlich darum, sich in verschiedene emotionale Zustände wie Ruhe, Erregung, Schmerz und so fort zu bringen und diese dann abzuschalten, bis man schließlich in der Lage ist, das gesamte emotionale Spektrum wie eine Glühbirne ein- und auszuschalten. Zum Abschluss des Kurses soll man einen entfernt lebenden Freund telepathisch dazu bringen, dass er einem einen Brief schreibt. Die neue Version dieses Kurses ist, wie zu erwarten, vergleichsweise sehr viel langweiliger und besteht aus der Vermittlung einer Ansammlung von Methoden, den Körperklebewesen telepathisch-gesprächsweise zu Leibe zu rücken. 9. Teil: Gedanken einpflanzen auf Stufe 7 Die ursprüngliche Version dieses Kurses soll den Probanden befähigen, Absichten zu beeinflussen - sowohl die eigenen als auch die anderer Menschen. Zu diesem Zweck werden zunächst allerlei Wortspiele mit dem Begriff "Absicht" veranstaltet, daraufhin wird - zunächst noch im Schutz eines geschlossenen Raumes - geübt, eigene Gedanken in Gegenstände einzupflanzen. Denken Sie jetzt beispielsweise "So ein Unsinn!" - und dann lassen Sie dieses Buch diesen Gedanken denken. Wenn Sie das so weit hinbekommen haben, sind Sie auch schon bald reif für die Abschlussübung von OT 7: Gehen Sie mal wieder raus in einen Park, auf einen Bahnhof oder sonstwohin, wo sich viele Menschen aufhalten. Und dann pflanzen Sie eine Absicht in einen Passanten ein… geh jetzt zum Zug… geh jetzt zum Zug… steig ein… fahr weg… na also, geht doch. In der überarbeiteten Version dieses Kurses hingegen sitzen Sie nur die ganze Zeit daheim und unterhalten sich mit Ihren Körper-Thetanen. Langweilig! Am Ende realisieren Sie aber immerhin, dass Sie am Leben und Sie selbst sind. Das Ganze nennt sich dann "Ursache des Lebens". 10. Teil: Ron erkennen auf Stufe 8 Diese höchste der bisher angebotenen Stufen wird nur auf dem Scientology-Schiff "Freewinds" angeboten, einem Passa- gierschiff, auf welchem Hubbard selbst einige Jahre durch die Weltmeere gekreuzt ist, was praktisch war, weil man in internationalen Gewässern keinen Gesetzen unterworfen ist und schon gar nicht dem Steuerrecht. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen werden an Bord die höchsten Scientology-Weihen erteilt. Es kursieren keinerlei Abschriften vom OT 8-Kurs, nur Erinnerungsberichte von Aussteigern. So viel ist bekannt: Am Ende der überarbeiteten Version von OT 8 soll man gerüchteweise zu einer Erkenntnis gelangen, die allerdings niemanden überraschen dürfte, der sich bis zu diesem Punkt hochgearbeitet hat: L. Ron Hubbard ist Gott. Halleluja! Viel hilfreicher und interessanter ist jedoch mal wieder die ursprüngliche Version der Stufe 8: Hier wird die sich von Anfang an aufdrängende Frage beantwortet, warum sich Thetane so viel Zeugs ausdenken, das nicht existiert? Warum sie Aufzeichnungen von schlechten Erfahrungen speichern, obwohl diese sie doch nur behindern? Oder anders gefragt: Was soll das alles? Die Antwort: Weil die Thetane in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden sind. Das mögen sie nicht. Mit anderen Worten: Wer sich nicht von anderen (und nicht einmal von den Gesetzen der Physik) vorschreiben lässt, wo er wann zu sein hat, sondern selbst darüber entscheidet, ist ein Operierender Thetan. Sämtliche weiteren Termine in bei Scientology können somit getrost gestrichen werden. Ob Scientology tatsächlich eine Religion sein könnte, was es mit dem tollen Ron noch so auf sich hat und einiges mehr über Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus und den ganzen Rest erfahren Sie in Stefan Kuzmanys Buch "Das können Sie glauben!", das am 11. November 2011 bei S. Fischer erscheint.
Stefan Kuzmany: Das können Sie glauben ! Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch. Fischer Taschenbuch Verlag; 256 Seiten; 9,99 Euro. |
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"Das können Sie glauben !": Stefan Kuzmany über Religionen im Selbstversuch
Source: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,794466,00.html - 11.11.2011 |
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Exposing Scientology through streaming video Ces reportages vidéo dénoncent les dangers de la thérapie de scientologie. La scientologie est une nébuleuse sur laquelle ont enquêté de nombreux journalistes. Il suffit de répondre une fois à un questionnaire pour recevoir des prospectus et des invitations. Au départ elle peut même paraître séduisante mais très rapidement les premières dérives apparaissent. |
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