Scientology will Aktivitäten nach Stuttgart ausweiten
 
Quelle : Esslinger Zeitung vom 27.7.05
http://www.ez-online.de/lokal/stuttgart/stuttgart/Artikel9055.cfm
Von Martina Fürstenberger
 
Organisation plant Kauf eines Gebäudes in der Marienstraße Stadt will dies verhindern
 
Stuttgart  Die Scientologen wollen ihre Aktivitäten in Stuttgart ausweiten. Die Organisation will ein Haus in der Marienstraße kaufen, Vertragsentwürfe liegen bereits vor. Die Stadt versucht nun, den Kauf zu verhindern und will das Gebäude eventuell selbst erwerben.
 
Der Besitzer des Gebäudes in der Marienstraße ist der Bauunternehmer Paul Grüninger. Die Gespräche werden ergeben, an wen ich verkaufe, sagt er. Mit Scientology habe er bereits einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Damals sei es um eine Mietsache gegangen. Er selbst sei kein Anhänger von Scientology. Da die Stadt verhindern will, dass sich die Organisation weiter ausbreitet, hat sie Grüninger zu einem Gespräch mit Bürgermeister Michael Föll eingeladen, das Anfang August stattfinden wird. Da habe ich zugesagt, vorher wird nichts entschieden, so Grüninger.
 
Offen ist der Ausgang auch deshalb, weil der Bauunternehmer auch mit der Stadt keine guten Erfahrungen gemacht habe. Grüninger hat versucht, ein Gebiet entgegen dem Bebauungsplan zu bebauen, so Pressesprecher Stephan Schorn. Die Stadt wolle natürlich verhindern, dass sich Scientology in Stuttgart ausbreitet, doch unsere Handlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Dass die Vereinigung ein größeres Objekt in Stuttgart sucht, sei bekannt gewesen. Wir werden in absehbarer Zeit ein geeignetes Objekt finden, ist Hubert Kech von Scientology Stuttgart überzeugt. Egal was die Stadt macht. Klappt es mit dem Kauf des Gebäudes in der Marienstraße oder eines anderen Gebäudes, so werden die bisherigen Räumlichkeiten in der Hohenheimer Straße aufgegeben. In der Marienstraße hätten wir viel mehr Platz, so Kech. Der Bedarf steigt. Unter den Mitgliedern werde derzeit um Spenden gebeten, um den Kauf zu finanzieren.
 
Die SPD befürchtet, dass Stuttgart die bundesweite Operationszentrale der Gemeinschaft wird. Hinter den Kulissen scheint offenbar eine neue Positionierung geplant, schreibt der Gemeinderat Andreas Reißig in einer Anfrage. Zu den zentralen Zielen von Scientology gehöre es, Geld, viel Geld zu machen. Die wirtschaftsstarke Region Stuttgart biete sich hierfür besonders an, so Reißig.
 
Verfassungsschutz beobachtet
 
Mit fragwürdigen und die Psyche gefährdenden Kursen werde den Menschen das Geld aus der Tasche gezogen. Die Stadt soll alles dafür tun, die Bürger vor diesen Gefahren zu schützen. Wir wollen kein Hauptquartier für Deutschland in Stuttgart. Immerhin soll auf einer Versammlung im Cannstatter Kursaal vor eineinhalb Wochen ein Film gezeigt worden sein, in dem Stuttgart in einer Reihe mit anderen europäischen Zentralen gezeigt wurde. Stuttgart soll eine ideale Org werden, vermutet Helga Lerchenmüller von der Aktion Bildungsinformation, die mit Teilnehmern der Versammlung gesprochen hat. Die Lehre soll von hier aus verstärkt verbreitet werden. Die Vereinigungen in Hamburg und in München, wo die Zentrale von Scientology ist, seien in letzter Zeit etwas schwächer geworden. Nun soll Stuttgart die ideologische Führerschaft übernehmen.
 
Die Organisation, die in Baden-Württemberg zirka 1200 Mitglieder hat, wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Es lägen Anhaltspunkte vor, dass Scientology Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verfolgt. Zu Scientology zählen die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) sowie die Wirtschaftsorganisation WISE. In Bad Cannstatt wird ein Nachhilfeinstitut mit dem Namen Professionelles Lerncenter Stuttgart betrieben, das nach der Methode von Scientology-Gründer L. Ron Hubbards arbeitet. Kritisch betrachtet Lerchenmüller auch den Neue-Impulse-Treff, der zu Vorträgen in die Hornbergstraße einlädt. Dahinter stecken nach Ansicht von Lerchenmüller die Stuttgarter Moonsekte sowie Scientology. Die Gruppierung ist in letzter Zeit aktiver geworden, so Lerchenmüller.
 
Scientology (CCHR/KVPM) eröffnet
Antipsychiatrie-Museum in Los Angeles
Scientology's New Psycho-Out Museum

NY Post, November 20, 2005
By Philip Recchia

Scientology is taking its fight against psychiatry to the streets - namely Sunset Boulevard.

The church will open a "Psychiatry : Industry of Death" museum next month in L.A., complete with vintage instruments of torture, images of electroshock therapy and "rare archival footage of psychiatry's brutal treatments."

Created by the Citizens Commission on Human Rights - which was founded by the church in 1969 "to investigate and expose psychiatric violations of human rights" - the museum will also show new documentaries featuring "dozens of medical doctors, attorneys [and] educators."

Top church officials were in New York last week promoting the exhibit at the International Association of Scientologists' annual meeting.

"It was like stepping into a time warp," one source, who attended the meeting, told The Post. "All this horrific turn-of-the-century stuff that hardly exists anymore - patients convulsing from electroshock therapy, torture caps on people's head, Pavlov and his dogs."

Before a clip from one "educational" documentary was introduced, a church spokesman warned the audience that some images were "too gruesome to show" with "women and children" present, the source said.

According to Scientology, psychiatry is the root of all evil on the planet.

"The psychs [have] destroyed every great civilization to date and are hard at work on this one," church founder L. Ron Hubbard wrote in 1982.

Tom Cruise entered into a high-profile battle with the profession this summer by declaring on the "Today" show that "psychiatry is a pseudo-science."

He also criticized Brooke Shields for taking antidepressants to deal with her postpartum depression.

The museum, which opens to the public on Dec. 16, will be housed on the ground floor of CCHR's headquarters on Sunset Boulevard.

CCHR did not return calls seeking comment.

http://www.nypost.com/news/nationalnews/31569.htm

 
Lernstudios - von Scientology unterwandert
 
Quelle : Süddeutsche Zeitung vom 5.12.05, 16:43 h - Printausgabe vom 6.12.05
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/645/65580/
Schüler im Visier von Sekten und Psychogruppen
 
Die Organisation will ihre Lehre über Nachhilfeinstitute verbreiten.
Das Kultusministerium warnt bereits die Schulen.
 
Von Roswitha Feger-Risch

Das achtjährige Gymnasium überfordert viele Schüler - kein Wunder, dass Lernstudios und Hausaufgabenüberwachungen gerade einen Boom erleben. Auf diesen Zug wollen aber auch andere aufspringen: Sekten, Psychogruppen und die umstrittene Scientology-Organisation nutzen die Nachfrage, um ihre Lehre über Nachhilfeinstitute weiter zu verbreiten. "Wir sind dabei, uns in diesem Bereich zu etablieren", bestätigt Sabine Weber, Pressesprecherin der in München ansässigen Scientology-Organisation Bayern.

Viele Eltern möchten, dass ihr Kind Abitur macht - in der Hoffnung, die Chancen auf einen Arbeitsplatz stünden damit besser. Inzwischen besucht mehr als ein Viertel aller Schüler Förderstunden oder Hausaufgabenhilfe, wie das Bayerische Landesjugendamt in seinem Mitteilungsblatt 2/05 bekannt gibt.

Lernstudios, die mit sektenähnlichen Organisationen in Verbindung stehen, machen sich diesen Ehrgeiz der Eltern zunutze. Sie werben oft damit, dass jeder alles lernen könne, wenn er nur die richtige Methode anwende. Das ist Balsam für Leute, die partout nicht einsehen wollen, dass ihr Kind kein Genie ist.

"Das Hirn ist ein Fleischklops, sonst nichts"

Doch es ist nicht einfach, den Instituten einen direkten Draht zu Scientology nachzuweisen. Mit dem Slogan "Lernen mit Verstehen" wirbt zum Beispiel die Nachhilfe-Akademie Donnert in Petershausen im Anzeigenblatt "Amper Bote". Thomas Donnert gibt am Telefon allerdings keine Auskunft zu der von ihm angewendeten Lernmethode.

Er verweist stattdessen auf den Scientologen Johann Altendorfer in München. Wer sich über Bildungsangebote der Scientology-Organisation in Bayern informieren möchte, kommt an Altendorfer nicht vorbei. Renate Kluss, Inhaberin des Lernstudios Kluss in Freising, bejaht zwar die Frage, ob sie nach der Methode des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard unterrichte. Wie Donnert verweigert aber auch Kluss weitere Auskünfte und verweist auf Altendorfer.

Wilfried Busse, Inhaber eines Lernstudios in München, spricht offen über die von ihm angewandte Methode. Er sei sogar im Besitz einer Lizenz der "Studiertechnologie" von L. Ron Hubbard: "Was von Hubbard kommt, ist das Einzige, was wirklich funktioniert", behauptet Busse und bezweifelt ungefragt wissenschaftliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Funktionsweisen der rechten und der linken Gehirnhälften: "Das ist alles Quatsch. Das Hirn ist ein Fleischklops, sonst nichts." Busses Klienten sind nach seinen Angaben Steuerberater, Rechtsanwälte und Examenskandidaten.

Unverfängliche Namen

Er finde seine Kunden, indem er sie direkt anschreibe. Die Adressen kaufe er von Agenturen. Andere finden über sein Angebot im Internet zu ihm. Außerdem inserieren Scientologen, die Nachhilfe oder Lernhilfe anbieten, in Zeitungen und Anzeigenblättern.

Laut Auskunft der angefragten Schulleiter von Münchner Gymnasien ist es in ihren Schulen nicht möglich, Nachhilfeunterricht anzubieten, ohne persönlich beim Schulleiter vorstellig zu werden. Alle Angebote am Schwarzen Brett würden von den Schulleitern geprüft. Dennoch ist es nicht weiter schwer, in unmittelbarer Nähe einer Schule Flyer zu verteilen oder diese zum Beispiel auf der Haupttreppe auszulegen.

Das Werbematerial der von Scientologen geführten Lernstudios erweckt auf den ersten Blick keinen Verdacht. Die Firmen tragen unverfängliche Namen wie Lernstudio oder Lerncenter. Hinweise auf die Zugehörigkeit zur Scientology-Organisation werden sorgfältig vermieden. Trotzdem gibt es einige Merkmale, die auf die Seriosität eines Angebotes schließen lassen.

Gütesiegel in Planung

Laut der Scientology- Krisenberatungsstelle des Bayerischen Landesjugendamtes sind zum Beispiel unrealistische Erfolgsversprechen mit Vorsicht zu genießen. "Wir haben nun einmal nicht alle die gleichen Talente, auch wenn wir das manchmal nicht wahrhaben möchten", sagt die Beraterin. Dubiose Lernmethoden würden oft als Lösung für alle Lernprobleme angepriesen. Den Kunden wird vorgemacht, jedes Fach könne mit Erfolg gelernt werden. In der "Studiertechnologie" gehe es zum Beispiel darum, alle nicht verstandenen Wörter nachzuschlagen. Außerdem sollen unklare Begriffe mit Knetmasse gebastelt werden. Auf diese Weise könne jeder Lernstoff verstanden werden.

Um sicherzugehen, empfiehlt die Scientology-Krisenberatungsstelle, "vor Abschluss eines Vertrages mit einem Nachhilfe oder Lernstudio, die Unterzeichnung einer so genannten Schutzerklärung zu verlangen". In dieser versichert das Studio, nicht nach Methoden von L. Ron Hubbard zu unterrichten.

Dem Kultusministerium ist nicht entgangen, dass Scientology verstärkt versucht, über Lernstudios an Kinder und Jugendliche heranzukommen. Innenminister Günther Beckstein wies im Verfassungsschutzbericht 2004 auf die Gefahr hin. Das Kultusministerium sandte daraufhin ein Warnschreiben an alle Schulleiter in Bayern.

Im Juli dieses Jahres schließlich forderte der Landtagsabgeordnete Florian Ritter den Bayerischen Landtag dazu auf, ein Gütesiegel für Nachhilfestudios einzuführen. "Derzeit erarbeitet das Ministerium eine Regelung, um ein solches Gütesiegel zu realisieren", sagt Ritter. Geplant sei eine Selbstverpflichtungserklärung. Das Ergebnis wird in wenigen Wochen erwartet.