Die
Scientology-Sekte wird in Russland jetzt mit harten
Bandagen bekämpft. Wie die Moscow Times berichtete,
werfen Gerichte und Staatsanwaltschaften den Anhängern
der Pseudo-Religion Hasspredigten und gewalttätigen
Extremismus vor.
Im
Oktober 2009 hatten die Sektierer vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte allerdings einen
Erfolg gegen die russische Regierung erzielt. Ihre
Nichtanerkennung als Religionsorganisation mit der
Begründung, sie seien nicht etabliert sondern
invasiv, war nicht gelten gelassen worden.
Dabei
steht allerdings auch Deutschland, seine Regierung
und Justiz, mehrheitlich auf dem Standpunkt, Scientology
sei eher eine Kommerz-Unternehmung als eine Religion.
Aus den USA, wo die dubios herbeigeführte Steuerbefreiung
wegen Anerkennung als „Church“ auch jahrzehntelang
umstritten war (und noch ist), kommen dazu stetig
harsche Kritiken wegen angeblicher „Religionsunterdrückung“.
Nüchtern
und eigenständig betrachtet stellt sich mir
Scientology dar als sichtbarste, expliziteste Form
der besonders in westlichen Ländern verbreiteten
Geld-Religion. Obschon auch andere esoterische Sekten
das Ziel der Anhäufung von Geld und Macht in
den Händen der (charismatischen?, machtbewussten)
Anführer ähnlich skrupellos umsetzen.
In Scientology spielt „Geldmachen“ anscheinend noch
vor dem Ideologischen die zentrale Rolle im Alltagsleben.
Interessanterweise
ist die Verbindung zwischen Religion und Geldgeschäften
historisch bereits in der Antike verbreitet. In
Georg Simmel: Philosophie des Geldes wird das Thema
behandelt; in Global exit : die Kirchen und der
totale Markt von Carl
Amery
liegt
eine gute zeitgenössische Auseinandersetzung
vor.
Für
die Bibelkundigen unter den Brightsblog-Lesern kann
man natürlich auch auf Moses gegen den Kult
des Goldenen Kalbs (2. Mose 32, 1–4) sowie auf Jesus
treibt die Händler aus dem Jerusalemer Tempel
(Joha 2, 13-16) verweisen. Der Vatikan allerdings,
der mit seiner exterritorialen, steuerfreien Vatikanbank
ein Milliarden-Aktien-Vermögen hortet, hat
sich voll Lug und Trug längst von diesem Wegweiser
verabschiedet. Nebenbei lässt er sich die 10.000
Euro-Monatsgehälter für seine Bischöfe
in Deutschland aus dem allgemeinen Steueraufkommen
bezahlen. Wofür der Pontifex nebenher die deutschen
Kirchensteuern verwendet?
Doch
zurück zu der raffgierigen Scientology-Sekte:
deren Geldgier versteckt sich hinter den falschen
Etiketten „Kirche“ (wegen Steuerbefreiungs-Privilegien)
und „Science“ (mit dem sie sich im Namen schmückt).
Dabei verdienen ihre Lügendetektor-Praktiken,
Fragebögen und „Kurse“ keinerlei Anspruch auf
Wissenschaftlichkeit, täuschen diese aber offenbar
erfolgreich bei Leichtgläubigen vor.
Die
russischen Vorwürfe und Anklagen wegen Hass,
Gewalt und Extremismus gegenüber Scientology
sind einigermaßen plausibel. Aus den letzten
Jahrzehnten gibt es hinreichend Zeugenaussagen und
Bücher von Aussteigern über sekteninterne
Straflager-Praktiken und Gewalttaten. Gegner der
Sekte wurden zum einen mit dubiosen Gerichtsverfahren
sowie mit „Telefonterror“, Gerüchten und Gewalt
eingeschüchtert. Daher ist dem russischen Vorgehen
gegen die US-Export-Sektierer kaum zu widersprechen.
Eher schon wundert die Haltung des Marburger Religionswissenschaftlichen
Instituts (und weiterer), dass man dort Scientology
so vorbehaltlos als Religion einstuft.