Der Alpengasthof Wochenbrunn in Ellmau hat eine wechselhafte Geschichte
hinter sich. Einheimische und Gäste starten von hier aus zu Wander- und
Klettertouren in den Wilden Kaiser, außerdem hatten einst die
alpenländischen Ranggler hier einen Stützpunkt. Nicht zuletzt
entdeckten
auch die Vertreter der Filmindustrie Wochenbrunn: Die malerische Gegend
diente mehrfach als Kulisse für kitschig-lächerliche Alpenpornos.
Mittlerweile aber hat's ausgejuckt in der Lederhose. "Das Gasthaus ist
gewerberechtlich nicht genehmigbar", sagt der Ellmauer Bürgermeister
Klaus Manzl.
Die Besitzerin, Anna T., die im Ort nur "die Baronin" genannt
wird, habe sich deshalb nach einer neuen Einnahmequelle umgesehen. Das
Haus wurde verpachtet - an die Narconon Bayern e.V. (die Tiroler
Tageszeitung berichtete). In dieser umstrittenen Einrichtung werden
Drogenabhängige behandelt. Die Therapieanleitung stammt von Ron L.
Hubbard, dem Gründer von Scientology, dessen Hauptwerk "Dianetik" quasi
den Weg in ein drogenfreies Leben vorzeichnet.
Genau das passt den Dorfoberen gar nicht in den Kram. Kein Wunder.
Ellmau ist ein Tourismusort mit knapp 700.000 Nächtigungen pro Jahr,
der
vor allem im benachbarten Deutschland einen hervorragenden Namen hat.
TV-Serien wie "Wilder Kaiser" zementieren den Nimbus von der schönen,
unberührten Natur in Ellmau. In dieses Bild passen keine Drogen. Und
der
umstrittene Psycho-Kult Scientology ist schon gar nicht kompatibel mit
der heilen Welt am Fuß des Kaisergeborges. "Eine Verbindung zwischen
Ellmau und dem Drogen-Zentrum schadet uns", versichert Manzl, "wir
wollen Ellmau nicht als Scientology-Metropole in den Schlagzeilen
wissen."
Als vor einigen Tagen im Ort auch noch Flugzettel mit einer Einladung
zu
"Kaffee und Kuchen" im ehemaligen Alpengasthof auftauchten, platzte
Manzl der Kragen: "Ich habe das so aufgefasst, dass Scientology jetzt
auch im Ort Leute anwirbt. Als mich dann auch noch besorgte Mütter
darauf angesprochen haben, habe ich allen Haushalten in Ellmau einen
Brief geschickt."
In diesem Postwurf verwendet Manzl deutliche Worte: Er unterstellt
Scientology, "mit professionellen Schulungen und Trainingskursen die
Schwächen labiler Menschen auszunützen. Aus rein wirtschaftlichen und
machtpolitischen Gründen würden die schwachen Menschen unserer
Gesellschaft missbraucht."
Manzl versteht sein Schreiben als Information und als Warnung, denn
rein
rechtlich ist er machtlos: "So lange die sich an die Gesetze halten,
sind uns die Hände gebunden." Sollten die Scientology- oder
Narconon-Jünger aber weiter im Ort um Kundschaft buhlen, will Manzl
einschreiten. "Wir werden uns zu wehren wissen", verspricht er.