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Aggressive Aktionen der Scientologen im Kleinbasel
 
Das Volkshaus leergefegt
 
 
Der Volkshaus-wirt hatte die Nase voll un schloss am Sonntag sein Lokal. (Foto : Lukas Gysin)
 
Restaurant wegen «Belüstigung der Gäste» geschlossen
 
Baslerstab, 15. September 2003
 
Neuer. Wirbel im Volkshaus : Die Casino-Gesellschaft (CG) aIs Bewirtschafterin der diversen Säle gewährt seit Freitag bis morgen Dienstag den Scientologen fur 400 Franken Tagesmiete Gastrecht.
 
Passanten-Belästigung
 
Die auf der Strasse aggressiv vorgehenden Missionierer nötigten zahlreiche Passanten zum Besuch ihrer Ausstellung im Balkonsaal. Das bestätigen auch Roger Gugger von der Clique Wiehlmys und Rolf Lang, der am Kleinbasler Ehrentag den Vogel Gryff tanzt : «Mehrere Passanten wurden regelrecht abgeschleppt.»
 
Das forsche Auftreten der Scientologen vertrieb zahlreiche Volkshaus-Gäste. Das aufdringliche Treiben wirkte sich auch auf den Ablauf des Wiehlmys-Gartenfestes (Junge Garde) negativ aus. «Gegenüber früher verkauften wir kaum ein Drittel der Tombolalose», so Gugger.
 
CG-Direktor Markus Hasler, der den Auftrag hat, das Saalgeschäft im Volkshaus in schwarze Zahlen zu führen, versteht den Wirbel nicht. «Ich habe keine Belästigungen von Passanten und Restaurantgästen wahrgenommen.» Hasler beruft sich auf die Basler Verwaltung, die den Scientologen kürzlich sogar den Seibi zur Verfügung gestellt hat.
 
Der Hären-Meister Georg­André Schlager ist anderer Ansicht: «Nicht jedes Geschäft ist akzeptabel.» Volkshaus-Wirt Martin Künzel, der seine Gäste am Samstag mit der Lupe suchen musste, schloss sein Lokal am Sonntag «wegen Belästigung durch die Scientologen.» Auch hat er einen Sicherheitsdienst beauftragt, für Ordnung zu sorgen.
 
Markus Hasler wiederum legt Wert auf die Feststellung, dass im Volkshaus bekannte Pop- und Musikgruppen auftreten werden. Man solle doch Geduld und Vertrauen haben.
 
Willi Erzberger
 
 

 

 VIEL AUFREGUNG UM SEKTE
 
Baslerstab, 23. September 2003
 
Heftige Leserreaktionen
 Klassenbesuche bei Scientology stossen
auf völliges Unverständnis
 
 
Scientologen (ingelbenT-Shirts) beim «Missioneren» am Marktpalatz in basel      (Foto : Elena Monti)
 
Die Titelgeschichte des Baslerstab über begleitete Besuche von Basler Schulklassen bei Scientology sorgt für Aufregung. Kaum jemand hat Verständnis für diese Art der Informationsvermittlung.
 
«Als Vater von drei Buben bin ich empört», schreibt etwa Peter Adler. «Was hat eine solche geistige und weltliche Aussaug-Sekte mit Religionsgemeinschaften zu tun ? Ich hoffe sehr, dass diese Besuche in Zukunft nicht mehr statt finden.»
 
 Besuch im Lowenkiifig
 
Ein anderer Basler ist ähnlicher Meinung : «Es fällt niemandem ein, sich in einen Löwenkäfig zu begeben, um die Gefährlichkeit dieser Tiere kennen zu lernen.» Wer dieser Sekte eine Adresse gebe, werde mit der «unvetschämten Aufdringlichkeit dieser Firma» konfrontiert. Es könne keine Rede davon sein, dass Scientology eine Kirche sei.
 
Eine weitere Baslerin, die auch ungenannt bleiben möchte, findet es eine «Unverschämtheit, was da mit Einverständnis des Erziehungs­departements passiert».
 
Yasar Kaya hat selber vier Kinder und wäre nicht einverstanden, wenn diese in Kontakt mit 'Scientology kämen : «Kinder sind sehr leicht beeinflussbar.»
 
Peter M. Loewe hält die Organisatoren der «Klassenausflüge zu Scientology» für «sehr naiv» : «Echte Information .ist wichtig, aber dazu muss man keine Besuche machen.»
 
Noch einen Schritt weiter geht Edgar Weis : «Die Schweizer Regierung sollte diese Organisation verbieten, da diese eine ernst zu nehmende Gefahr für labile und unerfahrene Menschen darstellt.»
 
 Kritischer Schulleiter
 
Auch leitende Lehrer sind gegen Schülerbesuche bei Sekten : «Es gehört auch zu den Aufgaben der Schule, Scientology zu thematisieren. Ob dabei ein Besuch vor Ort nötig ist, lässt si ch allerdings bezweifeln, handelt es sich bei Scientology doch nicht um eine Kirche, sondern um ein weltweites Wirtschaftsuntemehmen», gibt Peter Bächle, Schulhausleiter WBS Mücke Basel, zu bedenken.
 
Kritik an der intensiven Medienberichterstattung über die Sekte übt Michael Marth : «Wäre ich Scienology- Marketing-Verantwortlicher, wünschte ich mir noch viele herzerwärmend aufgeregte Artikel zu genehmigten und nicht genehmigten Scientology­Ständen.»
 
Jan Fischer
 
 

13. März 1998

Basler Podium blickt «hinter die Scientology-Kulissen»

 
«Scientology ist eine neue Form des politischen Extremismus» sagte Ursula Caberta, Sekten-Expertin des Deutschen Bundestages, bei einer gutbesuchten Informationsveranstaltung am Donnerstag, 12.März in Basel. Die Basler SP-Grossrätin Susanne Haller, welche ebenso auf dem Podium war, hatte am Mittwoch, 11.März von der Basler Regierung eine Antwort auf ihre Interpellation die Strassentätigkeit der Scientologen betreffend, erhalten. Kirchen, Parteien und Gewerbe hatten eingeladen zu diesem Informations-Anlass, bei dem im Publikum auch zahlreiche Scientologen anwesend waren. Der Anlass verlief fair und ohne Zwischenfälle.
 
RPD/aim
 
Seit Sommer 1997, so Caberta, lassen die Innenminister in Deutschland die Scientology überwachen. In faktenreichen Ausführungen legte die Sektenexpertin dar, dass Scientology weder eine Religionsgemeinschaft noch eine Kirche sei. Sie belegte dies anhand der Entstehungsgeschichte der Scientologen in den USA und in Deutschland: Erst als Steuerbehörden auf die Organisation aufmerksam geworden waren, hätten sich diese eine «religiöse Fassade» zugelegt.
 
Auch der Basler Theologe und Journalist Ernst-Ulrich Katzenstein bestätigte dies, und führte weiter aus, dass Scientology die wesentlichen Merkmale einer Sekte trage: Klar auf den Führer Hubbard ausgerichtet, kein soziales Engagement und für Kritik von innen oder aussen nicht aufgeschlossen.
 
Hintergrund der Veranstaltung ist die Beantwortung einer Interpellation der Podiumsteilnehmerin Ursula Haller, SP-Grossrätin in Basel, welche zum Ziel hatte, zu verhindern, dass sektiererische Gruppierungen auf Basels Strassen und Plätzen Anhänger werben. Frau Haller kommt damit einem von vielen Bewohnern, Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden in Basel geäusserten Bedürfnis nach, die öffentliche Tätigkeitkeit der Scientologen zu unterbinden: Vor kurzem hatten sich rund 50 Geschäfte der Basler City öffentlich gegen die aggressiven Werbemethoden von Scientology gewehrt.
 
Ein weiterer parlamentarischer Vorstoss, eine Motion der SP-Politikerin Haller, die sich für ein Verbot der Strassentätigkeit der «Scientology» einsetzt, ist seit Dezember 1997 hängig und vom Regierungsrat von Basel-Stadt bisher nicht behandelt worden, wie die Staatskanzlei des Stadtkantons auf Nachfrage dem RPD mitteilte.