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Scientology-Projekt wirbt um Junge
Der Verein "Jugend für Menschenrechte" hat konkrete Verbindungen zu den
Scientologen
- Basler Zeitung
28.12.2006
- Von
Lukas Meili
Mit grossem Aufwand verteilt "Jugend für Menschenrechte" Prospekte in
Basler Jugendtreffs und Schulen. Der Verein ist eine
Scientology-Organisation. Experten sehen darin den Versuch, junge
Mitglieder zu gewinnen.
Auf den ersten Blick ist die Broschüre "Was sind Menschenrechte
?"
unverdächtig : Mit einfachen Worten sollen einem jugendlichen Publikum
die dreissig von den Vereinten Nationen beschlossenen Menschenrechte
nähergebracht werden. Wer aber genau liest, stösst im Impressum bei
Kontaktadresse und Herausgeberschaft auf die umstrittene Organisation
Scientology.
Schulen und Jugendhäuser in Basel haben in den letzten Wochen
kistenweise Kopien der Broschüre erhalten. Das Religionsportal
"inforel.ch" vermutet darin einen Schachzug von Scientology, um unter
einem neuen Deckmantel für jugendliche Mitglieder zu werben. Und die
Website "ignoranz.ch" warnt, dass die neueste Masche der "Psychosekte
Scientology" besonders perfid sei : "Mit einer mit dem lässigen Titel
‚Jugend für Menschenrechte' betitelten Aktion lockt sie junge Menschen
in ihre ‚Kirche', ohne vorher deren wahren Hintergrund zu deklarieren."
Der Weblog listet Schweizer Zeitungen auf, die die Aktion erwähnen,
aber
nicht den Link zu Scientology gezogen haben - und schliesst daraus,
dass
Scientology ihr Ziel erreicht habe: "Werbung für die Sekte zu machen,
ohne deren Namen zu nennen." Annette Klug, Sprecherin von Scientology
Basel, weist die Vorwürfe zurück. "Jugend für Menschenrechte" sei
"absolut unabhängig" und werde von Scientology nur finanziell
unterstützt - und dies nicht mit Hintergedanken, sondern aus
"ideologischen Gründen".
SCHARF KRITISIERT
In Deutschland wird das Vorgehen von Scientology
schon seit Längerem scharf kritisiert. Im vergangenen März schrieb etwa
die deutsche "Tageszeitung", dass Scientology unter dem Deckmantel
"Jugend für Menschenrechte" gezielt versuche, junge Menschen in den
Bann
der Organisation zu ziehen.
Im Kanton Basel-Stadt ist das Anwerben von Passanten mit "täuschenden
oder unlauteren Methoden" seit einem Grossratsbeschluss aus dem Jahr
1998 verboten. Scientology hatte diesen Beschluss angefochten - blitzte
jedoch beim Bundesgericht ab.
Scientologen sind wieder aktiv in der Region
Experten warnen: Mit der Kampagne "Jugend für Menschenrechte" sollen
junge Mitglieder gewonnen werden
Von
Lukas Meili
Basler Jugendhäuser und Schulen haben Anfang Dezember eine
Menschenrechtsbroschüre erhalten, um Teenager auf Ungerechtigkeit in
der
Welt zu sensibilisieren. Bloss : Hinter dem Verein, der die Aktion
trägt,
steckt Scientology.
Als Peter Schertenleih vor drei Wochen ein Paket von dem Verein "Jugend
für Menschenrechte", Sektion Basel, öffnete und einen der darin
enthaltenen Prospekte - "Was sind Menschenrechte ?" - durchblätterte,
wurde er stutzig : So steht im Impressum als Kontaktadresse etwa
"Menschenrechtsbüro der Scientology Kirche Deutschland e.V.", und als
Herausgeber ist "Church of Scientology International Human Rights
Departement" aufgeführt. Und plötzlich taucht neben Zitaten von Mahatma
Gandhi, Martin Luther King und Kofi Annan auch noch eines von L. Ron
Hubbard auf - dem Scientology-Gründer.
UNTER NEUEM DECKMANTEL
?
Schertenleib vermutet, dass sein Jugendhaus
nicht das einzige gewesen ist, das die Broschüren erhalten hat. "Ich
für
meinen Teil habe sie aber, ohne lange zu zögern, postwendend wieder
zurückgeschickt - mit der Bitte, mich aus dem Verteiler zu streichen",
sagt Schertenleib. Wenige Tage danach habe er entrüstete Anrufe von
"Jugend für Menschenrechte" erhalten: Warum er die Menschenrechte nicht
unterstützen wolle, habe man ihn gefragt. "Ich habe geantwortet, dass
ich sie durchaus unterstütze - aber nicht, wenn sie von Scientologen
propagiert werden."
"KEINE VERBINDUNG"
Sucht man im Internet nach dem Verein "Jugend für
Menschenrechte", wird man schnell fündig : Im Online-Religionsportal
"inforel.ch" etwa sind kritische Stimmen zu der Organisation zu lesen.
So wird unter dem Titel "Scientology agiert unter neuem Deckmantel" die
Frage aufgeworfen, ob der Verein ein neuer Versuch von Scientology sei,
Jugendliche für die umstrittene Organisation zu gewinnen. Denn: Seit
1998 in Basel das neue Übertretungsstrafgesetz in Kraft trat, ist es
für
Organisationen wie Scientology schwieriger geworden, auf der Strasse zu
werben (siehe Beitrag nebenan).
Annette Klug, Pressesprecherin von der Scientology-Kirche Basel, weist
diese Vorwürfe entschieden zurück. "Es gibt absolut keine Verbindung
zwischen unserer Organisation und dem Verein 'Jugend für
Menschenrechte'." Der Verein sei eigenständig und absolut unabhängig.
Klug: "Sie erhalten von uns lediglich finanzielle und organisatorische
Unterstützung." Trotzdem sei die Aktion nicht gänzlich uneigennützig.
"Wennjemand durch diese Kampagne die Menschenrechte und die
Religionsfreiheit besser kennenlernt, bringt er vielleicht auch
irgendwann einmal Verständnis für Menschen auf, die Scientology
beigetreten sind."
2001 GEGRÜNDET
Dass keine Verbindung zwischen den zwei Organisationen
besteht, wird von "inforel.ch" in Frage gestellt. Denn "Jugend für
Menschenrechte" sei im Jahr 2001 in Los Angeles von Scientologen
gegründet worden.
Auch Tania Gonzalez, Pressesprecherin der Basler Sektion von "Jugend
für
Menschenrechte", hat Kontakte zu Scientology, wie Annette Klug
gegenüber
der baz bestätigte: Gonzalez' Mutter sei ein Mitglied der Organisation.
Ausserdem, so Klug, sei ah und zu auch Gonzales selbst bei
Scientology-Veranstaltungen anzutreffen. Tania Gonzalez war gestern für
eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Aggressive Werbung per Gesetz verboten
ERFOLGLOS.
Um der aggressiven Strassenwerbung von Scientology
entgegenzuwirken, stimmte der Grosse Rat 1998 einer Motion von alt
Grossrätin Susanne Haller zu. Im Kern forderte sie das Verbot von
aufdringlichen Werbemethoden auf öffentlichem Grund. Der seit dem 1.
November 1998 in Kraft stehende Paragraf 23a zur "Anwerbung auf
Allmend"
im Übertretungsstrafgesetz verbietet die Anwerbung von Passantinnen und
Passanten mit "täuschenden oder unlauteren Methoden". Und weiter:
Fehlbare Anwerbepersonen können "von einzelnen Orten oder generell"
weggewiesen werden. Scientology versuchte, den Artikel anzufechten, und
gab ein Jahr später eine Beschwerde beim Bundesgericht ein. Die
Organisation blitzte mit ihrem Begehren jedoch ab. mei
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- Canton
d'Argovie:
Le
Tribunal fédéral s'oppose à l'ouverture
d'une école
scientologue
(février 1995)
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- Canton
de Vaud:
L'État
a fait fermer une école scientologue
sauvage
à Lausanne
(décembre 1997)
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- Canton
de Lucerne:
Pas d'autorisation pour une
école privée scientologue à Littau (août
2003)
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