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Die USA kritisieren Deutschland.
Sie machen es sich zu einfach.
 
Quelle : Rheinischer Merkur vom 17.11.05
SCIENTOLOGY
Hinsehen lohnt sich
 
Wolfgang Thielmann
 
In Deutschland ist die Religionsfreiheit beeinträchtigt. So meint jedenfalls das US-Außenministerium. Gerade hat es seine Länderberichte neu veröffentlicht. Und die deutsche Weste ist nach wie vor durch Missstände verschmutzt: Zeugen Jehovas sind den Kirchen immer noch nicht gleichgestellt. Aber die Gerichte arbeiten.
 
Doch vor allem : Die Scientology-Organisation, die sich selbst Kirche nennt, in den Augen ihrer Kritiker aber eine hart agierende Psychosekte mit totalitären Praktiken ist, wird in Deutschland nicht als Kirche anerkannt und seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet. CDU, SPD und FDP finden die Mitgliedschaft in der Organisation unvereinbar mit dem Parteibuch. Scientologen haben dagegen geklagt und verloren. Die Bundesregierung arbeitet nicht mit Fortbildnern zusammen, die nach der "Technologie" des Scientology-Gründers, des Science-Fiction-Schriftstellers Lafayette Ron Hubbard, arbeiten, die wissenschaftlich nirgends Anerkennung findet.
 
Das US-Außenministerium findet das diskriminierend. Und verargt auch den beiden großen Kirchen, besonders der evangelischen, dass ihre Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten regelmäßig vor den offenen und noch mehr vor verdeckten Aktivitäten warnen.
 
Dabei ist, was sich in Erfahrung bringen lässt, wenn es denn in Erfahrung zu bringen ist, ziemlich besorgniserregend: eine straffe Organisation, die Angehörige in Abhängigkeit bringt und verdeckt Firmen und Beteiligungen aufbaut. Und sich mit einer Prozessflut gegen Kritik wehrt, auch in den USA, wo der Kirchenstatus immer wieder öffentlich in Zweifel gezogen wird.
 
Die amerikanischen Freunde könnten genauer sein. Im selben Bericht heißt es, die als Körperschaften des öffentlichen Rechts verfassten Kirchen könnten Steuern einziehen, im Schnitt neun Prozent des Einkommens. Das würde die Kirchen freuen. Es sind nur neun Prozent der Einkommenssteuer.