Neues Magazin als Werbespot für Scientology
Tages-Anzeiger; 14.01.2004 Zürich
- Hinter der neuen Zeitschrift «Free Mind» steht der Gründer von
Scientology, Ron Hubbard.
- Sollen damit neue Sektenmitglieder geködert
werden ?
Von Hugo Stamm
Die neue Zeitschrift kostet 5.60 Franken am Kiosk und wirkt auf den
ersten Blick professionell. «Die Kunst, sich selbst zu sein», verspricht
die erste Nummer auf dem Titelblatt. Eine TA-Leserin kaufte das Magazin
und stutzte bald, weil sie immer wieder über Ron Hubbard als Autor
stolperte. Für die TA-Leserin war sofort klar: Mit «Free Mind» hat
Scientology eine neue Strategie gefunden, Sektenmitglieder zu ködern.
Jürg Stettler vom Scientology-Zentrum Zürich und oberster Scientologe
der Schweiz winkt aber ab. «Da sind Sie bei mir an der falschen
Adresse», schreibt er, «das ist ein Verlagsobjekt der New Era
Publications Deutschland und läuft völlig separat von der Kirche hier.»
Tatsächlich kommt der Name Scientology in der Zeitschrift kein einziges
Mal vor. Und trotzdem ist es ein einziger, wenn auch versteckter
Werbespot für Scientology. Der New-Era-Verlag mag juristisch gesehen
eigenständig sein, gehört aber zum grossen Konglomerat der vielen
Scientology-nahen Firmen und Organisationen.
Das Strickmuster des neuen Magazins entspricht denn auch den bekannten
Scientology-Methoden. Zu Wort kommen praktisch nur Scientologen. «Free
Mind» rezykliert neben der Titelgeschichte gleich vier weitere
Uralttexte des Sektengründers, der vor fast 20 Jahren starb. Und die
noch lebenden Mitarbeiter der Zeitschrift singen mehr oder weniger
direkt das Hohe Lied von Hubbard.
Kelly Preston, Ehefrau des Vorzeige-Scientologen John Travolta,
propagiert im Interview das Reinigungs- programm von Hubbard, das
«radioaktive Strahlung aus dem Körper herausbekommen könne». Angeblich
ein wahres Wundermittel, wurde doch Preston dadurch «glücklicher,
leichter, intelligenter», ihr Leben «vibrie- render, lebendiger und
vitaler». Und der Künstler und Scientologe Carl-W. Röhrig lobt «einen so
genannten Kommunikationskurs» und das Buch Dianetik, beides Kreationen
von Hubbard. Ins gleiche Horn stösst der ehemalige Zürcher Leichtathlet
Stefan Burkart. Dianetik und das Reinigungsprogramm hätten ihm geholfen,
die Drogensucht zu überwinden.
«Wie heisst die Gemeinschaft
?»
Den Vogel schiessen die Blattmacher in den Leserbriefspalten ab. Ein
anonymer Schreiber fragt: «Ich gehöre keiner Kirche an und suche eine
Gemeinschaft, in der auch Dianetik angewendet wird. Vielleicht können
Sie mir eine nennen.» Die Antwort versteckt sich hinter dem geheim
gehaltenen Begriff, um den es aber im ganzen Heft geht: Scientology.
Und wie sieht es an der Inseratefront der Zeitschrift aus? Auch hier:
nichts als Scientology. Angepriesen werden ein Film über Dianetik, die
Hauptdisziplin von Scientology und Bücher von Hubbard.
Zahlen über den Verkaufserfolg von «Free Mind» gibt es noch nicht.
Sicher ist nur, dass Scientology-nahe Organisationen und Firmen tief in
die Tasche gegriffen haben.
Das erinnert an ähnliche Fälle
:
Zum Beispiel der französische Tennisspieler Tennisspieler und
Daviscup-Gewinner Arnaud Boetsch liess sich durch Scientology
verführen, damit begann der unaufhaltsame sportliche Abstieg, den er
schlussendlich jedoch einer angeblichen Diffamierung als Scientologe,
mit anderen Worten 'religiöser Verfolgung' (wie auch Sharky mit seinem
beruflichen Versagen) ankreiden wollte. |