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http://de.news.yahoo.com/030801/286/3kfya.html
 
Urteil: Kein Scientology-Zelt in Münchens Zentrum
 
München (AFP) - Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat der umstrittenen Scientology- Organisation das Aufstellen eines Zeltes in der Münchner Innenstadt verboten. Die Landeshauptstadt sei nicht verpflichtet, Scientology eine Erlaubnis für die Nutzung des Sendlinger-Tor-Platzes für "Sonntagsandachten" in einem Zelt zu geben, teilte das Gericht in einer Eilentscheidung mit. Den Beschluss begründeten die Richter mit dem Ermessensspielraum der Stadt bei Veranstaltungen mit religiösem oder weltanschaulichem Hintergrund.
 
Das Aufstellen des acht mal acht Meter großen Zeltes nehme den öffentlichen Straßenraum massiv in Anspruch und sorge für Behinderungen, führte das Gericht aus. Selbst für den Fall, dass sich Scientology auf die Religionsfreiheit berufen könnte, ergäbe sich kein Anspruch auf die Genehmigung, da auch den großen Amtskirchen ein solcher Anspruch nicht zustünde, urteilten die Richter. Der Verwaltungsgerichtshof hob damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts München auf.
 
 
Stuttgarter Zeitung, 31.07.2003, Nicole Höfle
 
Stadt kann Werbung der Scientologen nicht verhindern
Gemeinschaft präsentiert sich erneut in der Innenstadt - nach juristischer Streitigkeiten allerdings mit Einschränkungen
 
Die Stadt tut sich schwer damit, die Werbung der Scientologen in der Innenstadt zu unterbinden. Im Herbst hatte Ordnungsbürgermeister Beck angekündigt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um weitere Auftritte zu stoppen. Der nächste Auftritt läuft bereits.
 
Neun Tage lang hat die vom Verfassungsschutz beobachtete Glaubensgemeinschaft in der Kronprinzenstraße für sich geworben. Bis gestern Abend präsentierte die Gemeinschaft in einem lang gestreckten gelben Zelt die Arbeit ihrer so genannten ehrenamtlichen Geistlichen. Was die Helfer den Besuchern anboten, waren Lösungen für angeblich alle Lebensfragen. Broschüren gab es kostenlos, wobei die Helfer nicht vergaßen, darauf hinzuweisen, dass eine Spende von vier Euro üblich sei. Gezählt haben die Organisatoren insgesamt mehr als 5000 Besucher und sind damit zufrieden. "Das ist ein guter Platz", sagt Maja Nüesch von der Scientologengemeinschaft Stuttgart. Neun Tage dürften sie diesmal werben, im vergangenen Jahr seien es nur fünf gewesen. Schon allein darin sieht Nüesch eine Verbesserung.
 
Freiwillig allerdings hat die Stadt der umstrittenen Gemeinschaft den Platz in der Kronprinzenstraße nicht überlassen. Im vergangenen Jahr hatte das Ordnungsamt sämtliche Auftritte der Scientologen in der Innenstadt untersagt, woraufhin diese vors Verwaltungsgericht gezogen waren - mit Erfolg. Insgesamt fünf Tage konnten sie daraufhin verteilt auf Schloss- und Marktplatz sowie die Kronprinzenstraße ihre Lehren präsentieren. Seither hat die Stadt weitere Gerichtsprozesse mit der Glaubensgemeinschaft ausgefochten, und sie hat, um weiteren juristischen Niederlagen vorzubeugen, neue Richtlinien erlassen, die die Nutzung der Plätze in der Innenstadt regeln. Die Bilanz der Auseinandersetzungen zieht Bernd Eichenauer vom Ordnungsamt: Eine rechtliche Handhabe, die öffentlichen Auftritte der Scientologen in der Innenstadt gänzlich zu verbieten, gebe es nicht, auch wenn diese vom baden-württembergischen Landesamt für Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich beurteilt würden. "Wir müssen sie behandeln wie jeden anderen Gewerbetreibenden auch."
 
Die Stadt stuft die Scientologen nicht als Glaubensgemeinschaft, sondern als Gewerbetreibende ein. "Da werden schließlich Kurse und Seminare verkauft", begründet Gerhard Hanus vom Ordnungsamt die Einschätzung, die von den Scientologen, die sich als Religionsgemeinschaft sehen, nicht geteilt wird. Nach den neuen Richtlinien der Stadt dürfen Gewerbetreibende nur mehr an zwei Plätzen werben: in der Kronprinzen-/ Ecke Büchsenstraße und auf dem Wilhelmsplatz, Schloss- und Marktplatz sind tabu. "Diese Plätze sind anderen Arten von Veranstaltung vorbehalten", so Hanus. Die Scientologen allerdings wollen sich damit nicht zufrieden geben, sie haben auch in diesem Jahr wieder beantragt, auf dem Schlossplatz ihr Zelt aufbauen zu dürfen. Gegen die Ablehnung der Stadt haben sie bereits Widerspruch eingelegt.
Die Gemeinschaft will auch andere Entscheidungen der Stadt nicht hinnehmen und kontert mit massivem juristischem Aufgebot. Ein Phänomen, auf das auch die Verfassungsschützer in ihrem jüngsten Bericht hinweisen: "Gerichtliche Klagen sind Teil der aggressiven Kampfstrategie der Organisation, um Gegner und Kritiker zu zermürben." Weiter heißt es in dem Verfassungsschutzbericht: "Die Stoßrichtung, Staat und Gesellschaft in Deutschland nach Hubbards Lehre zu formen, besteht unverändert fort." Langfristiges Ziel sei es, dessen totalitäre Programmatik auf den Staat auszudehnen. Mit ihren Anwälten gehen die Scientologen gegen die Gebühr in Höhe von 18 000 Euro vor, die die Stadt für die fünftägige Veranstaltung im vergangenen Jahr verlangt. Auch ein Zwangsgeld der Stadt will die Gemeinschaft nicht zahlen. In beiden Fällen haben die Scientologen Widerspruch eingelegt, den Gang vors Verwaltungsgericht schließt Maja Nüesch nicht aus.
 
Im jüngsten Verfahren konnte sich die Stadt durchsetzen, die den Scientologen das Verteilen von Ballons und Rosen mit Hinweis auf ihre Veranstaltung im weiteren Umkreis des Zeltes untersagt hatte. Auch dies wollte die Gemeinschaft nicht hinnehmen, muss es jetzt aber, da der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ihre Beschwerde abgelehnt hat.
 
 
Tages-Anzeiger; 25.07.2003, Hugo Stamm
 
Scientology-Schule wächst
In Zürich ist der Widerstand gegen die Privatschule der Sektenanhänger zusammen- gebrochen.
 
In Zürich haben es die Scientologen heute besser als in Luzern. Dort wehren sich die Erziehungsbehörden mit Händen und Füssen gegen die Schule der Scientologin Sandra Planzer in Littau. Bis hinauf zum Bundesgericht.
 
Anders in Zürich. Ursprünglich hatten sich die Erziehungsbehörden ebenfalls gegen die Privatschule gestemmt und Schützenhilfe vom Bundesgericht bekommen, weshalb die Scientology-Lehrerinnen nur in Kleingruppen bis fünf Schü-ler unterrichten durften. Vor rund drei Jahren aber erhielten die Hubbard-Anhänger dann plötzlich und von der Öffentlichkeit weit gehend unbemerkt die Bewilligung für eine «richtige» Privatschule. Die ZIEL-Schule (Zentrum für individuelles und effektives Lernen) an der Badenerstrasse 294 wuchs rasch von etwa zehn auf rund 70 Schüler. Unterrichtet wird nach den Lernmethoden des Scientology-Gründers Ron Hubbard.
 
Weshalb der Gesinnungswandel bei den Zürcher Behörden? War der zurückgetretene Bildungsdirektor Ernst Buschor toleranter als sein Vorgänger Alfred Gilgen? Die Gründe sind nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die Regierung die Scientology-Lehrerinnen für ihre Beharrlichkeit belohnte. Der Privatunterricht in Kleingruppen sei in all den Jahren lehrplanmässig verlaufen und habe in einem kindergerechten Klima stattgefunden, liess der Regierungsrat verlauten. Ausserdem sei die Schulleiterin unbescholten und vertrauenswürdig. Es seien auch keine Beeinflussungsversuche bekannt. «Wenn das Wohl des Kindes gefährdet wäre, könnten wir reagieren und im schlimmsten Fall die Bewilligung wieder entziehen», erklärt Robert Steinegger, der juristische Sachbearbeiter der Bildungsdirektion.
 
Die Bewilligung ist ein Akt des Goodwills. Denn das Bundesgericht hatte früher schon unmissverständlich klar gemacht, dass Scientologen nicht glaubwürdig genug seien, um eine Schule zu führen. Zu diesem Schluss kamen die höchsten Richter erneut, als sie im Schulstreit von Luzern urteilen mussten. Die Scientologen in der Innerschweiz gaben aber nicht auf und mobilisierten Politiker. Fündig wurden sie bei vier SVP-Grossräten, die einen Vorstoss im Parlament einreichten, drei von ihnen liessen sich gar in den Vorstand des neuen Trägervereins der Schule wählen. Die Regierung blieb aber hart, die Schule muss in den Sommerferien geschlossen werden.
 
In Zürich expandiert die ZIEL-Schule munter weiter. Und betreibt aktiv Werbung. In einem Inserat in der Lokalpresse, das wie ein Artikel aufgemacht war, suchte Schulleiterin Lisbeth Ambühl kürzlich neue Schüler für die Vorschule, Primar- und Sekundarstufe. In der ZIEL-Schule gebe es keinen Notenstress, Promotionsfrust und keine Prüfungsangst, lobte sie ihre Schule. Die Klassenstärke ist auf 18 Kinder beschränkt. Im Text wird aber nicht erwähnt, dass Scientology-Lehrkräfte die ZIEL-Schule führen und im Unterricht Lernmethoden von Sektengründer Hubbard anwendet werden. Eine weitere Werbemethode: Flugblätter an den Inseratsäulen von Einkaufszentren.
 
Ideologischer Hintergrund
 
Bei den Schülern handelt es sich mehrheitlich um Kinder, deren Eltern Scientologen sind. Das vergleichsweise günstige Schulgeld verleitet gelegentlich auch Nicht-Scientologen, ihre Kinder in diese Privatschule zu schicken. In der ZIEL-Schule wird kein Frontalunterricht erteilt, die Lehrer stehen also nicht vor der Klasse, um den Stoff zu erklären. Die Schüler lernen individuell anhand schriftlicher Unterlagen und Testblättern.
 
Den scientologischen Hintergrund der Schule macht die Homepage deutlich, wird doch die Studiertechnologie von Hubbard ausführlich vorgestellt. Noch klarer zeigt das diesjährige Sommerlager die ideologische Ausrichtung der ZIEL-Schule. Den Kindern werden ein Wörterbuchkurs, ein Kurs «Der Weg zum Glücklichsein» (Autor: Ron Hubbard) und ein Kommunikationskurs angeboten. Das sind die gleichen Kurse, die auch Scientology im Programm führt. Ohne Hubbard geht bei den Scientologen eben gar nichts.
 
 
Zofinger Tagblatt, 24.6.2003, rdi
 
Luzern aktuell, Bewilligung für Schule Scientology
Grosser Rat fordert Trennung
 
Die Luzerner Regierung erwartet von der Trägerschaft der neuen "Tagesschule im Grünen Littauer Berg" eine klare Trennung von Scientology. Dies machte Bildungsdirektor Ueli Fässler gestern im Grossen Rat klar.
 
Anlass war ein Dringliches Postulat von Moritz Bachmann (SVP), der verlangte, dass die Regierung bis Ende Schuljahr über eine Betriebsbewilligung für die Tagesschule entscheidet. Bachmann gehört der Trägerschaft des Schulprojekts an.
 
Die Tagesschule ist ein neues Vorhaben, im ehemaligen Gemeindeschulhaus Littauer Berg eine private Primarschule einzurichten. Der Kanton hatte der ersten Schule, der "Freien Primarschule Sandra Planzer", 1999 die Bewilligung entzogen. Der Kanton begründete die Massnahme mit der Mitgliedschaft von Sandra Planzer bei Scientology. Damit verfüge Planzer nicht über die nötige Vertrauenswürdigkeit. Das Luzerner Verwaltungsgericht und, im Mai 2003, das Bundesgericht stützten das Vorgehen. Die Schule wird Ende des Schuljahres geschlossen. Bildungsdirektor Ueli Fässler sagte, nun gehe es um eine neue Schule an demselben Standort. Der Kanton prüfe derzeit, ob die neue Schule den gesetzlichen Erfordernissen und dem Bundesgerichtsurteil genüge. Darauf habe der Grosse Rat keinen Einfluss.
 
Der neuen Trägerschaft gehören keine Mitglieder von Scientology an. Sie will aber Sandra Planzer erneut als Lehrerin einstellen. Fässler betonte vor dem Grossen Rat, falls die Trägerschaft an einem Modell festhalte, in dem die bisherige Lehrerin das Zentrum der Schule bilde, könne sie nicht mit einer Bewilligung rechnen. Der Grosse Rat diskutierte das Thema nicht und stützte damit das Vorgehen der Regierung. Das Postulat erhielt einzig von einigen Fraktionskollegen Bachmanns Unterstützung.
 
 
Weser Kurier, 20.6.2003, Volker Stahl
 
Aussteiger stellen Scientology an den Pranger 
Wissenschaftliche Studie deckt Einsatz gefährlicher Psychomethoden bei der umstrittenen Organisation auf
 
Hamburg. Die Scientology-Organisation widerspricht zentralen Prinzipien der bundesrepublikanischen Rechtsordnung und arbeitet mit hoch problematischen Methoden der psychischen Beeinflussung. Das sindErkenntnisse aus einer Studie, die die Institute für Therapieforschung und Strafrechtswissenschaften sowie die PsychiatrischeKlinik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität im Auftrag der bayrischen Landesregierung angefertigt haben.
 
Die untersuchenden Psychologen, Juristen und Psychiater haben Scientology-Aussteiger nach ihren Erfahrungen befragt und festgestellt, dass die Organisation mit gefährlichen Psychomethoden arbeitet. "73 Prozent von 94 als hochriskant bewertete Techniken werden bei Scientology eingesetzt", erklärt Co-Autor Heinrich Küfner vom Institut für Therapieforschung.
 
Scientology hatte eine angebotene "teilnehmende Beobachtung" abgelehnt. Die Studie sei als "pseudo-wissenschaftliches Machwerk" angelegt, lautete die Kritik. Die Abwehrhaltung beim Untersuchungsobjekt ist bei einem Blick auf die Zusammenfassung der Abhandlung durchaus verständlich. Zu niederschmetternd ist das Ergebnis.
 
"Die Scientology-Organisation besitzt ein internes Normensystem, das die Wahrung der Interessen der Organisation ausnahmslos über die Belange des Einzelnen stellt", heißt es dort. Und weiter: "Die Scientology-Gruppe weist ferner ein in sich objektivwidersprüchliches Selbstbild auf: Religiöse Ansprüche werden teils stark hervorgehoben, teils nicht erwähnt und teils ausdrücklich negiert. Gleichzeitig werden die angebotenen Dienstleistungen ausdrücklich als Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung und angewandter Ingenieurskunst dargestellt, was jedoch nicht erfüllt wird."
 
Die Studie schält heraus, dass mehr als die Hälfte der Scientology-Aussteiger durch die angewandten Praktiken "psychisch abhängig" geworden ist. Die meisten Probanden seien aber bereits vor dem Erstkontakt mit der Organisation psychisch labil oder krank gewesen. Auch unter juristischen Gesichtspunkten ist der Ansatz der Scientologen höchst problematisch, heißt es in der Studie: "Einige der angebotenen Kurse sind als strafbare unerlaubte Ausübung von Heilkunde anzu-sehen, soweit sie von Personen durchgeführt werden, die keine Zulassung als Heilpraktiker besitzen." Zudem baue Scientology für die Anhängerschaft "Feindbilder" auf. Einzelpersonen wie Psychiater und Psychologen werden kurzerhand als "Unterdrücker" stigmatisiert. Auch die herrschende Gesellschaftsordnung werde von der Organisation massiv kritisiert - insbesondere das Sozialstaatsprinzip. Die Organisation formuliere darüber hinaus in ihren Publikationen politische Ziele, schreiben die Autoren, "deren Umsetzung die Aufhebung von Grundrechtsprinzipien der gegenwärtigen Verfassungsordnung bedeuten würde".
 
Heinrich Küfner, Norbert Nedopil, Heinz Schöch (Hrsg.) : Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology, Pabst Verlag, Lengerich 2002, 40 Euro.
 
 
Tages-Anzeiger, 19.06.2003, Hugo Stamm 
 
SVP-Politiker unterstützen Scientology-Schule
 
Vier Luzerner SVP-Politiker kämpfen für die Schule der Scientologin Sandra Planzer. Sie verlangen, dass die vom Bundesgericht geschlossene Schule weitergeführt wird.
 
Lassen sich die vier SVP-Grossräte vor den Karren der Scientology-Sekte spannen? Die Ereignisse rund um die Privatschule der Scientologin im Littauerberg LU drängen zumindest den Verdacht auf. Denn die Schule, die nach einem Entscheid des Bundesgerichtes Ende Juli geschlossen werden muss, soll nach den Ferien wieder geöffnet werden. Mit den gleichen Kindern und der gleichen Lehrerin, der Scientologin Sandra Planzer. Der einzige Unterschied: Die Scientologin ist nicht mehr Schulleiterin. Ermöglichen sollen die neue alte Privatschule die vier SVP-Grossräte Gerhard Klein, Erwin Dahinden, Guido Luternauer und Moritz Bachmann. Drei von ihnen sind in der Trägerschaft der neuen Schule.
 
Der Dreh: Im vernichtenden Urteil des Bundesgerichts heisst es, die Vertrauenswürdigkeit sei nicht gegeben, wenn die Schulführung mit Scientology verknüpft sei. Deshalb formierten Eltern flugs eine neue Trägerschaft, in der die Scientologin Planzer nicht vertreten ist. Am 22. Mai reichte die neue Schulleitung mit den drei SVP-Politikern ein Gesuch beim Bildungsdepartement ein. "Es ist eine neue Schule, und wir erfüllen die Bedingungen des Bundesgerichts", erklärt Patricia Martin, die Pressesprecherin der neuen Trägerschaft. Ein Etikettenschwindel sei das nicht, betont sie: "In der 14-köpfigen Trägerschaft sind keine Scientologen vertreten."
 
Unterstützung von der SP
 
Um die Behandlung des Gesuches zu beschleunigen, reichten die vier SVP-Politiker ein Dringliches Postulat ein. Zur grossen Überraschung unterstützte der Luzerner Grossrat am Montag das Begehren. Hilfe erhielt die SVP von der SP. Diese argumentierte, die Kinder sollten rechtzeitig wissen, ob sie nach den Ferien eine andere Schule besuchen müssen. Kein Verständnis für die "unanständige Art der Lobbyarbeit" hatte dagegen die FDP.
 
Die neue Trägerschaft ist auf Initiative mehrerer Eltern entstanden. Sie luden Politiker zu Gesprächen ein und fanden bei den vier SVP-Grossräten offene Ohren. SVP-Grossrat Guido Luternauer engagiert sich für die Privatschule, weil die Lehrerin Planzer ausgezeichnet unterrichte und auch Problemkinder gut betreue, was in der öffentlichen Schule immer seltener der Fall sei. Obwohl Planzer dazu steht, dass sie nach den Studiermethoden des Sektengründers Ron Hubbard unterrichtet, sieht Luternauer keine Gefahr, dass die Lehrerin die Kinder scientologisch beeinflusse. "In der Unterstufe ist das im Schulzimmer relativ schwierig. Sie müsste die Kinder nach der Schule in Scientology-Kurse schicken", erklärt der SVP-Politiker. Das Urteil des Bundesgerichts hat er nicht gelesen. Er gibt auch zu, dass er Scientology nicht näher kennt. "Mich interessiert die Religion von Frau Planzer nicht. Wichtig ist, dass sie gut unterrichtet." Luternauer glaubt auch nicht, dass er und seine Ratskollegen als Feigenblatt für eine Sekte benutzt werden. "Sollte es kleinste Anzeichen geben, dass Eltern missioniert werden, würden wir ein Rösslispiel veranstalten und dafür sorgen, dass die Schule geschlossen würde."
 
Fraktionschef ist einverstanden
 
SVP-Fraktionschef Martin Müller hat keine Probleme damit, dass sich seine Kollegen für die Privatschule einsetzen. Er urteile nicht über die Gesinnung seiner Parteimitglieder, sagte er der "Neuen Luzerner Zeitung". Sein Urteil über Scientology ist hingegen klar, bezeichnet er doch die Bewegung als Sekte.
 
Und das Bildungsdepartement? Es weiss nicht, ob es das Gesuch noch vor Ablauf des Schuljahres behandeln kann. Rechtskonsulent Arthur Wolfisberg sieht jedenfalls die Gefahr, dass mit dem neuen Gesuch das Urteil des Bundesgerichts umgangen werden könnte. Er gibt aber auch zu bedenken, dass der Kanton Zürich sich auch jahrelang gegen die Privatschule der Scientologen gewehrt habe, ihr die Bewilligung dann aber doch erteilte.
 
 
Main Rheiner, 17.6.2003, cc
 
Schnell rein, schwer wieder raus 
Scientology glaubt, Lernen besser vermitteln zu können als deutsche Schulen
 
Den Bammel vor Schulversagen hat sich offenbar auch die Scientology-Organisation zu nutze gemacht, um neue Anhänger zu rekrutieren. Vor ihrer Niederlassung in der Mauritiusgasse hatten Mitglieder der Sekte zwei Schuljungen aus Taunusstein angesprochen und für die neue Technologie des Studierens geworben. Jan und Dennis (Namen geändert) zeigten zunächst aber nur wenig Ansporn, auf das Gesprächsangebot einzugehen und wollten weiter gehen. "Die haben uns an der Schulter festgehalten", schildern die beiden 14-Jährigen. "Sie haben uns gefragt, ob wir bessere Noten schreiben wollen".
 
Die beiden Taunussteiner ließen sich schließlich breit schlagen, gingen mit in die Scientology-Mission und kamen mit der Broschüre "Die Technologie des Studierens - Aus den Werken von L. Ron Hubbard" wieder heraus. Hubbard war der Gründer der Scientology-Sekte, die sich selbst den Status einer Religion gibt.
 
Scientology selbst dementierte den Vorfall - zumindest in Form der abgegebenen Schilderung. Schüler würden nicht gezielt angesprochen. Sie hätten aber oft Fragen, etwa weil sie im Religionsunterricht so viel von Scientology gehört haben und nun Antworten aus erster Hand wollten. Darüber hinaus tue das schlechte Abschneiden deutscher Schulen bei der Pisa-Studie ein übriges, "dass nach wirklich funktionierenden Lösungen gesucht wird". Und die von Hubbard entwickelten Technologien beinhalteten Faktoren, "die unser Schulsystem in der Regel vermissen lässt".
 
Jan und Dennis jedenfalls haben ihre Lektion gelernt. Nach dem kurzen Kennenlernen in der Scientology-Mission wissen sie nun, dass hier eine Sekte residiert, "in die man schnell rein, aber nur schwer wieder rauskommt".
 
 
news.ch, 23.05.2003
 
Schliessung der Privatschule von Scientologin wird begründet
 
Lausanne - Als Mitglied von Scientology verfügt Sandra Planzer nicht über die Vertrauenswürdigkeit zur Führung ihrer Privatschule in Littau LU. So hat das Bundesgericht die Abweisung der Beschwerde gegen die verweigerte Bewilligunsverlängerung begründet.
 
Der Entscheid war im Dispositiv bereits Anfang Mai bekannt geworden. In der nun vorliegenden Begründung hält das Bundesgericht fest, dass es bereits bei früheren Gelegenheiten festgestellt habe, dass die Verweigerung einer Privatschulbewilligung verfassungsrechtlich haltbar sei, wenn die Trägerschaft mit Scientology verflechtet sei.
 
Dabei habe es auf die gegen die Organisation erhobenen, teilweise durch Strafurteile belegten Vorwürfe der Manipulation und Ausbeutung von 20 Mitgliedern sowie auf ihren totalitären Aufbau und das damit verbundene rigorose Kontroll- und Strafsystem Bezug genommen.
 
Im konkreten Fall habe das Luzerner Verwaltungsgericht annehmen dürfen, dass Sandra Planzer Scientology derart nahe stehe, dass eine Einflussnahme durch diese Organisation nicht auszuschliessen sei. Als passives Mitglied habe sie gemäss den Statuten unter anderem die Reinheit und die Integrität ihrer Religion zu propagieren und zu praktizieren.
 
Ihre Verpflichtungen gegenüber Scientology seien damit nicht so lose wie behauptet. Ihre persönliche Vertrauenswürdigkeit habe das Verwaltungsgericht ebenfalls in Zweifel ziehen dürfen, weil sie in ihrem Bewilligungsgesuch verschwiegen habe, dass sie auch die umstrittenen Lehrmethoden des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard anwende.
 
Möge ihre Zugehörigkeit zu Scientology noch als Privatangelegenheit gelten, könne dies auf jeden Fall nicht mehr für die Lehrmethoden und für die Förderung der Ziele und Prinzipien der Mutterkirche im Rahmen des Unterrichts gesagt werden
 
 
Freie Presse, 19.5.2003 
 
Leipziger Menschenrechtspreis an Norweger Heldal-Lund verliehen
 
Der Leipziger Menschenrechtspreis 2003 ist an den Norweger Andreas Heldal-Lund verliehen worden. Der Spezialist für Informationstechnologie wurde am Sonntag in der Messestadt für sein Engagement gegen die Sekte Scientology und seinen Einsatz für Redefreiheit im Internet geehrt. Heldal-Lund unterhält seit fast sieben Jahren eine Homepage mit dem Namen "Operation Clambake", auf der er über die Scientology-Organisation aufklärt. In seiner Laudatio sagte Alain Vivien, Preisträger des vergangenen Jahres, Heldal-Lund decke die Machenschaften der Scientologen mit "Respekt und Intelligenz" auf seiner Internetseite auf. Damit helfe er Opfern und Interessierten. Heldal-Lund betonte in seiner Dankesrede die Rolle der Bürger im Kampf um Grundrechte wie Redefreiheit. "Dass diese Rechte in Verfassungen verankert sind, reicht nicht. Organisationen wie Scientology unterwandern die Gesetze", sagte er. Deshalb müsse jeder Einzelne darauf bedacht sein, solchen Kirchen und Organisationen das Handwerk zu legen. Auch müsse man sich Grundrechte immer wieder aufs Neue verdienen. Heldal-Lund will mit seiner Internetpräsenz über die Lehren und Praktiken von Scientology informieren, die von der Organisation selbst nicht veröffentlicht werden. Mehreren Klagen von Scientology und einem zeitweiligen Boykott einiger Internet-Provider zum Trotz hat Heldal-Lund seine Internetseite nicht abgeschaltet. Erst im Februar 2003 hatte auch die Suchmaschine "Google" sämtliche Links zu Heldal-Lunds Homepage aus ihrem Verzeichnissen genommen. Mit einer Internet- und Printmedienkampagne ließ sich "Google" kurz darauf überzeugen, "Operation Clambake wieder aufzunehmen. Der vom Leipziger Künstler Rüdiger Bartels gestaltete, undotierte Menschenrechtspreis wurde im Jahr 2000 als "Alternativer Karlspreis" ins Leben gerufen. Er wird jährlich vom "Europäisch-Amerikanischen Bürgerkomitee für Menschenrechte und Religionsfreiheit in den USA" verliehen. In dem Gremium sind neben Amerikanern auch Deutsche, Engländer, Österreicher, Russen und Schweden vertreten. Das Bürgerkomitee besteht seit 1997 und kämpft unter anderem gegen physischen und psychischen Missbrauch von Menschen unter dem Schutzschild der Religion. Vor Heldal-Lund erhielt unter anderem der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm den Preis. (www.xenu.net)
 
 
Süddeutsche Zeitung, 5.5.2003, Berthold Neff
 
Der unerwünschte King
Scientologe "Elvis" hat im Stadtrat keine Fans
 
Das Deutsche Theater bleibt in den Schlagzeilen: Der SZ-Bericht über die Scientology-Mitgliedschaft von Mark Janicello, der in knapp einem Monat als Hauptdarsteller im neuen Elvis- Musical auftritt, ist in den Fraktionssitzungen aller Parteien diskutiert worden. Die SPD findet, dass der Vertrag rechtlich geprüft werden muss, denn es könne nicht angehen, "dass eine Kartenabreißerin nicht Mitglied bei Scientology sein darf, der Hauptdarsteller aber schon", wie SPD-Fraktionschef Helmut Schmid nach der Sitzung sagte. Für die CSU formulierte Kultur-Stadtrat Richard Quaas ein "gewisses Unbehagen" daran, dass jemand auftreten dürfe, der die Lehre der Scientology-Sekte vertrete. Eine Absage ziehe man aber nicht in Betracht, weil anzunehmen sei, "dass eine Beeinflussung von der Bühne herab ausgeschlossen ist".
 
Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker. Er sagte, die Fraktion sei sich einig, "dass es keine Propaganda von der Bühne herunter geben darf", aber genauso wenig wolle man "eine neue Berufsverbotsdebatte in Gang setzen". Benker wies darauf hin, dass man sich vom Chef des Deutschen Theaters, Heiko Plapperer-Lüthgarth, "mehr Sensibilität im Vorfeld gewünscht" hätte. Benker gehört wie Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder zu denjenigen, die bereit sind, das Deutsche Theater zu retten, das wegen seiner maroden Bausubstanz von der Schließung bedroht ist. Mark Janicello, der sich 1999 beschwerte, als Scientologe in Deutschland verfolgt zu werden, meldete sich gestern bei seinem Konzertveranstalter Klaus Bönisch und war "fix und fertig", wie Bönisch zur SZ sagte. Der Impresario betonte, mit Janicello sei schon bei vorigen Touren abgesprochen gewesen, dass dessen persönliche Einstellung auf der Bühne nichts verloren habe. Janicello habe sich daran auch stets gehalten.
 
Gestern meldete sich auch die deutsche Zentrale von Scientology bei der SZ. Pressesprecher Georg Stoffel teilte aus der Schwabinger Beichstraße mit, seine Recherchen hätten ergeben, dass niemand aus dem Umfeld von Scientology aus München in diesen Auftritt involviert sei: "Da gibt es außer dem Herrn Janicello weit und breit niemanden." Entwarnung gab auch die Münchnerin Kerstin Steffen, die das Casting für die Nebenrolle der "Great Big Mama" gewann: Sie sei nicht gefragt worden, ob sie Scientology gut finde.
 
Unterdessen kommt das Bürgerbegehren "Rettet das Deutsche Theater" in die Gänge. Am Donnerstag wollen die Initiatoren (darunter Ex-Bürgermeister Winfried Zehetmeier) dafür werben. Falls es ihnen gelingt, 28000 Unterschriften zu sammeln und falls dann zehn Prozent der wahlberechtigten Münchner das Theater durch ihr Ja-Kreuzl auf dem Stimmzettel retten wollen, muss die Stadt tief in die Kasse greifen. Die Sanierung wird 130 Millionen Euro kosten.
 
 
Süddeutsche Zeitung, 05.05.2003, Berthold Neff
 
Deutsches Theater: Wirbel um den Hauptdarsteller und Produzenten des neuen Musicals
 
Elvis singt für Scientology
 
Sektenmitglied Mark Janicello spielt das Rock'n-Roll-Idol - der Theaterchef hat daran nichts auszusetzen
Das Deutsche Theater hat nicht nur aufgrund seiner maroden Bausubstanz, sondern auch wegen einer Premiere ein Problem: Vom 3. Juni an soll auf der Bühne im Musical "Elvis" Mark Janicello die Hauptrolle spielen, ein bekennender Scientologe. Da er die Show auch produziert, würde die Firma eines Scientologen von einem städtischen Unternehmen profitieren.
 
Der US-Amerikaner Mark Janicello, der seit einiger Zeit vor allem in Österreich lebt und arbeitet, gehört nach eigener Aussage seit 1994 zu Scientology und wirbt bei seinen Auftritten immer wieder für die von Ron Hubbard gegründete Sekte. In Deutschland geschah dies zuletzt Anfang 1999 in Berlin, wo er zusammen mit anderen US-Künstlern wie Chick Corea behauptete, wegen seiner Mitgliedschaft bei Scientology diskriminiert zu werden.
 
Von der SZ damit konfrontiert, sagte der Deutsche-Theater- Chef Heiko Plapperer-Lüthgarth am Wochenende, er wisse, dass Janicello zu Scientology gehöre. Dieser habe ihm das persönlich gesagt und "mich gefragt, ob ich damit ein Problem hätte". Plapperer-Lüthgarth antwortete, ihm sei die künstlerische Qualität wichtig, sonst nichts. Von der Bühne, auf der er als Elvis auftrete, habe Janicello schließlich keine Chance, irgend eine Botschaft von Scientology an das Publikum zu richten. Der Theater-Chef ist überzeugt, dass Janicello "nicht missionarisch tätig werden will".
 
Darauf angesprochen, dass Janicello auch als Produzent auftrete (LaRaven Productions) und damit die Firma eines Scientologen von dem Engagement auf einer städtischen Bühne profitiere, räumte Plapperer-Lüthgarth ein, dass dies problematisch sein könnte. Andererseits, so gab der Theater- Chef zu bedenken, sei sein Vertragspartner nicht Janicellos Firma, sondern die Münchner Konzertagentur Klaus Bönisch. Aber selbst für den Fall, dass er den Vertrag mit Janicellos Firma direkt abgeschlossen hätte, sieht Plapperer- Lüthgarth kein Problem. Etwas anderes wäre es, wenn die Scientology- Organisation selber bei ihm auftauchte, um ins Geschäft zu kommen. Dies würde er auf jeden Fall ablehnen.
 
Auf den Hinweis, dass dieses Gastspiel möglicherweise den energischen Kampf städtischer Behörden gegen Scientology unterlaufen könnte (zuletzt wurden der Sekte große, gelbe Reklamezelte verboten), sagte Plapperer- Lüthgarth, er sehe dennoch keine Veranlassung, die Show abzusagen: "Über diese Frage möchte ich gar nicht nachdenken." Darüber, ob Janicello seine Mitarbeiter (auch die Komparsen) danach ausgesucht hat, ob sie Mitglied bei den Scientologen sind, vermochte Plapperer-Lüthgarth nichts zu sagen: "An so etwas habe ich nicht gedacht, aber wenn die künstlerische Leistung stimmt, wäre da nichts zu beanstanden." Er bestätigte, dass Janicello auch die Komparsen selber ausgesucht hat.
Das Elvis-Musical mit Janicello hätte bereits 1998 im Deutschen Theater gastieren sollen. Obwohl die ersten Karten bereits verkauft waren, wurde das Vorhaben abgeblasen, nachdem die Show wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ihr.
 
Engagement im Theater der Freien Volksbühne in Berlin vorzeitig beendete. Bereits damals, so Plapperer-Lüthgarth heute, habe Janicello ihm verbittert vorgeworfen, er behandle ihn deshalb so, weil er Scientologe sei. Als die Plattenfirma BMG einen Vertrag mit ihm stornierte, erhob Janicello ähnliche Vorwürfe.
 
Scientology ist in den USA als Kirche anerkannt, wird in Deutschland jedoch vom Verfassungsschutz beobachtet. Einer Studie des Bayerischen Innenministeriums zufolge geht es bei Hubbards Managementlehre nicht um das Wohl des Einzelnen, "sondern um den Aufbau einer totalitären schlagkräftigen Organisation in Form eines auf Expansion programmierten Netzwerks, dessen Ziel die wirtschaftliche Ausbeutung und Versklavung des Einzelnen durch den missbräuchlichen Einsatz von Psycho- und Sozialtechniken ist". Dabei werde der Mensch als Objekt, aber nicht als "Person mit Menschenwürde und Menschenrechten" behandelt.
 

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