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- Jesus.ch
22.11.2003, Fritz Imhof
- Gegner des Anerkennungs-Gesetzes verwendeten
mysteriösen Brief von Scientology
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- Hätte Scientology nach einer Annahme
des Anerkennungsgesetzes die Möglichkeit, sich staatlich anerkennen zu lassen?
Diese von Gegnern des zur Abstimmung im Kanton Zürich stehenden Gesetzes, das
auch weiteren Kirchen und Religionsgemeinschaften eine öffentliche Anerkennung
ermöglichen soll, hat für Aufregung gesorgt. Ist das gegnerische Komitee einem
schlechten Scherz auf den Leim gegangen ?
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- Das Thema eignet sich natürlich
bestens für Polemik und Demagogie. Falls das Gesetz auch der Pseudokirche und
oft "Psychosekte" genannten Scientology eine Anerkennung ermöglichen, würden
wohl viele ein Nein einlegen.
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- Die Diskussion um Scientology brach auf,
nachdem an einer Pressekonferenz des Komitees gegen die Kirchenvorlagen erklärt
wurde, die Organisation habe sich in einem offenen Brief an Kantonsräte bereits
für das Anerkennungsgesetz bedankt und wolle ein Anerkennungsgesuch stellen.
Jürg Stettler, Präsident der Scientology-Kirche Zürich, dementiert allerdings,
dass seine Organisation einen solchen Brief geschrieben habe. Man setze sich
vielmehr für eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat
ein.
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- Kirchengesetzgegner Andreas Honegger, der den Brief zitiert hat, erklärt
dazu, er habe diesen von einer Vereinigung namens "Freunde von L. Ron Hubbard"
zugeschickt erhalten, und angenommen, dass es sich dabei um Scientology handle.
Hubbard ist der Scientology-Gründer. Stettler kann sich denken, dass der Brief
allenfalls von Scientology-Mitgliedern geschrieben worden ist, aber nicht im
Auftrag der Organisation. "Da hat sich wahrscheinlich jemand einen Scherz
erlaubt", so Stettler.
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- "Scientology ist weit davon entfernt, im Kanton Zürich
eine gesellschaftliche Bedeutung zu haben." Nicht nur die Mitgliederhürde wäre
zu hoch. "Wir sind der Meinung, dass die religiösen Aspekte bei Scientology nur
aufgesetzt sind", sagt Sektenexperte Georg Schmid. Seines Wissens werde
Scientology im deutschen Sprachraum nirgends als Kirche anerkannt.
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- Fehltritt
eines Kirchenhistorikers Dass die Sache Staub aufwirbelt, ist dennoch
begreiflich. Vor kurzem hat der renommierte deutsche Kirchenhistoriker Gerhard
Besier, bekannt durch seine Erforschung von Stasi-Akten über die Verwicklung der
Kirche mit dem DDR-Geheimdienst, bei der Eröffnung des neuen Scientology Büros
in September in Brüssel eine Ansprache gehalten, in der er die Scientologen rein
wusch.
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- Die Scientology-Kirche führe einen "Kampf für Toleranz", die jedem
zugute komme, und streite "für die Akzeptanz religiöser Vielfalt", betonte der
Historiker; er löste damit grosse Aufregung aus. Sollten Leute wie Besier der
Scientology doch noch zur Anerkennung als salonfähige Kirche verhelfen? Sollten
ihre Methoden so Anerkennung finden? So, wie es ihnen in den USA bereits
gelungen ist, wo sich Regierungsstellen wiederholt gegen die "Diskriminierung"
der Scientologen in Europa einsetzten.
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- Scientology ist dafür bekannt, mit
äusserst umstrittenen Methoden Befragungen und Therapien durchzuführen und den
Klienten dafür viel Geld abzunehmen. Georg Schmid schätzt jedoch, dass die
Organisation schweizweit weniger als 1000 Mitglieder zählt.
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- Woher der Brief
letztlich kam, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Mitglieder des
gegnerischen Komitees wollen ihn in ihren Akten nicht mehr gefunden
haben.
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- Hamburger Abendblatt, 22.11.03,
sam
- Caberta warnt vor Scientology-Schule
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- Ursula Caberta (53),
Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology, warnt Eltern vor einer Nachhilfe-Schule
an der Bogenstraße, Ecke Kleiner Kielort (Eimsbüttel). "Dieses Institut wird von
der Scientologin Sidney H. betrieben, die ihre Schüler zu Kursen in die
Scientologen-Schule nach Dänemark schickt", sagte Ursula Caberta. Die Schule sei
nicht anerkannt, und dort könne kein Schüler einen Abschluss
machen.
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- Besonders brisant: In unmittelbarer Nachbarschaft des
Nachhilfe-Instituts liegen mehrere Schulen. Das Helene-Lange-Gymnasium mit rund
1000 Schülern ist direkt an der Bogenstraße. Dort tauchten auch schon
Werbeflugblätter von Sidney H.s Institut auf. Aber die Lehrer wissen Bescheid:
"Die Innenbehörde hat uns schriftlich und ausdrücklich vor dieser
Nachhilfeschule gewarnt. Diese Information wurde sofort nach dem Bekanntwerden
durch die Klassenlehrer an sämtliche Schüler weitergegeben", sagte
Beratungslehrerin Susanne Schmidtholz. Auf Anfrage des Abendblatts bestätigte
Sidney H., dass sie Scientologin ist.
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- Tages-Anzeiger; 21.11.2003, Hugo Stamm
Jetzt peilt
Scientology die Schüler an
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- Mit einer umstrittenen Aktion wirbt
Scientology Zürich an Schulen für Menschenrechte. Sie verteilt 100'000
Broschüren.
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- Seit Jahren führt die amerikanische Sekte Veranstaltungen wie
Konferenzen, Konzerte und Marathonläufe zum Thema Menschenrechte durch. Mit der
jüngsten Aktion nimmt sie nun Schulen ins Visier. In den nächsten Wochen sollen
in der Schweiz 100 000 kleine Broschüren mit dem Titel «Frieden durch
Menschenrechte» vor allem an Schülerinnen und Schüler verteilt werden. Auf dem
Titelblatt prangt in goldener Schrift das Scientology-Logo. Die Broschüre listet
die Menschenrechte auf und porträtiert vier «Verteidiger der Menschenrechte»: Am
prominentesten dargestellt ist der Sektengründer Ron Hubbard, gefolgt von
Mahatma Gandhi, Voltaire und Martin Luther King. Welchen Beitrag Hubbard zur
Verteidigung der Menschenrechte geleistet haben soll, wird nicht erklärt. Dafür
enthält die Broschüre einen Werbespot für Scientology und Adressen von
Sektenzentren. Die Schrift erweckt den Eindruck, vor allem als Propaganda für
die Pseudokirche zu dienen.
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- Als Absenderin der Broschüren tritt die
Scientology-Institution «Jugend für Menschenrechte Sektion Schweiz» auf. Gabi
Schär vom Zürcher Scientology-Zentrum wollte die Frage nicht beantworten, an
welchen Schulen und auf welchen Stufen die Broschüre verteilt werde. Es gehe
grundsätzlich darum, die Menschenrechte bekannter zu machen und zu zeigen, dass
unter Einhaltung der Menschenrechte eine friedlichere Welt möglich sei, sagte
sie.
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- Ob allerdings Scientology die geeignete Organisation ist, um eine «Welt
ohne Krieg und Wahnsinn» zu stiften, bleibt fraglich. Die Sekte springt
beispielsweise mit ihren Kursteilnehmern nicht zimperlich um und verlangt von
ihnen bis zu 1000 Franken für eine einzelne Kursstunde auf den höheren Stufen.
Der Umgang mit den Angestellten grenzt an Unterdrückung und Ausbeutung. So
arbeiten die rund 100 Mitarbeiter im Zürcher Zentrum teilweise unter unwürdigen
Bedingungen, die den Menschenrechten kaum Stand halten.
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- Der umstrittene
Arbeitsvertrag enthält in der Regel keine konkrete Lohnsumme, sondern ist von
der Leistung des einzelnen und den Einnahmen der Organisation abhängig. Die
Entlöhnung beträgt oft nur 50 bis 100 Franken pro Woche, das Arbeitspensum dafür
satte 60 bis 70 Stunden. Die Menschenrechte fordern aber «gerechte und
befriedigende Arbeitsbedingungen» und «gerechte und befriedigende
Entlöhnung».
-
- Verletzt die Sekte Menschenrechte
?
-
- Ausserdem kennt
Scientology ein drakonisches Straf- und Sanktionssystem. Erwähnt sei hier nur
das Rehabilitation Project Force, das Sektenaussteiger als gefängnisähnliches
Straflager bezeichnen. Die Menschenrechte verlangen hingegen, dass niemand
«erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden» darf.
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- Der Umgang
mit Angestellten grenzt an Unterdrückung und Ausbeutung.
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- kipa, 18.11.2003
- Schweiz: Scientologen führen
Menschenrechts-Kampagne in Schulen
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- Zürich, 18.11.03 (Kipa) Verschiedene
Schulen in der Schweiz haben in diesen Tagen Broschüren über die Menschenrechte
erhalten. Absenderin ist die Scientology-Institution "Jugend für Menschenrechte
Sektion Schweiz". Der Versand ist Teil einer in ganz Europa lancierten
Menschenrechtskampagne der Scientologen. Nach Angaben der Organisation werden
für die Kampagne über zwei Millionen Broschüren, Inserate und Werbeflächen in 16
Sprachen eingesetzt.
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- Schulen in der Schweiz werden die beiden Broschüren
"Frieden durch Menschenrechte" und "Was sind Menschenrechte?" zugestellt. Das
herausgebende Gremium "Jugend für Menschenrechte" wurde von Mitgliedern der
"Church of Scientology International" gegründet.
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- Die Menschenrechtskampagne
sei ein neuer Versuch der Scientology-Organisation, "mit Jugendlichen ins
Gespräch zu kommen und diese für sich zu gewinnen", betonte Joachim Müller,
Leiter der Arbeitsstelle "Neue religiöse Bewegungen" der Schweizer
Bischofskonferenz, am Dienstag in einer Stellungnahme.
Laut Angaben der
"Scientology Kirche Zürich" werden im Rahmen der Kampagne europaweit je eine
Million Exemplare der Titel "Frieden durch Menschenrechte" und "Was sind
Menschenrechte?" verteilt, ausserdem über 100.000 Exemplare der Broschüre "Wie
man Konflikte löst".
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- Adressaten der Broschüren sind namentlich Schulen,
Politiker, Behörden und andere öffentliche Stellen.
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- Lausitzer Rundschau, 20.11.03
- Tom Cruise missioniert für
Scientology
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- London (dpa) - Schauspieler Tom Cruise (41), als Anhänger
der umstrittenen Scientology-Organisation bekannt, hat angeblich beim
Missionieren seiner Freundin Penélope Cruz (29) Erfolg gehabt.
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- Wie der
"Express" berichtet, ist die schöne Spanierin inzwischen für Scientology, die
sich als Glaubensgemeinschaft versteht, offen. "Dank meines Freundes habe ich
Scientology kennen gelernt und ich kann nur Positives darüber sagen."
-
- Cruz
ist ebenso wie Cruises Ex-Frau Nicole Kidman als Katholikin aufgewachsen. Kidman
war dem Bericht zufolge aus Liebe zu Cruise auch Anhängerin von Scientology
geworden, später aber wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt.
Die Auseinandersetzungen über den Glauben sollen Teil der Eheprobleme zwischen
Cruise und Kidman gewesen sein.
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- 3sat Kulturzeit,
31.10.2003
- Ein Kirchenhistoriker auf Abwegen
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- Gerhard Besier
verteidigt Scientology - und gerät in die Kritik.
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- Ist Scientology eine zu
Unrecht ausgegrenzte amerikanische Religionsgemeinschaft? Ist das staatliche
Verbot dieser Organisation der relignösen Intoleranz der Deutschen geschuldet?
Das jedenfalls behauptet der renommierte Kirchenhistoriker und Leiter des
Dresdner Hannah-Arendt-Instituts Gerhard Besier - und ist darüber massiv in die
Kritik geraten.
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- Mit undurchsichtigen Psychokursen verheißt die aus Amerika
kommende Organisation ihren Mitgliedern alles nur Erdenkliche, etwa Hilfe bei
Ehe-, Drogen- oder Jobproblemen. Scientology nimmt mangelndes Selbstwertgefühl
in Angriff und verspricht Besserung. Ihre Methoden: Gehirnwäsche, Hypnose und
das Schaffen von Abhängigkeiten. Außerdem wirft man Scientology zweideutige
finanzielle Machenschaften und Expansionsgelüste vor.
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- In der letzten Zeit war
es still geworden, um die Anhänger von Ron Hubbard. Bis Gerhard Besier als
Verteidiger der Organisation auftrat. Ausgerechnet im Brüsseler Büro für
Menschenrechte von Scientology hielt er eine kurze Rede mit großer Wirkung. Das
Foto mit ihm ziert noch immer die Internet-Seite von Scientology: Gerhard Besier
applaudierend in der ersten Reihe, zusammen mit Julia Migenes und anderen
Scientology-Mitgliedern. Gesagt haben soll er: "Scientology steht in der ersten
Reihe derjenigen, die für Anerkennung religiöser Vielfalt kämpfen. Ich bin davon
überzeugt, nur ein aufrichtiger Glaube an ihre Religion kann diesen Grad an
Engagement und Hingabe hervorbringen. Und das ist es, warum die
Scientology-Kirche einen Kampf für Toleranz führt, der jedem zugute kommen
wird." Allerdings ist der im Internet kursierende Text nicht von ihm
autorisiert. Das sorgte für Unruhe, im sächsischen Landtag, im Institut und
seinem wissenschaftlichen Kuratorium und auch in der Presse. Scientology, eine
Organisation mit autoritären Strukturen, als Vorkämpferin für
Toleranz ?
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- Bayern gibt Studie in Auftrag
-
- Der Freistaat Bayern gab eine 700
Seiten starke Studie in Auftrag - auch um Argumente für ein weitergehendes
Vorgehen gegen die Organisation in Händen zu haben. Befragt wurden 26
Scientology-Aussteiger. Die Organisation lehnte jede Zusammenarbeit mit den
bayrischen Wissenschaftlern ab. Einer der Verfasser ist Norbert Nedopil. Als
forensischer Psychiater an der Universität München ist er auch gefragter
Gutachter vor Gericht. In der Scientology-Zeitschrift "Freiheit" wird er als
Feindbild diffamiert. "Scientology wendet Techniken an, die ursprünglich zum
Teil aus der Psychologie und Psychotherapie, zum Teil aus Indoktrinationskursen
und aus Manipulation bei Soldaten kommen", sagt er. "Das ganze wird verquickt
und diese Kombination kann bei Menschen, die labil sind, dazu führen, dass sie
psychisch darunter leiden und in eine Abhängigkeit von Scientology
geraten."
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- Auch von juristischer Seite gibt es erhebliche Bedenken gegenüber
der amerikanischen Organisation. "Gefährlich ist vor allem die Ausbeutung von
psychisch Labilen, die in beträchtlichem Umfang finanzielle Investitionen und
Investitionen ihrer Arbeitskraft leisten müssen, wenn sie Mitglieder sind, und
dafür letztlich nichts bekommen", sagt der Rechtswissenschaftler Heinz Schöch
von der Universität München. Am Ende hätten sie einige 100.000 Euro verloren und
stünden oft psychisch noch schlechter da. Dies sei gefährlich, da die
Werteordnung des Grundgesetzes nicht mit dem übereinstimme, was Scientology
teilweise vertrete, etwa bezüglich der Unterdrückung der Schwachen, oder der
Herrschaft der so genannten Clears. "Das widerspricht unserem Grundgesetz, das
von der Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen ausgeht."
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- Modell einer
totalitären Gesellschaft
-
- Kontrolle nach innen, Abschottung nach außen.
Scientology verfolgt das Modell einer totalitären Gesellschaft, die schon ihre
Kinder in graue Uniformen steckt. Trotzdem ist Scientology in den USA als
Religionsgemeinschaft anerkannt - eine Position, die die US-Regierung auch in
Deutschland einklagt. Dagegen steht sie bei uns in einigen Bundesländern unter
Beobachtung des Verfassungsschutzes.
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- Besier, ein streitbarer und umstrittener
Religionswissenschaftler, hat sich immer wieder mit kleinen religiösen
Minderheiten beschäftigt. Er ist der Überzeugung, dass in Deutschland eine
eingeschränkte Religionsfreiheit besteht. Denn international steht außer Frage,
dass Scientology religionshafte Züge trägt, so Besier. Jetzt muss er sich und
seinen Forschungsgegenstand gegen massive Vorwürfe verteidigen. Bekannt wurde
auch, dass Besier an einer Studie zu Scientology arbeitet und Scientology für
den empirischen Teil erstmals die Daten ihrer Mitglieder dafür zur Verfügung
stellen wollte. Für die Wissenschaft ist dies eine Sensation. "Sie können das
nur tun, wenn die Leute Ihnen abnehmen, dass Sie unbestechlich sind, dass Sie
nicht mit vorgefasster Meinung ankommen", sagt Besier. "Man muss diese Menschen
als Gegenüber Ernst nehmen. Wenn man von vorneherein sagt, 'von dem was du
glaubst halte ich nichts', werden die auch nicht ihre Datenpools und ihr
Schrifttum vorlegen."
-
- Großer öffentlicher Druck
-
- Doch die Frage bleibt,
wie unabhängig kann Besiers Forschung nach dem umstrittenen Auftritt in Brüssel
noch sein? "Wir müssen den Dingen doch auf den Grund gehen, um dann ein
angemessenes Urteil zu fällen", sagt der Religionswissenschaftler. Jeder, der
mit dem Gesetz in Konflikt gerate, müsse bestraft werden. Nur müsste dies erst
festgestellt werden. Sonderrechte fordere er keine.
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- Die Debatte um
Scientology spaltet. In den letzten Jahren hat sich die selbsternannte Kirche
erfolgreich und imagefördernd um sozialkaritative Belange gekümmert. In der
Drogenberatung und -hilfe etwa. Für Kritiker nur ein raffinierter Trick, um
ungestört an der Weltverbesserung zu arbeiten. Gerhard Besier jedenfalls wird
sein geplantes Buch nicht mehr publizieren. Der öffentliche Druck ist zu groß.
Ist die Angst und die öffentliche Entrüstung in Sachen Scientology berechtigt?
"Scientology ist für viele ein Feindbild und es ist häufig fraglich, ob dieses
Feindbild wirklich so berechtigt ist", sagt Nedopil. Ziel der Untersuchung sei
gewesen, genau festzustellen, ob eine Warnung vor Scientology gerechtfertigt
sei. "Wir haben nach unseren Erkenntnissen durchaus festgestellt, dass man davor
warnen muss. Das heißt aber nicht, dass Leute nicht dahin gehen dürfen." Sie
sollten nur vorher wissen, auf was sie sich einlassen.
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- Schöch setzt auf die
Aufklärung mündiger Bürger und auf eine wirkungsvolle Beratung möglicher
Aussteiger. "Nur wenn diese unterdrückt oder unter Druck gesetzt werden, kann
und soll juristischer Schutz beigezogen werden." Wobei er zivilrechtlichen
Schutz bevorzugt. Wenn Betroffene etwa die von ihnen gezahlten Gelder
zurückverlangten, täte dies der Organisation sehr weh. Wie es scheint, ist
Scientology in den letzten Jahren viel langsamer gewachsen, als noch in den
90ern befürchtet. Dennoch ist Besiers Versuch einer Ehrenrettung von Scientology
verfehlt.
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- Netzeitung.de, 29.Oktober
2003,
- Michael Jackson soll Spendengelder an Scientology überwiesen
haben
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- Michael Jackson soll Geld, das für die Angehörigen der Opfer des
11. September bestimmt war, der Scientology-Sekte zugeschanzt haben.
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- Wie die
britische Zeitung «Daily Mirror» am Mittwoch berichtet, soll der Superstar Geld,
das eigentlich für die Angehörigen der Opfer des 11. September gedacht war, der
umstrittenen Scientology-Sekte überwiesen haben.
-
- Zusammen mit prominenten
Kollegen wie Mariah Carey, Ricky Martin und Beyonce Knowles hatte Jackson
unmittelbar nach den Anschlägen vor zwei Jahren einen Song mit dem Titel «What
more can I give?» aufgenommen. Der Erlös sollte direkt an die Familien der Opfer
gehen.
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- Jackson aber habe bereits einen Großteil dem Hollywood Education and
Literacy Projekt «Help» gespendet, hieß es. Und dieses sei bekannt dafür, dass
es der umstrittenen Scientology-Sekte nahe steht. «Hier wurde Geld für einen
Zweck gesammelt, den viele der teilnehmenden Stars nicht unterstützen», schrieb
Mirror-Kolumnist Roger Friedman.
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- Eine Stellungnahme von Michael Jackson zu
den Vorwürfen gibt es bisher nicht. Nähe zur Scientology-Sekte wird dem
Superstar seit seiner Ehe mit Lisa Marie Presley nachgesagt, die sich öffentlich
dazu bekannte.
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-
- Blick Online, 29. Oktober 2003,
Reese Witherspoon
Michael Jackson: Geld-«Geschenk» an
Scientology? Kurz nach den Anschlägen vom 11. September nahm Jacko (45)
zusammen mit Branchenkollegen wie Mariah Carey, Ricky Martin und Beyoncé Knowles
den Song «What more can I give?» auf. Der Erlös sollte den Terror-Opfern zugute
kommen. Und das Geld floss auch. Hauptsächlich in den Fonds des «Hollywood
Education and Literacy»-Projekts «Help». Dieses aber soll der Scientology-Sekte
nahe stehen. «Hier wurde Geld für einen Zweck gesammelt, den viele der
teilnehmenden Stars nicht unterstützen», ärgert sich deshalb die britische
Zeitung «Daily Mirror».
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- Süddeutsche Zeitung,
28.10.03, Alexander Kissler
- Rolle rückwärts in die
Zukunft
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- Gerhard Besier zieht sein Scientology-Buch zurück, hält aber die
Kritik für unangebracht Absurd sei es, ihn in die Nähe von Scientology zu
rücken, schließlich sei er ein gläubiger Protestant: So sprach Gerhard Besier am
Freitag vergangener Woche. Er werde deshalb sein Buch über die umstrittene
Organisation nicht veröffentlichen. Tags zuvor hatte der Direktor des Dresdner
Hannah-Arendt-Instituts noch erklärt, am "theoretischen Teil" des Projektes
festzuhalten, die empirische Studie aber, für welche Scientology Deutschland die
interne Mitgliederdatei öffnete (SZ vom 21.10.), ruhen zu lassen. Der
Sinneswandel vom Teil- zum Totalverzicht sei dem "wachsenden gesellschaftlichen
Druck" geschuldet. Die Sorge um das Ansehen des Instituts und die Sicherheit
seiner Familie habe ihm keine Wahl gelassen. Scientology aber wirbt noch immer
mit dem Foto eines lachenden Gerhard Besier, der sich gemeinsam mit führenden
Scientologen über die Eröffnung der Brüsseler Filiale freut.
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- Der belgische
Ortstermin am 17. September löste die Affäre aus. Das Foto schmückt an
prominenter Stelle die Scientology-Webseite. Über 300 Teilnehmer sollen der
Zeremonie beigewohnt haben. Besier zählt zu den fünf Hauptrednern, die
namentlich genannt werden. Sie alle haben laut Scientology referiert über ihre
"Erfahrungen mit dem Einsatz der Kirche für Menschenrechte und
Religionsfreiheit". Solange das Foto für PR-Arbeit in dubioser Sache verwendet
wird, könnte es ein Stachel sein im Bemühen des Instituts, sich aus der
Dauerkrise freizuschwimmen. Auch spricht Besiers trotziges Statement, er werde
nun während seines Direktorats über keine "religiösen Minoritäten" mehr
forschen, nicht unbedingt für höhere Einsicht.
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- Das 1993 gegründete Institut
für Totalitarismusforschung soll vor allem "historische DDR-Forschung"
betreiben. Als Autor zweier Standardwerke über die Kirchen im Dritten Reich und
in der DDR schien Besier hierfür prädestiniert. Das von der CDU dominierte
Kuratorium, das den neuen Leiter im Februar bestellte, hat jedoch den zentralen
Aspekt des öffentlichen Wirkens von Gerhard Besier übersehen. Der
Kirchenhistoriker streitet seit langem gegen die staatliche "Sektenhysterie",
kritisiert die "religiöse Versorgung durch die Etablierten" und befürwortet eine
schrankenlose Religionsfreiheit nach amerikanischem Muster. Seine Bücher über
die "neuen Inquisitoren" und die "Rufmordkampagne" des Staates fehlen übrigens
in Besiers "ausführlicher Bibliographie", die das Institut
verbreitet.
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-
- Tiroler Tageszeitung (Onlinedienst),
26.10.2003
- Scientology bezieht neues Hauptquartier in
Brüssel
-
- Unscheinbar flattern die hellblauen Banner mit den blassgelben
Kreuzen im Brüsseler Europaviertel im Wind.
-
- Brüssel (APA) - Den
vorbeihastenden Passanten fällt das Schild an dem Altbau kaum auf:
"Internationale Scientology-Kirche. Europäisches Büro für Öffentlichkeitsarbeit
und Menschenrechte." Die Adresse: Rue de la Loi 91. Nur einen Steinwurf von
EU-Kommission und Europaparlament entfernt und direkt um die Ecke von der
Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, hat die umstrittene US-"Kirche"
seit einigen Wochen ihr neues europäisches Hauptquartier.
-
- "Ein Skandal",
empört sich die Belgierin Veronique de Keyser, sozialistische Abgeordnete im
Europaparlament. Sie ist empört über dieses Büro an einem "symbolisch so
wichtigen Ort" mitten im Zentrum Europas. Den deutschen EU-Parlamentarier Elmar
Brok (CDU) stört "Scientology als solches". Die seit zehn Jahren in den USA als
Kirche anerkannte Organisation habe Vorstellungen, "die in keiner Weise mit
Demokratien zu vereinbaren sind".
-
- Keyser ist im außenpolitischen Ausschuss
des Europaparlaments engagiert, der auch für Menschenrechte zuständig ist, Brok
steht ihm vor. Die Sozialistin wie der Konsvervative stoßen sich an dem Gebrauch
des Begriffs "Menschenrechte" durch die Scientologen. "Sie treten für ihre
eigenen Interessen ein und deklarieren das als Eintreten für die
Menschenrechte", sagt Brok. "Und nehmen damit Einfluss auf die europäische
Politik", fügt Keyser hinzu.
-
- Und das seit geraumer Zeit. Nach Angaben des
belgischen Sekten-Informationszentrums führen die Anhänger der Lehre Ron
Hubbards von Brüssel aus "seit vielen Jahren eine Lobbykampagne bei
verschiedenen internationalen Organisationen", darunter auch Europarat und die
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Scientology
stelle sich dabei als verfolgte Religion dar, die es zu schützen
gelte.
-
- Tatsächlich ist die 1954 in den USA gegründete Bewegung in vielen
europäischen Staaten alles andere als gern gesehen. In Frankreich und Belgien
befasst sich die Justiz mit Scientology. In beiden Ländern laufen Ermittlungen
gegen Mitglieder, denen Betrug und illegaler Handel mit Medikamenten vorgeworfen
wird. In Belgien stehen derzeit neun Hubbard-Anhänger unter Verdacht, einer
kriminellen Organisation anzugehören und Persönlichkeitsrechte verletzt zu
haben.
-
- Im krassen Gegensatz dazu steht die Selbstdarstellung der Scientologen
in der Brüsseler Rue de la Loi. Wer den vergitterten Eingang passiert, den
erwartet eine Ausstellung über die Wohltaten der Gruppe: Hilfe in
Katastrophenfällen wie die Betreuung von US-Feuerwehrleuten nach dem 11.
September 2001, der Kampf gegen Drogen und Missstände in der Psychiatrie. Doch
dieser "Marathon für die Menschenrechte in Europa" werde von der europäischen
Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, moniert Ausstellungsleiter Marc Bromberg. Da
hilft es auch nicht, dass im ersten Stockwerk des pompösen Baus Prominente wie
der Schauspieler Tom Cruise für "ihre" Kirche werben. Auch die US-Regierung übt
sich immer wieder im Schulterschluss mit Scientology. Den europäischen
Bündnispartnern wirft Washington vor, durch juristisches Vorgehen gegen die
Gruppe das Recht auf Religionsfreiheit zu missachten.
-
- Anders als mit
rechtsstaatlichen Mitteln sei den Scientologen aber nicht beizukommen, sagt
Brok. "In einem freien Land kann man nichts verbieten. Wir können nur vermeiden,
dass sie durch die Anerkennung als Kirche wirtschaftliche Vorteile bekommen."
Pläne für eine europäische Sektenbeobachtungsstelle, die der Europarat bereits
1999 forderte, liegen vorerst auf Eis. Bis dahin bleibt laut Keyser im Kampf
gegen Scientology nur eins: "Wir müssen das Recht auf unsere Seite
bringen."
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- dpa 25.10.03
- Besier
veröffentlicht seine Studien nicht
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- Dresden. Der Direktor des Dresdner
Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung, Gerhard Besier, wird seine
Studie "Feindbild Scientology? Eine amerikanische Religion in Deutschland" nicht
veröffentlichen. "Damit werde ich meine Gegner vermutlich enttäuschen, doch ich
will die Diskussion nicht um jeden Preis", sagte er am Freitag. Besier hatte im
September an der Eröffnung des "Zentrums für Religionsfreiheit" von Scientology
in Brüssel teilgenommen und dafür Kritik geerntet.
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- Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2003, pi
- Engere Verflechtung
statt Entflechtung
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- Argumente der Gegner der Kirchenvorlagen
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- Ein
überparteiliches Komitee, bestehend aus SVP- und FDP-Politikern, hat die Gründe
für eine Ablehnung der drei Kirchenvorlagen präsentiert. Es stösst sich an der
staatlichen Privilegierung einiger Religionen, am Ausschluss des Souveräns im
Anerkennungsverfahren sowie an der Einführung des kirchlichen
Ausländerstimmrechts. Von einer Entflechtung der Staat-Kirche-Beziehung könne
nicht die Rede sein.
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- Das Komitee mit dem Namen «3× Nein zu den
Kirchenvorlagen» hat am Dienstag seine Argumente zur Ablehnung der
Abstimmungsvorlagen (Verfassungsänderung, Kirchengesetz, Anerkennungsgesetz) vom
30. November vorgestellt. Gregor Rutz, SVP-Verfassungsrat, brachte die
Hauptkritik der Gegnerschaft auf den Punkt: Die Kirchenvorlagen stellten die
demokratischen Gepflogenheiten der Schweiz und des Kantons Zürich auf den Kopf,
und zwar hinsichtlich der öffentlichrechtlichen Anerkennung wie des kirchlichen
Ausländerstimmrechts.
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- Nicht mehr Gerechtigkeit
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- Andreas Honegger, alt
Kantonsrat der FDP und einer der Befürworter der Trennungsinitiative von 1995,
stiess sich in seinen Ausführungen vor allem daran, dass einige Religionen durch
staatliche Anerkennung privilegiert und mit Steuermitteln gefördert, andere
Gemeinschaften dagegen ausgeschlossen würden. Für einen freiheitlich-liberal
denkenden Menschen gebe es theoretisch zwei denkbare Wege: Man privilegiere
niemanden oder alle. In den Augen Honeggers ist es angesichts der drei
Kirchenvorlagen das kleinere Übel, es bei den drei derzeit staatlich anerkannten
Landeskirchen (der evangelisch-reformierten, der römisch-katholischen und der
christkatholischen) zu belassen.
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- Das Anerkennungsgesetz bringe nicht mehr
Gerechtigkeit für eine grössere Anzahl Menschen, da nie alle Religionen
anerkannt werden können. Zudem warnte Honegger vor einem Staat, der selektiv mit
einzelnen Religionen ein Sonderbündnis eingehe; dieser sei in keiner Form
gewappnet gegen Übergriffe fundamentalistischer Bewegungen.
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- Einklagbare
Regierungsentscheide
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- Gabriela Winkler, freisinnige Kantonsrätin, stellte wie
ihr Vorredner die Anerkennungskriterien in Frage. Wie könne eine Regierung
beschliessen, welche Religions- oder Glaubensgemeinschaft privilegiert werden
solle? Indem das vorliegende Gesetz den Anerkennungsentscheid der demokratischen
Befragung entziehe, werde die Anerkennung einklagbar. Das Komitee befürchtet
eine Lawine von Klagen, die auf das Verwaltungsgericht zukomme. Zudem werde die
Büchse der Pandora für Sekten und Gruppierungen merkwürdigster Art geöffnet.
Nach der Abstimmung im Kantonsrat habe sich die Scientology-Kirche bei den
Ratsmitgliedern dafür bedankt, dass das Parlament endlich die Rechtsgrundlage
für ihre Anerkennung geschaffen habe.
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- Abbau demokratischer
Volksrechte
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- Rutz wehrte sich in seinem Plädoyer vehement gegen den Abbau der
demokratischen Volksrechte und sah Parallelen zum Einbürgerungsentscheid des
Bundesgerichts. Es sei eine gefährliche Tendenz, dass immer mehr demokratische
Kompetenzen des Souveräns von Behörden, Exekutiven oder Verwaltungen
wahrgenommen werden sollten und das Volk nichts zu sagen habe. Zudem bringe das
Anerkennungsgesetz die Regierung in eine heikle Lage: Sie habe darüber zu
befinden, was Religion sei und was nicht. Dies führe zu schwer begründbaren
Entscheiden. Rutz vermutet aufgrund des Gleichheitsgebots und des
Diskriminierungsverbots langfristig eine Flut von Anerkennungen. Ein
zusätzliches Problem sei ferner die Frage nach dem Ausländerstimmrecht.
Voraussetzung dafür sei zwingend eine Entflechtung staatlicher und kirchlicher
Strukturen. Die Gegnerschaft ist jedoch überzeugt davon, dass die
Kirchenvorlagen im Gegenteil die gegenwärtige Beziehung zwischen Staat und
anerkannten Gemeinschaften zementiere.
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- Das Komitee wolle, wie SVP-Nationalrat
Ulrich Schlüer sagte, die eklatanten juristischen Schwächen der neuen
Kirchengesetzgebung offenlegen. Namentlich das fehlende Mitsprache- und
Referendumsrecht bei Anerkennungsentscheiden werde nicht akzeptiert. Schlüer
vermutete, dass die Stimmberechtigten «radikal entmachtet» worden seien, weil
möglicherweise der Souverän als zu unreif angesehen werde, beispielsweise bei
der Anerkennung muslimischer Gemeinschaften. Zudem möchte Schlüer verhindern,
dass auf dem Umweg über neue Religionsgemeinschaften dem Stimm- und Wahlrecht
für Ausländer allgemein der Boden geebnet werde.
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- Auf die Frage, ob das
gegnerische Komitee die drei Kirchenvorlagen bekämpfe, um das Terrain für die
nächste Trennungsinitiative vorzubereiten, meinte Rutz: Eine Trennung von Kirche
und Staat sei politisch derzeit gar nicht durchführbar. Winkler fügte hinzu, der
gegenwärtige Zustand sei schon unbefriedigend; deshalb dürfe man aber nicht Ja
zu einem noch unbefriedigenderen Zustand sagen. Honegger sieht in den
Kirchenvorlagen einen «Kuhhandel» zwischen der Regierung und den Kirchenspitzen,
um das Staatskirchentum klar zu stärken.
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