Weltspiegel, 19.04.2001
 
Scientology weiter beobachten
 
DÜSSELDORF (KNA) Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hält die Beobachtung der Scientology-Organisation weiterhin für erforderlich. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei allerdings die Umsetzung der Programmatik der Organisation mit ihren gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen nicht das vorrangige Ziel der Scientologen, heißt es im am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichten Verfassungsschutzbericht 2000. Laut Verfassungsschutz versucht Scientology vielmehr mit einer Angebotspalette von so genannten Lebensbewältigungshilfen mit pseudoreligiösen und pseudo-therapeutischen Elementen über ihre vorwiegend kommerzielle Ausrichtung hinwegzutäuschen.
 
 
Weltspiegel, 18.04.2001, MÜNCHEN (DPA)
 
Scientology-Fragebogen nicht ausfüllen
 
Ein Beschäftigter im öffentlichen Dienst muss den Fragebogen über Beziehungen zur Scientology-Organisation nicht ausfüllen und unterschreiben. Dieses Urteil fällte das Arbeitsgericht München in einem Rechtsstreit zwischen einem Kläger und dem Freistaat Bayern (Aktenzeichen 23 Ca 1178/00). Scientology erklärte am Mittwoch, der Fragebogen zu einer Mitgliedschaft in ihrer Organisation für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst habe keine Rechtsgrundlage.
 
Das bayerische Innenministerium widersprach dieser Auffassung und erklärte, die Fragebögen würden nicht zurückgezogen. Angestellte im öffentlichen Dienst müssten sich auch weiterhin bei der Neuanstellung über mögliche Beziehungen zu der als "extremistisch und verfassungsfeindlich eingestuften Organisation" offenbaren. Das Innenministerium werde beim ergangenen Urteil allerdings nicht in Berufung gehen, da es sich um einen "absoluten Einzelfall" handle. Einem technischen Angestellten im öffentlichen Dienst war auf Grund von Vermutungen der Fragebogen vorgelegt worden.
 
 
Pfalz-Nachrichten, 18.04.2001, Johannes Seibel
 
Scientology unterliegt vor Verwaltungsgericht
Saarländischer Verfassungsschutz darf beobachten
 
SAARBRÜCKEN/SAARLOUIS. Der saarländische Verfassungsschutz darf die "Vereinigung Scientology Kirche Deutschland" weiter beobachten. Eine Klage der Vereinigung, die versuchen soll, totalitäre Strukturen und eine andere Gesellschaftsordnung aufzubauen, wurde von der sechsten Kammer des saarländischen Verwaltungsgerichts in Saarlouis abgelehnt. Eine schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus.
 
Dies bestätigten auf RHEINPFALZ-Anfrage der Chef des saarländischen Verfassungsschutzes, Helmut Albert, und eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts. Nach den Angaben Alberts ist es die erste Entscheidung eines deutschen Gerichtes gegen "Scientology", nachdem der Verfassungsschutz die Gruppe mit nachrichtendienstlichen Methoden beobachten darf. Das Urteil habe bundesweite Bedeutung, weil auch in anderen Bundesländern "Scientology" gegen die Beobachtung durch Landesverfassungsschützer geklagt habe; Urteile stehen noch aus.
 
"Scientology versucht, die Beobachtung auf Bundesebene durch den Bundesverfassungsschutz dadurch auszuhebeln, dass es gegen Landesverfassungsschutz-Ämter klagt, um sie aus dem System rauszubrechen, da ja die Länder für den Bund Mosaiksteine über diese Vereinigung sammeln, das ist jetzt misslungen", bewertete Albert das Urteil aus seiner Sicht.
 
Es sei vor dem Verwaltungsgericht gelungen zu zeigen, dass "Scientology" nicht einfach eine Kirche sei, sondern eine politische Zielrichtung habe und gegen entscheidende Punkte des Grundgesetzes verstoße, da die Gruppe eine "neue, undemokratische Gesellschaftsform" anstrebe, in der nur noch Mitglieder von "Scientology" Rechte hätten.
 
"Scientology" habe vor Gericht ausßerdem in Frage gestellt, ob bei der Beobachtung von "Scientology" die Verhältnismäßigkeit gewahrt sei. Dem habe Albert entgegen setzen können, dass es auch deshalb verhältnismäßig sei, "Scientology" durch den Verfassungsschutz zu beobachten, weil diese Organisation über einen eigenen Nachrichtendienst verfüge, der mit Mitteln arbeite, die nicht gesetzlich seien.
So sei zum Beispiel das Landesamt für Verfassungsschutz in Saarbrücken wie andere Behörden in Deutschland auch von einem Mitarbeiter dieses "Scientology"-Dienstes angerufen worden, der sich unter falschem Namen als angeblicher Journalist ausgegeben habe, um Informationen über den Verfassungsschutz zu bekommen.
 
In Hamburg hätten zudem Mitarbeiter des "Scientology"-Nachrichtendienstes versucht, einen Aussteiger aus "Scientology", der vor der Innenbehörde des Stadtstaates über diese Gruppe berichten wollte, während dieser Gespräche zu observieren und gewaltsam in die Hamburger Innenbehörde einzudringen, so Albert.
 
Laut Albert ist "Scientology" in Saarlouis von dem Münchener Rechtsanwaltsbüro Wilhelm Blümel vertreten worden. "Ich gehe davon aus, dass unsere Mandantschaft eine Zulassung zur Berufung beantragt, kann dies aber nicht verbindlich sagen, weil Herr Blümel, der bei dem Prozess dabei war, zur Zeit im Urlaub ist", sagte Alexander Petz von der Anwaltskanzlei Blümel auf Nachfrage. Dieser Antrag sei notwendig, damit "Scientology" gegen das Urteil in Berufung gehen könne.
 
 
Stuttgarter Nachrichten 14.04.2001 VON HILMAR PFISTER
 
Selig lächelt John Travolta im ehemaligen Kinosaal
Wie Scientology vorgibt, Drogenabhängigkeit zu bekämpfen, und dabei um Mitglieder wirbt
 
In Amerika sieht sich die Scientology-Vereinigung (fast) am Ziel. Hollywood-Stars wie John Travolta oder Tom Cruise bekennen sich zu den Heilsaposteln mit ihren umstrittenen Schulungsmethoden. In Stuttgart erhoffen sie sich nun neuen Zulauf durch eine Ausstellung in der Marienstraße.
 
Der Stargast hängt selig lächelnd an der Wand, als Porträtfoto in Augenhöhe. Ein Aushängeschild wie John Travolta fehlt den Jüngern von Ron Hubbard hier zu Lande. Vielmehr klagt der Verein, der sich als "Kirche'' ausgibt, über mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz. Ob die Ausstellung "Was ist Scientology'' in einem ehemaligen Kino in der Marienstraße daran etwas ändert? Der Zeitpunkt komme genau richtig, meint Georg Stoffel, Sprecher von Scientology Deutschland. "Die Tendenz der Verfassungsschutzberichte in den letzten Jahren spricht für uns. Nach dem Zusammenbruch des Ostens wurde eben ein neues Feindbild benötigt. Doch diese Zeit ist jetzt vorbei.''
 
Schwerpunkt der Ausstellung soll das Drogenproblem und seine Bekämpfung nach Art der Scientologen sein. Viele bunte Schautafeln sollen suggerieren: Die Wunderwaffe gegen den Missbrauch von Alkohol, Cannabis oder Kokain heißt "Narconon''. Nach Angaben von Scientology handelt es sich dabei um nicht weniger als "das beste Programm auf der Welt für den Entzug, die Entgiftung und die Rehabilitierung''.
Mit "Narconon'' will Scientology nur indirekt zu tun haben. "Das ist eine befreundete Organisation'', betont Maja Nüesch von der Scientology-Filiale Stuttgart. Gleichwohl basiert der Drogenentzug auf dem "Reinigungsprogramm'' von Scientology-Gründer Hubbard. Hohe Vitamin- und Mineralstoffdosen sowie große Mengen Öl sollen den Körper dabei unterstützen, Giftstoffe auszuschwemmen und "von Drogen beschädigte Bereiche wieder in Ordnung zu bringen''. Regelmäßiges Joggen helfe, "diese Ablagerungen aufzulockern'', Schwitzen in der Sauna befreie den Organismus schließlich von Drogenrückständen.
 
Dass diese Art des Entzugs von Ärzten und Fachleuten angezweifelt oder sogar als gefährlich eingeschätzt wird, bleibt auf der Ausstellung natürlich unerwähnt. Umso mehr Raum bleibt für den begabten Komponisten, erfolgreichen Pflanzenzüchter oder tüchtigen Pfadfinder Ron Hubbard. Auch an Hubbard-Bücher fehlt es nicht - zum Mitnehmen, aber gegen Bezahlung. Nur der selig lächelnde John Travolta dürfte unverkäuflich sein.
 
Die Ausstellung "Was ist Scientology'' dauert bis 28. April und ist täglich geöffnet.
 
 
Schwäbische Zeitung 04.04.2001
 
"Scientology will Macht über Menschen und Welt-Herrschaft"
 
Über die Scientologen, die in Laichingen wieder in die Schlagzeilen geraten sind, unterhielt sich unser Redaktionsmitglied Elisabeth Ligendza mit Dr. habil. Hansjörg Hemminger,Weltanschauungsbeauftrager beim evangelischen Gemeindedienst für Württemberg.
 
SZ : Was ist Scientology ?
 
Dr. Hemminger: Scientology stellt eine Mischung zwischen einem unseriösen, ausbeuterischen Wirtschaftsunternehmen und einer ideologischen Extremistengruppe dar.
 
SZ : Welche Ziele verfolgt Scientology ?
 
Dr. Hemminger: Im Vordergrund ist Scientology ein Dienstleister, der Psychologiekurse und -Seminare zu weit überhöhten Preisen vertreiben will. Die Anhäufung von Geld dient dem Erwerb politischer und gesellschaftlicher Macht. Scientology ist extrem machtorientiert und strebt auf lange Sicht die Weltherrschaft an unter dem Motto "Clear the Planet". Für den einzelnen Scientologen steht manchmal etwas anderes im Vordergrund als für die Organisation: Der einzelne Scientologe glaubt, er könne auf der so genannten "Brücke zur Freiheit" eine Art übermenschliches, ewig lebendes Geistwesen werden.
 
SZ : Scientology ist wiederholt schon in die Schlagzeilen geraten - vor allem beim Kauf- und Verkauf von Gebäuden. Warum geht die Sekte aufs Land ?
 
Dr. Hemminger: Ich glaube nicht, dass Laichingen als Standort eine besondere Bedeutung für die Scientology-Organisation hat. Traditionell sind die Ballungsgebiete mit ihrer hohen Finanzkraft interessanter für die Organisation. Dort weht den Scientologen jedoch seit etwa zehn Jahren ein sehr scharfer Wind entgegen, vor allem im Großraum Stuttgart. Auch ist die Finanzkraft der Organisation nach allen Erkenntnissen erheblich gesunken. Daher könnte ich mir vorstellen, dass man versucht, in strukturschwächere Gebiete auszuweichen, wo die öffentliche Aufmerksamkeit für die Extremisten-Gruppe nicht so hoch ist.
 
S Z : In der Landeshauptstadt Stuttgart soll Scientology ein Drittel des Immobilienmarktes beherrschen - warum gerade diese Branche ?
 
Dr. Hemminger: Scientologen stehen häufig unter einem enormen Druck, sehr viel Geld für das Kurssystem der "Brücke zur Freiheit" aufbringen zu müssen, beziehungsweise die Organisation mit großen Summen unterstützen zu müssen. Daher drängen sie bei ihrer wirtschaftlichen Betätigung auf Felder, die bei hohem Risiko auch hohe Gewinne versprechen. Das sind neben dem Immobilienmarkt zum Beispiel Personaldienstleistende Branchen - etwa in der Software-Entwicklung. Es trifft jedoch zu, dass der Immobilienmarkt im Großraum Stuttgart besonders betroffen ist.
 
SZ : In Laichingen soll ein Dianetik Centrum entstehen - was ist das ?
 
Dr. Hemminger: Ein Dianetik-Centrum ist ein Dienstleistungszentrum der fälschlich so genannten "Church of Scientology" und zwar eines, das in der Rangfolge der Organisation relativ weit unten steht. Das heißt, dort werden die Eingangskurse angeboten. Für weiterführende Kurse werden die Mitglieder dann nach Stuttgart, nach Kopenhagen oder in die USA geschickt.
 
SZ : Scientology auf der Schwäbischen Alb - ist jetzt besondere Vorsicht geboten ?
 
Dr. Hemminger: Scientology gegenüber ist immer dann besondere Vorsicht geboten, wenn eine Einzelperson oder eine Organisation anfällig ist gegenüber den maßlosen Versprechungen der Scientologen. Erfolg, Macht und Geld in ungeahntem Ausmaß werden zugesagt, die Realität sieht aber meistens ganz anders aus. Jedermann muss sich selbst prüfen, inwieweit er bereit ist, solchen Illusionen nachzulaufen.
 
www.eingang.ch 04.04.2001
 
Tom Cruise bleibt bei Scientology
 
Letzte Woche hieß es in den USA, Tom Cruise, 38, sei nicht mehr Mitglied von Scientology. Nun sagte seine Pressesprecherin: «Nein, er hat die Kirche nicht verlassen, sich auch nicht von ihr freigekauft» (auch diesen Verdacht gab es).
Noch-Ehefrau Nicole Kidman, 33, hat indessen andere Probleme – ihr zukünftiges Leben als allein erziehende Mutter der beiden Adoptivkinder Isabella Jane, 8, und Connor Anthony, 6, nach zehn Jahren Ehe: «Ich habe früher immer gesagt: Alle Achtung, ich ziehe den Hut vor einer Frau, die es auf sich nimmt, allein erziehende Mutter zu sein. Jetzt bin ich es selbst und das macht mir ganz schön Angst. Dies ist ein ganz neuer Weg für mich.» Aber mit Sicherheit einer, der dick mit Dollars gepflastert ist, schreibt die «Bunte» in ihrer aktuellen Ausgabe.
 
 
General-Anzeiger, Bonn 03.04.2001
 
Gottfried Helnwein findet keinen Käufer für sein Schloss in Burgbrohl
Niemand bietet dem Künstler, der in den USA und Irland lebt, 5,8 Millionen Mark Kreis Ahrweiler. (lrs)
 
Der Künstler Gottfried Helnwein findet vorerst keinen Käufer für sein Schloss in Burgbrohl. Seit rund zwei Jahren steht es für 5,8 Millionen Mark zum Verkauf. "Er hängt sehr daran. Wenn er es wirklich verkaufen wollte, hätte er es schon längst getan", sagt Ortsbürgermeister Carl-Josef Weiler.
 
Das Schloss in Burgbrohl steht zum Verkauf. Es gehört dem Künstler Gottfried Helnwein, der 15 Jahre im Brohltal lebte.
 
Die Kölner Immobilienmaklerin Gisela Precht, die das Gebäude in den vergangenen zwei Jahren betreut hatte, bezeichnete Helnweins Preisvorstellung als "zu hoch". Es habe eine ganze Reihe von Kaufinteressenten für das Gebäude mit rund 2 000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche in einem alten Park gegeben. Alle hätten jedoch weniger Geld geboten.
 
Der 52-jährige Helnwein war als angebliches Aushängeschild für die Scientology-Sekte wiederholt in die Schlagzeilen geraten. 1998 veröffentlichte das Bundesverfassungsgericht allerdings ein Urteil, wonach der Künstler nicht länger als "Scientologe oder Geistlicher der Scientology-Sekte" bezeichnet werden dürfe. Nach Weilers Auskunft hatten entsprechende Anfeindungen der Nachbarorte von Burgbrohl den Maler, Konzeptkünstler und Fotograf vor wenigen Jahren aus Deutschland vertrieben. Nun lebe er in Irland und in den USA. Der Bürgermeister glaubt nach eigener Aussage nicht, dass der Vater von vier Kindern Scientology-Anhänger ist. "Ich hätte ihn gerne hier behalten", ergänzte Weiler.
 
In Burgbrohl hatte Helnwein rund 15 Jahre gewohnt und sein Barockschloss aufwendig renovieren lassen. Bald kamen Gerüchte auf, dass dort Scientology-Kurse angeboten würden. Nachgewiesen werden konnte dies nach Auskunft der Verbandsgemeinde Brohltal aber nie.
 
Helnwein war unter anderem mit seinem Plattencover der Rockgruppe "Scorpions" 1981 bekannt geworden. Mit Titelbildern von Magazinen wie "Time", "Spiegel", "Stern" und "Playboy" wurde er einer breiten Öffentlichkeit vertraut. Der Künstler stellte im Laufe seiner Karriere Porträts von misshandelten Kindern aus, malte sich selbst wie einen Märtyrer und entwarf auch Bühnenbilder.
 

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