- Berner Zeitung, 15.05.2001
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- Nur
noch Bücherstände
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- Auch die Scientology-Kirche wirbt weniger mit «Möchten
Sie gerne mehr über sich selber wissen»: Mit dieser Frage luden früher Vertreter
der Scient- ology-Kirche Passanten zu einem Persönlichkeitstest in ihre Büros am
Zytglogge ein. Auf Grund des Testergebnisses empfahlen sie einen ihrer Kurse zum
Ausgleich der festgestellten Schwächen. Der Grund, warum Scientology in Bern
heute nicht mehr so offensiv um Mitglieder wirbt, ist profan: Die Organisation
hat ihren Sitz von der Innenstadt in die Nähe des Eigerplatzes verlegt und ist
deswegen nicht mehr so präsent. Ausserdem sei es sehr personalintensiv,
Passanten anzusprechen, erklären die Verantwortlichen. Heute treffen Besucher in
der Stadt höchstens ab und zu auf einen Bücherstand von Scientology. Für die
Stände braucht es eine Bewilligung der Gewerbepolizei. Damit ist die Auflage
verbunden, dass Passanten nicht aggressiv angegangen werden dürfen.
em
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- Saarbrücker Zeitung,
15.05.2001
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- Scientology unter Beobachtung
- Grünes Licht für
Überwachung durch Saar-Verfassungsschutz
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- Saarlouis (wi). Das saarländische
Landesamt für Verfassungsschutz darf die "Scientology-Kirche Deutschland"
beobachten und hierbei nachrichtendienstliche Mittel einsetzen. Dies folgt aus
einem Urteil des Verwaltungsgerichts Saarlouis, dessen Begründung seit gestern
vorliegt. Darin stellen die Richter fest: Es gebe "tatsächliche Anhaltspunkte
dafür, dass Scientology teilweise Ziele vertritt, die gegen die freiheitlich
demokratische Grundordnung gerichtet sind". Auch wenn damit noch keine
abschließende Feststellung über die Verfasssungsfeindlichkeit der Organisation
getroffen werde, sei es verhältnismäßig, sie durch den Verfassungsschutz
beobachten zu lassen.
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- Scientology hatte gegen die Überwachung geklagt und
betont, dass sie als Religionsgemeinschaft unter dem Schutz von Grundgesetz und
Europäischer Menschenrechtskonvention stehe. Ob dies stimmt oder nicht, ließen
die Richter offen. Sie betonten: Auch eine Religionsgemeinschaft "muss sich -
ausgehend vom Prinzip der wehrhaften Demokratie - bei Vorliegen der gesetzlichen
Voraussetzungen einer entsprechenden Beobachtung stellen". Scientology wird
übrigens, seit einem Beschluss der deutschen Innenministerkonferenz vom 6. Juni
1997, in allen Bundesländern überwacht - bis auf Schleswig-Holstein, wo
besonders hohe Hürden für solche Maßnahmen gelten.
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- Nürnberger Zeitung,
13.05.2001
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- 250 Bürger in Kritik an Sekte vereint München:
Demonstration im Gärtnerplatzviertel
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- MÜNCHEN (epd/kna). – Heftige
Proteste von Anwohnern hat am Wochenende eine große Werbeveranstaltung der
Scientology-Organisation in München hervorgerufen.
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- Vor den von den
Scientologen angemieteten Ausstellungsräumen im citynahen Gärtnerplatzviertel
versammelten sich bei drei angemeldeten Demonstrationen jeweils rund 250
Menschen, die die Werber mit Ausdrücken wie "Verbrecher" belegten. Laut Polizei
sei es aber zu keinen Tätlichkeiten gekommen. Einzelne Protestierer seien auf
Verlangen von Scientologen erkennungsdienstlich behandelt worden, da der
Verdacht der Beleidigung bestehe, so der Einsatzleiter.
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- Die Demonstrationen
waren von einer Initiative "Vereinigung der Geschäftsleute und Bewohner des
Gärtnerplatzviertels" organisiert worden, die der auf drei Wochen terminierten
Werbeveranstaltung der Sekte von Anfang an kritisch gegenüberstanden.
"Einschüchterung, Unterdrückung und Erniedrigung von Menschen hat Deutschland
schon einmal erlebt, so etwas wollen wir nie wieder erleben", erklärte einer der
Initiatoren. Die dreiwöchige, als Drogen-Aufklärung deklarierte Veranstaltung
sei die vierte dieser Art in München binnen drei Jahren, so der Sektenexperte
der Landeskirche Rudolf Forstmeier.
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- Kein Schadenersatz
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- Das Landgericht
München I hat nahezu zeitgleich die Schadenersatzklage einer EDV-Firma gegen die
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern abgewiesen. Wie die Kirche am
Wochenende in München mitteilte, hatte die Firma EDV für Sie Efs Elektronische
Datenverarbeitung, die der Würzburger Gruppierung "Universelles Leben" (UL)
zugerechnet wird, "mindestens" eine Million Mark Schadenersatz geltend gemacht.
Dabei ging es um kritische Äußerungen des evangelischen bayerischen
Sektenbeauftragten Wolfgang Behnk über den "Christusbetrieb" Efs. Das
Landgericht wertete dies als zulässige Meinungsäußerung. Der Sektenbeauftragte
und die Zeitung hätten lediglich von einer denkbaren Gefahr gesprochen und
keinen tatsächlichen Missbrauch unterstellt. Bereits im Sommer des vergangenen
Jahres war die EDV-Firma vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof mit einer
Unterlassungsklage gegen Behnks Äußerungen gescheitert.
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- Süddeutsche Zeitung
12.05.2001, Claudia Fischer
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- "Vorsicht, schicke
Sekte"
Demonstration gegen Scientology verläuft friedlich
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- Mit einem
Pfeifkonzert und Buh-Rufen haben gestern Nachmittag rund 200 Anwohner und
Geschäftsleute aus dem Gärtnerplatzviertel ihrem Ärger über die
Scientology-Ausstellung am Reichenbachplatz Luft gemacht. Ansässige
Geschäftsleute und der Bezirksausschuss hatten die Demonstration kurzfristig
organisiert. Die Sekte war mit ihrer Ausstellung "Besser leben ohne Drogen", die
seit einer Woche im Rosipal-Haus zu sehen ist, und ihrer offensiven
Straßenwerbung bei Anwohnern und Passanten in die Kritik geraten (wir
berichteten).
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- Aufgebrachte BürgerDie Demonstranten hatten sich auf vier
Gehwegnasen des Reichenbachplatzes aufgestellt und überließen den
Scientology-Anhängern so nur noch den Platz unmittelbar vor dem Rosipal-Haus.
Während die aufgebrachten Bürger mit Trillerpfeifen, Sirenen und allen Arten von
klappernden Instrumenten für ohrenbetäubenden Lärm sorgten, trugen die
Sektenmitglieder offenkundig gute Laune zur Schau: Sie spielten lauten Rock ’n’
Roll vor dem Eingang zu den Ausstellungsräumen und tanzten dazu, umzingelt von
Anhängern der Gegenseite, die vermehrt auch den Platz vor der Ausstellung
eroberten.
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- Auch Schlagerikone Petra Perle beteiligte sich an dem Protest und
hielt ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht, schicke In-Sekte" hoch. Eine
Demonstrantin, als Pappkarton verkleidet, trug die Aufschrift "Wachsamkeit,
Preis der Freiheit" zur Schau. Die Organisatoren der Demonstration, die
Geschäftsleute Herta Rauch, Ralf Richter und George Bissinger, zeigten sich
erfreut über den regen Zulauf: "Alle ansässigen Geschäftsleute sind gekommen!"
Aus Sicht der Polizei verlief die Demonstration friedlich und ohne
Zwischenfälle. Sieben Beamten waren im Einsatz.
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- Süddeutsche Zeitung 11.05.2001, Claudia
Fischer
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- Unerwünschte Jünger
- Geschäftsleute protestieren gegen
die Scientology-Ausstellung am Reichenbachplatz
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- Eine freundliche Szene am
Reichenbachplatz vor der Buttermelcherstraße 1: Drei mit Anzügen bekleidete
Herren verteilen Rosen an die Damen, blaue Luftballons an die Kinder. Freundlich
wünschen sie Vorbeigehenden einen schönen Tag. Die junge Mutter, die mit ihrem
Kinderwagen stehengeblieben ist und lautstark mit einer gepflegten Dame im
dunklen Kostüm diskutiert, wirkt nicht so, als sei sie in umgänglicher Stimmung.
"Ich will nicht, dass Sie Kinder ansprechen und ihnen Luftballons in die Hand
drücken! Ich habe gesehen, dass das vorgekommen ist." Die Angesprochene, es
handelt sich um Sabine Weber, Vizepräsidentin der Scientology Kirche
Deutschland, hat volles Verständnis: "Ich werde dafür sorgen, dass es nicht
wieder vorkommt," verspricht sie.
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- Anja Schultes ist die Einzige, die an
diesem sonnigen Donnerstagvormittag ihrem Ärger über die umstrittene
Scientology-Ausstellung "Besser leben ohne Drogen" im Rosipal-Haus am
Reichenbachplatz so deutlich Luft macht. Andere Passanten grummeln eher im
Verborgenen. Gerd Richter, der gerade vor der Bushaltestelle gegenüber steht,
findet die Ausstellung lediglich nicht sehr gut, weil seiner Ansicht nach die
Scientology- Organisation selbst das ist, wogegen sie hier wettert: eine Droge.
Streitbarer äußert sich da schon eine weitere Mutter mit kleinem Kind aus dem
Gärtnerplatzviertel: "Ich finde es unmöglich, dass die die Kinder mit
Luftballons und Rosen ködern!" Juliana Previcz, ebenfalls eine
Gärtnerplatzanwohnerin, ist sich sicher, dass sie, wenn sie ein Kind hätte,
diesem keinen Scientology-Luftballon besorgen würde. Auch Olga Meier hat sich
aus Prinzip keine Rose geben lassen. Sie weiß gar nicht, "wieso die überhaupt
die Genehmigung haben, auf der Straße so etwas zu verteilen."
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- Die
Geschäftsleute am Reichenbachplatz sind nicht amüsiert ob der Umtriebe, die vor
ihrer Haustür stattfinden. Gemeinsam mit dem Bezirksausschuss haben sie eine
Gegendemonstration initiiert, die heute um 14 Uhr am Reichenbachplatz
stattfinden wird. Herta Rauch, seit 27 Jahren mit ihrer Änderungsschneiderei
hier ansässig, hat in ihrem Laden stapelweise kopierte Zettel mit dem Aufruf zur
Gegendemonstration ausgelegt. Johanna Wallner-Wiener vom "Cafe Wiener" in der
Reichenbachstraße hat schon ihre eigenen Erfahrungen gemacht mit Scientology:
"Wir sind von denen schon durchs Fenster fotografiert worden," erzählt sie.
Josef Sattler, Geschäftsführer und Inhaber des Restaurants "Deutsche Eiche" in
der Reichenbachstraße hätte, wäre es nach ihm gegangen, nicht so viel Wind um
die ganze Sache gemacht. "So wie das jetzt aufgebauscht wurde, ist es doch für
Scientology ein einziger großer PR-Gag !"
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- Süddeutsche Zeitung, 3.5.2001, kast
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- Wirbel um
Scientology-Ausstellung
Der Aufwand für die Kampagne ist enorm: Mit einer
eigenen Ausstellung unter dem Titel "Was ist Scientology?" wirbt die umstrittene
Organisation für ihre Ziele und, als Schwerpunkt, ihren Weg der
Drogenbekämpfung. 25 Tonnen Material wurden für die Schau angekarrt, die morgen
um 13.30 Uhr auf 800 Quadratmetern Fläche in einem Auktionshaus am
Reichenbachplatz 11 im Beisein der Hollywood-Schauspielerin Anne Archer ("Eine
verhängnisvolle Affäre") eröffnet wird. Bis zum 18. Mai wird die Ausstellung in
München bleiben; zuvor war sie in Stuttgart, wo sie Scientology-Angaben zufolge
rund 12'000 Besucher gesehen haben sollen.
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- Einigen Wirbel gibt es um die
englische Band "Jive Aces", die die Kampagne quer durch Europa begleitet und
auch zur Ausstellungseröffnung in München spielen wird. Für die nächsten zwei
Wochen hat die Band sieben weitere Auftritte gebucht – allerdings wüssten die
meisten Club-Betreiber wohl nicht, wer da bei ihnen auf die Bühne wolle, wie
"Jazzbar Vogler"-Wirt Thomas Vogler klagt. Zwar werben "Jive Aces" auf ihrer
Homepage offen für die so genannte "Church of Scientology International", an den
Bewerbungsunterlagen für die Club-Betreiber lasse sich die Verbindung aber gar
nicht erkennen. "Da kommt Scientology nicht vor." Vogler hat deshalb seine
Kollegen per E-Mail informiert, "denn es ist das gute Recht eines jeden zu
erfahren, dass man mit dem Besuch eines Konzerts nicht nur den Club und die
Band, sondern in diesem Fall Scientology unterstützt".
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- Neue Ruhr Zeitung, 02.05.2001, Susanne Storck
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- Wenn die
Firma wie eine Sekte wirkt
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- "Gehört diese Firma zu Scientology?" Diese
Frage bekamen die Berater des Sekten-Info in 2000 oft gestellt. Auffällig sei
die Zunahme der Anfragen (insgesamt 112) zu Unternehmen, die lukrative
Nebenverdienste oder Vollzeitjobs anbieten. Das Sekten-Info macht deshalb
erstmals in seinem Jahrebericht auf die Arbeit von Firmen aufmerksam, die mit
schnellem Reichtum durch Nebenjobs locken.
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- Meist sei dem Anruf beim
Sekten-Info ein Vorstellungsgespräch oder die Teilnahme an einem Seminar in der
Firma vorausgegangen, was bei den Betroffenen Verwunderung und Verunsicherung
ausgelöst habe, so Sekten-Info-Chefin Heide-Marie Cammans. "Zum Beispiel fällt
in der Regel ein uniformiert wirkender Kleidungsstil der Mitarbeiter auf" und
deren "merkwürdig einheitliches Verhalten". Eine Bewerberin habe in ihrer
Schilderung von "Inszenierung" gesprochen. Und "manchmal sind die Anrufer wütend
darüber, wie aggressiv der Traum vom schnellen Reichtum und Erfolg suggeriert
wurde", berichtet Heide-Marie Cammans, die bei ihrem Besuch einer Essener Firma
(Strukturvertrieb) im vergangenen Jahr "sektoide Züge"
feststellte.
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- Heide-Marie Cammans verweist auf die Enquetekommission des
Deutschen Bundestages, die sich 1996 bis 1998 mit den Gebaren von
Strukturvertrieben befasst hat. Während für seriöse Franchise-Unternehmen
Lizenzverträge mit klaren rechtlichen Vereinbarungen, überschaubare
Betriebsformen und Arbeitsweisen charakteristisch seien, fielen
Strukturvertriebe durch Unübersichtlichkeit, fehlenden Vertragsschutz und hohes
finanzielles Risiko für die Mitarbeiter auf.
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- Firmeneigene Schulungen
vergleicht Cammans mit "Power-Seminaren des ,Positiven Denkens´". Es gelte die
Formel: durch positives Denken eine erfolgreiche Wirklichkeit schaffen". Etwa
mit Hilfe von Schneeball-Gewinnspielen, durch die hierarchisch gestufte
Verkäuferketten entstehen. Die Einbindung in die neue Firma und die Einschwörung
auf deren Ideologie ließe den Mitarbeiter oft gar keine Freizeit mehr. "Der
Betrieb kann zur Ersatzfamilie werden", sagt Heide-Marie Cammans. "Da keine
Gelegenheit ausgelassen werden darf, um Produkte zu verkaufen und neue
Mitarbeiter zu gewinnen, wird das soziale Umfeld über alle Gebühr strapaziert."
Schleichende Isolation des Mitarbeiters kann die Folge sein. Bei der Beurteilung
der Führung eines Strukturvertriebs geht es um die Frage der Manipulation, "die
schwer zu definieren ist".
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- Esslinger Zeitung,
25.04.2001
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- Ebis warnt vor Scientology
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- Unter der Schlagzeile
"Ein drogenfreies Leben" verteilt die Scientology-Sekte derzeit an Haushalte in
Nürtingen und Umgebung Einladungen zu einer Ausstellung in Stuttgart. Die
Eltern-Betroffenen-Initiative Ebis warnt vor einem Besuch der Ausstellung dieser
Sekte. Die Ausstellung diene vorgeblich dem Kampf gegen Drogen, unter diesem
Deckmantel solle aber insbesondere die Zugangsschwelle zur gefährlichen
Scientology-Sekte gemindert werden, teilt die Ebis mit. Seit vielen Jahren
verbinde die Sekte ihre so genannte "Anti-Drogen-Kampagne" mit offensiver
Mitgliederwerbung. Über die Gefährlichkeit der Scientology-Sekte informiert die
Vorsitzende der Ebis, Liselotte Wenzelburger-Mack aus Großbettlingen, 0 70 22 /
4 24 11, + Fax 0 70 22 / 4 75 59.
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- St. Galler
Tagblatt AG, 24.4.2001, Jolanda Spirig
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- «Multikulti» in
Glaubensdingen
- Zahlreiche religiöse Gruppierungen profitieren von einem Klima
vermeintlicher Religionstoleranz
-
- Freikirchen haben in Altstätten einen
grosszügigen Jugendtreff eröffnet. Die Warnungen der Sektenkritikerin Elsbeth
Bates und des Beauftragten für neureligiöse Bewegungen, Joachim Müller,
provozierten empörte Leserbriefe. Missioniert werde in allen Lebensbereichen,
meinte Urs Noser, der Diakon der evangelischen Kirchgemeinde Altstätten. Was im
Jugendtreff Genesis ablaufe, sei nicht bedrohlicher als in der Politik, wo auch
missioniert werde. Inzwischen organisieren die evangelische Kirchgemeinde und
Genesis gemeinsame Anlässe. Der Sektenspezialist Hugo Stamm äussert sich über
die Hintergründe dieser neuen Entwicklungen.
-
- Hugo Stamm, ist die Zeit der
Aufklärung vorbei ?
-
- Hugo Stamm
: Ja, eine Gegenbewegung ist im Gang. Nach
den Sonnentempler-Dramen, den Anschlägen der Aum-Sekte, der Kampagne gegen
Scientology haben viele Gruppen heftig zurückgeschlagen. Ausserdem hat eine
gewisse Übersättigung in der Öffentlichkeit zu einer indifferenten Haltung
geführt. Die meisten Gruppierung haben nun mehr Freiraum. Sie haben sich
angepasst und nach aussen hin die Angriffsfläche verkleinert, gleichzeitig aber
den mentalen Druck auf ihre Mitglieder beibehalten. Dieses Klima vermeintlicher
Religionstoleranz führt letztlich zu einer Akzeptanz extremer
Heilsvorstellungen. Es ist eine Art Schonraum entstanden, der auch damit zu tun
hat, dass der Staatsschutzbericht im Bereich Sekten sehr large ausgefallen
ist.
-
- Sind nach der Jahrtausendwende zumindest die Endzeitszenarien vom
Tisch ?
-
- Stamm
: Die Entwarnung findet nur in der öffentlichen Wahrnehmung
statt; innerhalb der meisten Gruppierungen grassiert das Endzeitfieber nach wie
vor. Es gibt rund tausend vereinnahmende Sekten, Kulte und Sondergemeinschaften,
von denen viele Endzeitvorstellungen haben. Mit Ausnahme von Uriella nennen sie
aber keine konkreten Daten. Sowohl christliche Fundamentalisten wie Esoteriker
sprechen von heiklen Phasen, geben sich aber nach aussen hin
zurückhaltend.
-
- Sie betreiben seit 1974 Aufklärungsarbeit. Was haben Sie
erreicht ?
-
- Stamm
: Ich brauche einen grossen Teil meiner Arbeitszeit für
Beratungen. Im individuellen Bereich ist der Erfolg gelegentlich messbar, und im
Öffentlichkeitsbereich hat es eine Zeitlang sehr gut ausgesehen. Mitte der
90er-Jahre war die Sensibilisierung deutlich spürbar. Diese ist in den letzten
zwei Jahren einer gewissen Gleichgültigkeit gewichen. Dennoch ist der
Informationsstand in der Bevölkerung wesentlich besser als früher. Angehörige
erkennen heute rascher, wenn jemand aus der Familie in eine Gruppierung
abzurutschen droht. Leider sind im politischen Bereich klare Rückschritte zu
verzeichnen.
-
- Was hatten Sie sich von der Politik erhofft
?
-
- Stamm
:
Ich bin gegen jede Form von Verboten, hatte mir aber erhofft, dass
Politikerinnen und Politiker den Mut aufbrächten, die Aufklärungsarbeit mit
klaren Signalen zu fördern. Doch sie haben weder vor vereinnahmenden
Gruppierungen gewarnt, noch haben sie Öffentlichkeitskampagnen und
Beratungsstellen unterstützt.
-
- Wer aufklärt, bekommt eine Menge Ärger.
Welchen Preis zahlen Sie für Ihr Engagement ?
-
- Stamm
: Viel Arbeit, laufend
Strafanzeigen, Klagen, Eingaben beim Presserat, Repressionen, Anfeindungen. Es
ist eine Frage der Gewohnheit und der Energie. Die Gruppierungen haben alles
probiert, um mich zu bremsen und mundtot zu machen, aber ich habe nicht im Sinn,
diesem Druck nachzugeben. Öffentliche Sensibilisierung ist weiterhin nötig,
gerade jetzt in dieser Phase der «Multikulti»-Toleranz gegenüber extremen
Heilsvorstellungen.
-
- Hat sich Ihre Einschätzung der totalitären Gruppen im
Laufe der Zeit verändert ?
-
- Stamm
: Ich sehe heute vermehrt, dass alle
Mitglieder selber Opfer der Bewusst- seinskontrolle sind. Das hat mich etwas
milder gestimmt. Für die Betroffenen schätze ich die Gefahr der Indoktrination
nach wie vor gleich ein. Kein Pardon kenne ich jedoch gegenüber dem System, den
Tätern, den Gurus, Sektenführern und Gründern.
-
- Sektenkritikern wird
zuweilen vorgeworfen, sie verfolgten gewisse Glaubensgemeinschaften mit
demselben Fanatismus, den sie innerhalb dieser Gemeinschaften anprangern. Was
sagen Sie zu diesem Vorwurf ?
-
- Stamm
: Wenn man sich in einem extremen Feld
bewegt, besteht durchaus die Gefahr einer gewissen Betriebsblindheit. Ich selbst
bemühe mich seit vielen Jahren um sachliche, professionelle Distanz zum Thema,
was nicht heisst, dass ich in meinen Vorträgen nicht Klartext rede. Ich könnte
diese Arbeit nicht auf seriöse Art machen, wenn ich emotional verstrickt wäre.
Ausserdem habe ich sämtliche Klagen und Anzeigen schadlos überstanden, was
beweist, dass meine Arbeit sachlichen Kriterien standhält.
-
- Was suchen die
Menschen, wenn sie totalitären Gruppen beitreten ?
-
- Stamm
: Sie suchen in
erster Linie Geborgenheit, Sicherheit, sozialen Anschluss und ein Rezept gegen
Todesängste. Totalitäre Gruppierungen sind eine scheinbare Versicherung gegen
sämtliche Probleme, die es in diesem und in einem allfälligen nächsten Leben
geben soll. Verzweifelte Menschen sehen darin einen Rettungsanker.
-
- Was
machen vereinnahmende Gruppierungen mit diesen Menschen ?
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- Stamm
: Es geht
in erster Linie darum, die eigene Individualität und den kritischen Verstand
abzugeben und die eigenen Interessen den kollektiven Bedürfnissen unterzuordnen.
Ziel ist ein uniformes Denken, totale Verfügbarkeit und kritiklose Akzeptanz der
Führungspersonen.
-
- Wie soll man reagieren, wenn Angehörige, Freunde oder
Freundinnen plötzlich in totalitären Gruppen verkehren ?
-
- Stamm
: Das
Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und sie keinem moralischen Druck auszusetzen.
Sonst fühlen sich diese Menschen gezwungen, die Gruppe zu verteidigen. Sie
übernehmen ihre Argumente und verstärken damit ihre Autosuggestion. Es gibt
nichts anderes, als sich rasch über die Gruppe zu informieren und mit Hilfe von
Fachkräften eine Strategie zu entwickeln. Die Erfahrungen zeigen, dass man es
meist zu spät bemerkt. Nach mehreren Wochen oder Monaten ist die
Bewusstseinskontrolle bereits so weit fortgeschritten, dass man kurzfristig
nichts mehr ausrichten kann. Von daher ist Aufklärung so wichtig.
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