- Neue Zürcher
Zeitung, 18.1.2002, Hans-Peter Bartels
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- Sekten, Terroristen und das
Religionsprivileg
Härteres Vorgehen gegen den Missbrauch der
Religionsfreiheit
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- Im Kampf um eine verstärkte innere Sicherheit ist in
Deutschland auch das Vereinsgesetz abgeändert worden. Dabei handelt es sich nur
um eine winzige Änderung - aber diese Revision ist gleichsam der Kern des
deutschen Sicherheitspakets gegen den Terror. Der Paragraph 3, der das
sogenannte Religionsprivileg umschrieb, wurde ganz einfach gestrichen. Er hatte
bisher festgestellt, dass «Religionsgemeinschaften, die sich die
gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen», keine Vereine
im Sinne des Vereinsgesetzes seien, also auch nicht verboten werden
könnten.
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- Mehrfache Gefahrenmomente
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- Tatsächlich schützte im deutschen
Rechtsstaat dieser quasi rechtsfreie Raum vor allem konfliktträchtige Sekten vor
der Intervention des Staates. Selbst wenn elementare Grundrechte der eigenen
Anhänger - Gesundheit und Leben, Willensfreiheit, Familie oder Eigentum - durch
eine sektiererische Organisation unter dem Deckmantel der Religionsausübung
verletzt werden, blieb die Organisation bisher unantastbar. Das soll sich nun
ändern, weil zu den herkömmlich bekannten Gefahren, die von Psycho-Vereinigungen
wie «Scientology» oder VPM und Weltuntergangssekten wie «Fiat Lux» oder
«Metharia» ausgehen, ein neuer Gefahrenkomplex ins öffentliche Bewusstsein
getreten ist, der fundamentalistisch-islamistische Terror gegen sogenannt
Ungläubige.
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- Islamischer Extremismus, das war in Deutschland bis zum 11.
September letzten Jahres ein Spezialthema für Orientexperten beim
Verfassungsschutz. In den offiziellen Sektenberichten und -drucksachen des
Bundes und der Länder tauchte dieser Sektenimport gar nicht erst auf, weil sich
niemand damit auskannte. Dabei müsste solch ein fundamentalistischer Rahmen, wo
Religion und Politik, Ökonomie und Heilkunde in eins fallen, den Sektenexperten
durchaus vertraut vorkommen. Die Änderung des Vereinsrechtes stellt jetzt noch
einmal den Zusammenhang her. Islamisten in ihren zahllosen, aggressiven,
einander ausschliessenden und bekämpfenden Gruppen und Splitterorganisationen
sind nicht selten gefährliche Sektierer, wie andere auch. - Menschen können sich
und anderen Schreckliches antun, weil innerhalb ihrer Sekte radikal andere
Regeln gelten als ausserhalb. Die Gruppe kapselt sich und ihre Aktivitäten
weitgehend von der Umwelt ab. Sie löst ihre Anhänger aus deren sozialen
Beziehungen und bindet sie immer stärker an die Gruppe. Das Heilsversprechen der
Lehre des Meisters wird mit einem exklusiven Absolutheitsanspruch vertreten, die
Anhänger gehören zur Menschheitselite. Gruppendruck, gegenseitige Kontrolle,
Streben nach der Beherrschung der Gedanken, eine gruppenspezifische Sprache und
eine autoritäre Führung zeichnen oft das schon im Kleinen verwirklichte «wahre»
Denken der Gemeinschaft aus. Gegenüber der pluralistischen Gesellschaft werden
Verschwörungstheorien bis hin zum Verfolgungswahn gepflegt. Abtrünnige sind
Todfeinde.
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- Der Terror beginnt stets im Kopf
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- Auf diese totalitäre Weise
waren auch die Bolschewisten und ihre Epigonen weltweit organisiert; das
Sektiererische der Nazi-Ideologie und des Nazi-Kults ist oft beschrieben worden.
Nicht immer aber erkennt man auf den ersten Blick die äussere Sektenstruktur.
Manche Kinder in Gaza werden in fanatische Terrorgruppen hineingeboren, mit
sechs Jahren tragen sie Bombenattrappen am Körper. Und der Hamburger Student
Mohammad Atta, einer der Al-Kaida-Piloten von New York, muss für das, was er
tat, einer Gehirnwäsche unterzogen worden sein. Der Terror beginnt stets im
Kopf, und meist im Kopf von Sektierern, die bei allem, was sie geographisch,
historisch und ideologisch trennt, einig sind im mehr oder weniger
bedingungslosen Kampf gegen Pluralismus und Freiheit.
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- Das Weltbild dieser
Terroristen ist hermetisch, sie fühlen sich als Übermenschen. Aber da sie
Menschen sind, kann man sie besiegen. Mit Inkrafttreten der neuen Regelung des
deutschen Vereinsrechts, also der Abschaffung des Religionsprivilegs, ist das
Innenministerium sofort aktiv geworden. Es hat die bundesweit operierende
«Kalifatsstaat»-Sekte des «Kalifen von Köln» verboten. Der «Kalif» selbst, Metin
Kaplan, sitzt gegenwärtig eine vierjährige Haftstrafe ab, wegen Aufrufes zum
Mord.
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- *
Der Autor ist SPD-Bundestagsabgeordneter. Von 1995 bis 1998 war er
Sektenbeauftragter in Schleswig-Holstein.
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- Süddeutsche Zeitung, 18.1.2002, Thomas Münster
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- Kampagne
als Lockmittel
Sucht-Experten: Scientology-Schau nur
Selbstdarstellung
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- Mit äußerster Skepsis sieht man bei der
Suchthilfekoordination der Stadt der Scientology-Wanderschau entgegen, die heute
um 13 Uhr in der Luisenstraße 51-53 eröffnet wird. Thema der Ausstellung auf
1000 Quadratmetern Fläche: die „Anti-Drogen-Kampagne“ der Scientologen. Sie sei
die bislang größte ihrer Art, heißt es im Pressetext der umstrittenen
Organisation. Eröffnungsredner ist ein Drogenfahnder von Scotland Yard.
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- Doch
schon dieser Ansatz macht den Diplompädagogen Michael Lubinski und seinen
Kollegen, den Diplompsychologen Axel Seifert, stutzig. Sie betreuen und steuern
mehr als 50 Suchthilfe-Initiativen und -Institutionen. Auch die beiden
vorangegangenen Anti-Drogen-Shows von Scientology, am Hauptbahnhof und im
vorigen Jahr die im Gärtnerplatz-Viertel, haben sie schon beobachtet. Wenn die
jetzige, mit 25 Tonnen Material ausgestattete und von so genannten „Beratern“
betreute Schau nun von einem Drogenfahnder aus England eröffnet werde, zeige
dies, dass es den Veranstaltern „in erster Linie um Selbstdarstellung geht“.
Schließlich handelt es sich aber bei den Organisatoren um Mitglieder einer
Sekte, die bekannt dafür ist, dass sie mit allen erdenklichen Mitteln auf
„Kundenfang“ ist. So vermuten auch jetzt Fachleute aus der Drogenberatung und
dem Sektenwesen, dass die Anti-Drogen- Kampagne der Scientologen vornehmlich ein
groß angelegter Werbe-Zug ist, mit einem Thema, bei dem man sowohl Jugendliche
als auch deren Eltern auf breiter Front als Interessenten gewinnen kann. Das
Suchtmittel Heroin solle als Lockmittel Eltern und sonstige Betroffene
„neugierig machen auf das, was Scientology zu bieten hat“. Das Reizwort
„Anti-Drogen-Kampagne“ vertiefe zudem das Missverständnis, man könne
Suchtprobleme über die Abschaffung von Drogen und mit der Jagd auf Dealer aus
der Gesellschaft beseitigen – „aus einer Gesellschaft, die voller Drogen und
Sucht steckt und in der neben den illegalen Rauschmitteln ein Riesenangebot von
überall verfügbaren legalen Suchtmitteln vorhanden ist“.
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- Statt sich also mit
Drogenproblemen an die Scientologen zu wenden, gelte es vielmehr, das
Suchtverhalten selbst durch ein Bündel von geprüften Maßnahmen anzugehen. Dazu
seien „zuverlässige Standards der Sucht-Prävention erforderlich“. Einer fachlich
fundierten Kontrolle dieser Standards aber habe sich Scientology stets
entzogen.
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- Die Welt, 10.1.2002,
mk
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- Bezirksamt Mitte geht gegen Ausstellung von Scientology vor
Nur zum Teil erfolgreich war das Bezirksamt bei der Verhinderung
eines von Scientology durchgeführten Feuerwerks im Park am Dienstagabend
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- Mit
einer Reihe von Aktionen bemüht sich das Bezirksamt Mitte derzeit massiv,
öffentlichkeitswirksame Maßnahmen von Scientology zu unterbinden. Diese stehen
mit der Ausstellung "Was ist Scientology?" im Zusammenhang, die die Sekte
derzeit im Café Seeterrassen in Planten un Blomen zeigt (DIE WELT
berichtete).
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- So gelang es dem Bauamt des Bezirks, kurzfristig eine für
Mittwochmittag geplante Demonstration in der Mönckebergstraße zu verhindern. Die
Sekte wollte eine Band auftreten lassen. Das wurde untersagt. Ebenso konnte die
Beleuchtung eines Plakates an der St. Petersburger Straße, das Besucher in die
Ausstellung locken soll, untersagt werden. "Da waren eine Reihe von Kabeln
unsachgemäß und sicherheitsgefährdend verlegt worden. Diese haben wir
sichergestellt", erklärte Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamtes
Mitte.
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- Weniger erfolgreich war das Amt mit dem Versuch, das Plakat ganz zu
untersagen: "Der Pachtvertrag des Café-Betreibers gestattet es ihm, auf dieser
Plakatwand auf Veranstaltungen seines Hauses hinzuweisen. Wir hatten keine
rechtliche Handhabe, ihm das zu verbieten", so Weiland.
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- Der Pächter, Felix
Thiede, hatte erklärt, dass es sich bei der Ausstellung um eine reguläre
Anmietung seiner Räumlichkeiten handele. Schließlich sei Scientology keine
verbotene Organisation. Inzwischen räumte er aber ein, das Café an die Sekte
nicht noch einmal vermieten zu wollen.
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- Das Bezirksamt erarbeitet derzeit
einen Ausschlusskatalog, der das dem Betreiber im Pachtvertrag zugesicherte
Nutzungsrecht einschränken und konkretisieren soll. Bisher hieß es lediglich,
dass die Nutzungen des Gebäudes mit dem Ansehen des Parks vereinbar sein
müssen.
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- Nur zum Teil erfolgreich war das Bezirksamt bei der Verhinderung
eines von Scientology durchgeführten Feuerwerks im Park am Dienstagabend. "Trotz
eines Abbrennverbots wurde es gezündet", erklärte Sorina Weiland. Auch für den
Mittwochabend hatten die Veranstalter ein Feuerwerk geplant. Das wollte das
Bezirksamt mit einem größeren Aufgebot an Kräften verhindern. Das Ergebnis war
bei Redaktionsschluss nicht bekannt.
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- Ostsee Zeitung,
10.1.2002, Marcus Stöcklin
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- Kirche warnt vor einem Buch mit frommen
Sprüchen
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- Prominente wie Cliff Richard, Paulo Sergio oder
Bernhard Langer werben für das Buch „Kraft zum Leben“. Die kostenträchtige
Werbekampagne sorgt in Deutschland für Aufsehen. Die Kirche warnt
davor.
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- Rostock (OZ) Mein Gott, muss das ein Geld kosten! Diese gigantische
Werbekampagne. Plakate in ganz Deutschland, ganzseitige Zeitungsanzeigen, eine
Telefon-Hotline. Wofür? Um ein Buch mit unscheinbarem, blauen Einband
loszuwerden, mit dem Titel: „Kraft zum Leben“. Und das auch noch gratis.
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- Der
Sänger Cliff Richard wirbt dafür. Der Fußballprofi Paulo Sergio. Der Golfprofi
Bernhard Langer. Der Prinz von Preußen. Gut, es gibt prominentere Promis. Aber
immerhin. Und was sie versprechen: „Die Botschaft in diesem Gratis-Buch könnte
ihr Leben retten“, behauptet etwa Cliff Richard.
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- Schön – es geht
offensichtlich um Religion, um Glauben. Eine Art von Mission. „Cliff Richard und
diese Leute haben sich schon öfter zu ihrem Christentum bekannt“, weiß Friedrich
von Kymmel, Sektenbeauftragter der Pommerschen Kirche. „Warum auch nicht? Die
müssen ja nicht immer alle für Nudeln werben.“
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- Dennoch bleiben zwei Fragen:
Wer zahlt das alles ? Und vor allem: Warum?
Die erste Frage ist schnell
beantwortet: Hinter der massiven Kampagne steht die Arthur DeMoss-Stiftung in
Florida. „DeMoss war ein amerikanischer Multimillionär“, ist bei der
„Kraft-zum-Leben-Hotline zu erfahren. „Er hat diese gemeinnützige, christliche
Stiftung gegründet. Dann ist er gestorben, und seine Frau führt es nun weiter.“
Die zweite Frage, nach dem warum, ist schwieriger. Einfach nur aus christlicher
Nächstenliebe ? „Ja“, behauptet das Fräulein von der DeMoss-Hotline. „Eher
nicht“, vermutet die Kirche. Sogar der Verfassungsschutz beschäftigt sich mit
dem Buch. Der bisherige Kenntnisstand: Das Werk selbst sei harmlos. Fromme
Lebensweisheiten, 1983 aufgeschrieben von einem amerikanischen Prediger. „Es
gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Scientology oder eine andere Sekte
dahintersteht“, so ein Schweriner Verfassungsschützer gestern.
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- Die
evangelische Kirche ist da anderer Ansicht. „Die DeMoss-Leute haben Verbindung
zu extremistischen Gruppen“, sagt Thomas Gandow, Pfarrer in Potsdam und
Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. „Sie fördern
beispielsweise den US-Prediger Jerry Falwell, und der pflegt Kontakt zur
koreanischen Moon-Sekte.“ Deren Gründer, erklärt Gandow, halte sich selbst für
Gott. Und Falwell führe einen fragwürdigen Feldzug gegen Homosexuelle,
Abtreibung und Sex vor der Ehe. Gandow: „DeMoss unterstützt solche Kampagnen
finanziell.“ Sprecher Falwells ist ein DeMoss-Sohn.
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- Gandow findet es seltsam,
dass sich in „Kraft zum Leben“ – das auf deutsch übrigens bislang nicht
lieferbar ist – keinerlei Verweis auf DeMoss findet. Der Sektenkenner: „Der
Werbeeffekt ist dadurch umso größer. Jeder will nun erst recht herauskriegen,
wer oder was dahinter steht.“ Hinzu komme das Medienecho. „Alles so geplant“,
vermutet Gandow. „Die Stiftung will in Deutschland Fuß fassen, Einfluss nehmen.
Das Buch ist nur der erste Schritt.“
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- Das fürchten wohl auch die
Medienwächter. Im Fernsehen sollen die DeMoss-Spots nun wieder eingestellt
werden. Religiöse und weltanschauliche Werbung verstoße gegen den
Rundfunkstaatsvertrag, so die Begründung.
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2001
- Manager-Magazin,
9.1.2002, Karsten Schmidt
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- Neue Heilsbringer
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- Seit
Wochen wirbt eine dubiose Gruppierung mit abgehalfterten Prominenten bundesweit
für eine pseudoreligiöse Broschüre. Der TV-Spot wurde jetzt verboten. Wer steckt
hinter dem sündhaft teuren Werbefeldzug ?
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- Die Erleuchtung ist nah. Sie wartet
auf den Anrufer der kostenpflichtigen Telefonnummer 01803-33 33 55 (neun Cent
pro Minute) oder unter www.kraftzumleben.de. Auch dort können Heilssuchende ein
Gratisexemplar der Broschüre bestellen, die ein erfüllteres Leben verspricht.
Aktuelle Lieferzeit: vier bis sechs Wochen, Tendenz steigend - die Nachfrage ist
groß. Gegenleistungen werden nicht erwartet. Spenden seien weder erwünscht noch
werden sie akzeptiert, erfährt der Interessierte online. Die Website der neuen
Heilsbringer ist aber nur ein Kanal der bundesweiten PR-Kampagne.
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- Der
Werbefeldzug überzieht gegenwärtig die ganze Republik und soll nach Schätzungen
von Branchenkennern einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Abgeklärt
wirkende Prominente wie der Golfprofi Bernhard Langer oder Cliff Richard grinsen
gelbstichig von Plakatwänden und verkünden ihre Botschaft via TV. Auch dabei:
Andrea Zangemeister, Chefredakteurin der Illustrierten "Bild der Frau" (Axel
Springer Verlag) und Philip Prinz von Preußen, seines Zeichens Ururenkel von
Kaiser Wilhelm II.
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- Für wen geworben wird, bleibt unklar. Der Verfasser des
offerierten Gratis-Exemplars bleibt im Verborgenen. Um eine
Scientologen-Broschüre handelt es sich nicht, auch wenn die Aufmachung der
Kampagne an die international operierende Sekte erinnert.
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- Philantrophische
Gesellschaft ?
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- Für die Unversehrtheit der persönlichen Daten zeichnet auf der
Website die Arthur S. DeMoss-Foundation verantwortlich. Die aber ist in
Deutschland nicht eingetragen. In Amerika dagegen ist die Stiftung wesentlich
bekannter. Die nach eigenen Aussagen "philantrophische Gesellschaft" wirbt in
den USA schon seit den 70er Jahren für den christlichen Glauben. Das Ziel sei zu
zeigen, wie man Gott auf eine persönliche Art kennen lernen kann, heißt es in
einer kurzen Pressenotiz.
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- Grundsätzlich gibt sich die Stiftung äußerst
öffentlichkeitscheu. Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" kam der Gründer
Arthur S. DeMoss durch sein Versicherungsunternehmen National Liberty Life
Insurance zu einem beträchtlichen Vermögen. Seit seinem Tod 1979 leitet seine
Frau die Stiftung, die bereits 1955 gegründet wurde.
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- Verstoß gegen Verbot
"ideeller" Werbung
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- Unterdessen hat die Interessenvertretung der
Landesmedienanstalten den Fernsehspot für das 134-seitige Buch verboten. Der
Vorsitzende der Gemeinsamen Stelle Werbung, Recht, Europa und Verwaltung,
Wolfgang Thaenert, sagte am Dienstag, den zuständigen Medienaufsichtsbehörden
sei empfohlen worden, die weitere Ausstrahlung zu unterbinden. Nach Ansicht der
Medienwächter handelt es sich bei dem "Kraft zum Leben"-Filmchen um eine
Missionierungskampagne. Und dergleichen verstößt hierzulande gegen das
gesetzliche Verbot "ideeller" Werbung.
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- Auch die Kirche macht Front gegen die
Kampagne. Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg,
Thomas Gandow, sprach am Dienstag von dem "Versuch, eine Art von amerikanischer
Religionskultur hier in Deutschland zu etablieren". Gandow wies darauf hin, dass
die DeMoss-Stiftung zu den religiösen Rechten in den USA gehöre und solche
Organisationen unterstütze.
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- Gegen Schwule und Abtreibung
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- In den USA
erregte die religiöse Stiftung des ehemaligen Versicherungsvertreters 1993 mit
einer 20 Millionen Dollar teuren TV-Kampagne gegen Abtreibung für Aufsehen. Ihre
Ansichten zur Homosexualität und Abtreibung gelten generell als radikal. So
zählt zu ihren bevorzugten Nutznießern das "Amerikanische Zentrum für Ordnung
und Recht", das unter anderem gegen Schwulen-Ehen kämpft und Schulprediger
fördert.
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- Der Widerstand von Medien und Kirche wird die christlichen
Fundamentlisten nicht anfechten. Denn angesichts eines Vermögens von rund 450
Millionen Dollar zahlt die Stiftung die sündhaft teure Werbkampagne in
Deutschland sicherlich aus der Portokasse.
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- Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 9.1.2002, Uta Rasche, William Pratt
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- Schlichter Titel,
schlichtes Werk
"Kraft zum Leben": Ein Patentrezept zum Glauben in vier
Schritten
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- FRANKFURT, 9. Januar. Das Buch ist ungefährlich, aber offenbar
begehrt wie unentgeltliche Porno-Hefte. Anrufer, die die 134 Seiten umfassende
Publikation über eine kostenpflichtige Telefonnummer bei einem Callcenter in
Norddeutschland bestellen wollen, müssen vier bis acht Wochen warten, bis sie
den Text in Händen halten. Die Werbung in Zeitschriften, im Fernsehen und auf
Plakatwänden verspricht, daß das Buch ihr Leben ändert: "Kraft zum Leben"
verheißt der Titel des Werkes, das sich als eine Anleitung zum christlichen
Glauben versteht. Passend zu den guten Vorsätzen, die Unzufriedene und
Verzweifelte zum Jahreswechsel fassen, hat die amerikanische
Arthur-S.-DeMoss-Stiftung kurz nach Weihnachten begonnen, Anzeigen für angeblich
fünf Millionen Euro zu schalten, die dazu auffordern, das Buch zu
bestellen.
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- Die Stiftung, die einen Europa-Koordinator haben soll, verfügt
über keine Kontaktadresse in Deutschland und läßt sich auch in Amerika vom
öffentlichen Interesse abschirmen. Offenbar wußte niemand der Verantwortlichen,
daß nach dem Rundfunkstaatsvertrag in Deutschland Werbung für politische,
religiöse und weltanschauliche Gruppen unzulässig ist. So haben die
Landesanstalten für den privaten Rundfunk am Dienstag die Ausstrahlung der
Werbespots im Privatfernsehen verboten. Es kommt öfter vor, daß sich die
Medienwächter zu Wort melden: In weltanschaulichen Fragen hatte sie zuletzt
gegen Werbung für Scientology Einspruch erhoben.
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- Eine Sekte ist die
DeMoss-Stiftung nicht. Zwar wird ihr vorgeworfen, daß sie in den Vereinigten
Staaten gegen Homosexuelle wettere und militante Abtreibungsgegner unterstütze.
Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Thomas
Gandow, sagt, die Stiftung habe engste Kontakte zu Jerry Falwell, einem Sprecher
der amerikanischen evangelikalen Rechten. Er wiederum habe mit der Mun-Sekte
zusammengearbeitet. Der Sohn des Gründers der Stiftung, Arthur S. DeMoss, Mark
DeMoss, arbeitete für Falwell als Sprecher. In dem Buch kommen aber politische
oder ethische Themen nicht vor, darin geht es allein um die persönliche
Bekehrung. Dafür gibt es eine Anleitung in vier Schritten, die klingt, als wäre
Glauben so einfach wie Sandkuchen zu backen. Die Grundsätze, denen man folgen
müsse, lauten (in dieser Reihenfolge): "Gott liebt dich", "Der Mensch ist
sündig", "Christus rettet den Menschen", "Jeder muß Christus persönlich
annehmen". Danach folgen Aufforderungen, die Bibel zu lesen, und Anleitungen für
den Umgang mit Konkordanzen und Kommentaren.
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- Vorangestellt sind sieben
Berichte über Bekehrungs-Erlebnisse. Der Golf-Profi Bernhard Langer, die
Kunstpringerin Brita Baldus, die Chefredakteurin von "Bild der Frau", Andrea
Zangemeister, und ein Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, Philip Prinz von
Preußen, berichten dort, wie Gott in ihr Leben kam. Die meisten können den
genauen Tag ihrer Bekehrung nennen: "Nachdem ich einige Bibelstunden besucht
hatte, nahm ich Gottes Angebot an und wurde am 15. November 1986 im Alter von
achtzehn Jahren Christ", schreibt Philip von Preußen. Die nordelbische
evangelische Kirche, deren Mitglied er ist, sieht sein Eintreten für die
evangelikale Kampagne mit Mißfallen, doch dagegen einschreiten kann sie nicht,
da der Prinz zwar als Theologiestudent verzeichnet, aber nicht angestellt ist.
So bleibt der Ärger der Oberkirchenrätin für theologische Gundsatzfragen, Heide
Emse, folgenlos: "Daß er dort mitmacht, freut uns nicht, denn die
DeMoss-Stiftung ist eine fundamentalistische Organisation mit einem fragwürdigen
Menschenbild." Der Prinz, der mittlerweile in Plön eine Firma mit dem Namen
"Person, Vision, Perspektiven" führt und sich auf seinem Anrufbeantworter mit
"Gott befohlen!" verabschiedet, hat sich auch früher schon
öffentlichkeitswirksam für seinen Glauben eingesetzt.
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- Unaufgeregt betrachtet
der Sektenfachmann Reinhard Hempelmann, Leiter der Evangelischen Zentralstelle
für Weltanschauungsfragen in Berlin, die Kampgne. Das Buch sei "eher schlicht",
aber auch nicht besonders hilfreich. Die Vorstellung, daß eine Bekehrung sich
nach einem festen Schema in einem bestimmten Augenblick vollziehe und eine reine
Willensentscheidung sei, entspreche wohl nicht der Erfahrung der meisten
Menschen, die ihren Weg zum Glauben als längeren Weg mit Zweifeln und
Rückschlägen erlebten. "Daß das Buch dafür wirbt, die Bibel zu lesen, kann einen
protestantischen Pfarrer kaum stören", sagt er. Er kritisiert aber, daß die
Stiftung sich selbst und ihre Ziele im dunkeln hält. "Das erweckt Mißtrauen und
paßt nicht zur Werbung für den Glauben." Zur Weitergabe des christlichen
Glaubens gehöre ein Zeuge, der sein Gesicht zeige und zum Dialog bereit
sei.
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- Ein Mitarbeiter der Stiftung, der an der Kampagne in Deutschland
mitwirkt, sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, daß er die Aufregung nicht
verstehe. "Wir betrachten es als keine religiöse Werbung", sagte Ned McDonald in
Hamburg. Stattdessen wolle die Stiftung nur eins erreichen: "Alles, was wir
machen, ist, dieses Buch unters Volk zu bringen, das die Botschaft der Bibel
kundtut". Dadurch wolle die Stiftung keine Animositäten hervorrufen. "Wir wollen
die Arbeit der katholischen oder der evangelischen Kirche nicht behindern",
sagte McDonald. Das Gegenteil sei der Fall. "Wir wollen, daß die Menschen in
eine Kirche gehen, in der man an die Bibel glaubt."
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- Die Stiftung habe 1983
mit der "Kraft zum Leben"-Kampagne in den Vereinigten Staaten begonnen.
Inzwischen sei die Botschaft in vierzehn weitere Länder verbreitet worden.
Deutschland wurde als Ziel ausgewählt, nachdem Mitglieder des Vorstands gebetet
hätten. "Das mag sich vage anhören", sagte McDonald. "Aber es gab kein
gravierendes Ereignis, aufgrund dessen wir uns sagten: Da müssen wir hin."
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- In
der Vergangenheit war die Stiftung nicht immer so offen. Lange hüllte sich die
Organisation, die in den fünfziger Jahren von dem 1979 gestorbenen
Versicherungskaufmann Arthus S. DeMoss gegründet wurde, bei Fragen nach ihr
selbst in Schweigen. Stattdessen ließ sie aufwendige Werbekampagnen für sich
sprechen. Als DeMoss 1979 im Alter von 53 Jahren starb, übernahm dessen Frau
Nancy die Leitung der Stiftung. Inzwischen ist die DeMoss Foundation eine der
größten Stiftungen in Amerika. Laut einer Studie der Gruppe Foundation Center
verfügte sie im Dezember 1999 über ein Vermögen von mehr als 500 Millionen
Dollar. Damit belegte sie Platz 96 unter den 100 größten Stiftungen im Land. Im
gleichen Jahr spendete sie mehr als 100 Million Dollar und belegte damit Platz
23.
-
- Mark DeMoss arbeitete nicht nur für Jerry Falwell, sondern auch für die
christliche Gruppe Promise Keepers, die im Jahr 1997 eine Versammlung in
Washington organisierte, bei der Hunderttausende Männer sich der Sünde
bezichtigten, beteten und nach seelischer Unterstützung suchten. Mit der Wahl
von George W. Bush zum Präsidenten der Vereinigten Staaten feierten auch
konservative christliche Organisationen einen Sieg. Ralph Reed, der früher die
Gruppe Christian Coalition führte, beschrieb kürzlich in der Washington Post die
neue Lage der Bewegung so: "Man wirft nicht mehr Steine auf das Gebäude. Man ist
jetzt in dem Gebäude."
-
- Die Möglichkeiten einer reinen Literaturmission, wie
sie die Arthur S. DeMoss-Stiftung betreibt, sind jedoch schon einmal überschätzt
worden: Vor Jahren hatte die Initiative "Christus für alle Nationen" eine
Schrift des evangelikalen Autors Reinhard Bonke per Post an alle Haushalte in
Deutschland versandt und sich davon eine umfassende Missionierung versprochen.
Die Heftchen landeten größtenteils ungelesen im Müll.
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- Fränkischer Tag,
9.1.2002
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- Wie die Biene im Honig kommt man schließlich darin
um ...
- Hanns-Seidel-Stiftung beleuchtete in Zapfendorf die Gefahr durch
Sekten
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- ZAPFENDORF. Bayerns Innenminister bezeichnete die Organisation
Scientology als "einzigartige Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft" bzw. als
eine "am Rande der organisierten Kriminalität stehende Vereinigung". Angesichts
der von Sekten ausgehenden Gefahren hielt die Hanns-Seidel-Stiftung in
Zapfendorf einen Informationsabend ab.
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- Als fachkompetente Referentin erwies
sich hierbei Ursula Höft, deren Tochter vor mehr als 13 Jahren selbst in die
Fänge der genannten Organisation geraten ist. Seitdem beklagt sie den Verlust
dieses Kindes - nicht durch Tod, sondern durch dessen "geistige Emigration".
Zunächst ging sie auf die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen und Sekten
ein und differenzierte hierbei, dass zum Beispiel Freikirchen nicht zu den
Sekten zu zählen sind.
-
- Am Beispiel der Scientology erläuterte sie die
Werbetricks und die Philosophien der Sekten. Obwohl viele junge Leute meinen,
dass ihnen ein Abgleiten in diese Szene nicht passieren kann, kann die
Scientology aufgrund ihrer äußerst cleveren Werbetricks immer wieder junge Leute
an sich binden.
-
- Da wird den angesprochenen Leuten dargelegt, dass sie nur
zehn Prozent ihres geistigen Potenzials nutzten. Da natürlich insbesondere
junge, intelligente und ehrgeizige Leute daran interessiert sind, mehr aus sich
zu machen, sind sie besonders anfällig für solche Thesen. Als Einstieg wird dann
ein Intelligenztest mit 200 Fragen angeboten. Bei der Auswertung ergibt sich
dann, dass der Kandidat wohl bestimmte lobenswerte Fähigkeiten habe, dass er
aber in bestimmten Bereichen doch deutliche Mängel aufweist. Es werden ihm dann
relativ teure Kurse zur Behebung dieser Schwachstellen
angeboten.
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- "Umgekrempelt"
-
- Je weiter man hier einsteigt, umso mehr werden
einem zusätzliche Kurse dringend angeraten, bei deren Besuch die Persönlichkeit
des einzelnen mehr und mehr ausgeschaltet wird. Innerhalb relativ kurzer Zeit
ist die Persönlichkeit soweit "umgekrempelt", dass sie bereitwillig alle Befehle
ihrer Führer befolgt.
All das, was die Leute vorher schätzten, verliert mehr
und mehr an Bedeutung. Man gibt das Studium, den Beruf und schließlich auch die
Familie auf. "...habe ich mich entschlossen, meine Verbindung zu Dir
aufzugeben", schrieb damals Ursula Höfts Tochter. Eine andere Methode, an junge
Leute heranzukommen, ist, dass man sie auffordert, eine neue Sicht des Lebens zu
gewinnen, oder sie werden gefragt, ob sie mit dem Zustand der Welt, in der es
nur Krieg und Ungerechtigkeiten gibt, zufrieden sind. Es wird ihnen ein "Reich"
ohne all diese Laster vorgegaukelt. Man kümmert sich zunächst auch sehr
einfühlsam und intensiv um die "Neuen", sie werden zunächst so behutsam
behandelt.
-
- Ursula Höft verglich diese Situation mit der einer Biene, die in
den Honig fällt: für diese sei im Moment auch alles wunderschön und zuckersüß.
Doch schließlich komme sie nicht mehr heraus und gehe elend zu
Grunde.
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- Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen bezeichnete die Referentin die
Scientology als "menschenverachtende Gesellschaft, die die Menschen zu
Maschinenmenschen, zu Robotern, umerzieht". Ursula Höft zeigte noch anhand
weiterer Beispiele (Angebote kostenloser Ferienkamps, Kinokarten usw.) die
Werbetricks der Sekten auf.
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- Ein besonderes Anliegen war es ihr auch, darauf
aufmerksam zu machen, dass keine Familie vor diesen Gefahren sicher sein kann:
Entgegen der landläufigen Meinung geraten insbesondere oft sehr intelligente
junge Leute in diese Kreise hinein.
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-
- Nürnberger Nachrichten, 18.12.2001
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- Bude soll geschlossen
werden
- Auf Distanz zu Scientologen
- Kinderweihnacht: Geschäftsführer
Kalb reagierte auf die Vorwürfe
-
- Mit scharfen Worten haben sich die
Organisatoren des Kinder-Weihnachtsmarkts von dem Betreiber eines Stands
distanziert, der offenbar Produkte der Psycho-Organisation Scientology verkauft.
Falls sich die Beweise erhärten, soll die Bude geschlossen werden.
-
- Lorenz
Kalb, Geschäftsführer der Kinderweihnacht, hat dem Betreiber sofort nach Bericht
in den Nürnberger Nachrichten über die „Tarnfirma von Scientology“ schriftlich
untersagt, weiterhin Adressen von Kunden zu verlangen. Über den Verkauf von
bunten Handpuppen der Marke „Kumquat“ versuche Scientology an Anschriften
heranzukommen; die Kontaktaufnahme durch Angehörige der vom Verfassungsschutz
überwachten Organisation erfolge kurz danach. Kalb und seine Kollegen vom
Schaustellerverband stören sich auch an den hohen Preisen für die Puppen, die
bis zu 249 Mark (127 Euro) kosten.
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- Aus einer der Lokalredaktion vorliegenden,
aktuellen Liste von Firmen, die 15 Prozent ihres Umsatzes an den Psycho-Konzern
abgeben, ist auch der Hersteller der „Kumquat“-Puppen aufgeführt, die L. Bodrik
KG im schwäbischen Ölbrunn. Auf dieser Liste ist ebenso der Betreiber des
umstrittenen Stands, Thomas Görtler, genannt.
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- Nürnberger Nachrichten, 17.12.2001, Reinhard
Schmolzi
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- Tarnfirma von
Scientology aktiv
Bunte Puppen als Lockvögel
- Mit einem
Verkaufsstand auf dem Kinder-Weihnachtsmarkt vertreten
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- Die obskure
Psycho-Organisation Scientology hat nun offenbar auch den traditionsreichen
Nürnberger Christkindlesmarkt als Einnahmequelle entdeckt. Ausgerechnet auf dem
Kinder-Weihnachtsmarkt am Hans-Sachs-Platz bietet eine Firma, die von
Sektenfachleuten zum Wirtschaftskonzern („WISE“) von Scientology gerechnet wird,
arglosen Kunden bunte Handspielpuppen der Marke „Kumquats“ an.
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- Hersteller der
bis zu 249 Mark (127 Euro) teuren Puppen ist die L. Bodrik KG im schwäbischen
Ölbrunn. Deren Inhaber, Ludwig Bodrik, ist bei Kennern der Scientology-Szene
kein Unbekannter, denn er wird zum Beispiel auf internen Mitgliederlisten, die
an die Öffentlichkeit geraten sind, unter der Rubrik „Wer garantiert die Zukunft
der Scientology“ geführt. Auf diese Liste kommt nur derjenige, der mindestens
3'000 Dollar gespendet und Unsummen für Kurse ausgegeben hat.
- Sektenfachleute
raten seit langem vom Kauf von „Kumquats“-Puppen ab. Scientology versuche damit,
über die Kinder an die Eltern heran zu kommen, denn diese müssen beim Kauf ihre
genaue Anschrift hinterlassen. Die Kontaktaufnahme erfolge dann ziemlich
schnell. Außerdem unterstützen Käufer indirekt den milliardenschweren
Psycho-Konzern, denn „WISE“-Mitglieder müssen laut Vertrag bis zu 15 Prozent
ihres Umsatzes an die Scientology-Zentrale abgeben. Deren Ziel ist unter anderem
die Unterwanderung der Wirtschaft. Seit geraumer Zeit wird Scientology in Bayern
vom Verfassungsschutz observiert.
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- Die gleiche Firma war übrigens schon beim
Ostermarkt 1999 in Nürnberg aufgefallen. (die Lokalredaktion berichtete) Damals
überprüfte die Stadt die Hintergründe. „Ohne konkretes Ergebnis“, wie
Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer auf Anfrage erklärte. Allerdings sei er für
den Christkindlesmarkt und Kinder-Weihnachtsmarkt nicht zuständig.
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- Die
Puppen-Verkäuferin am „Kumquats“-Stand erklärte auf Anfrage der Lokalredaktion,
sie habe mit Scientology nichts zu tun.
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