[Accueil][Objectifs][Nouveautés][Pétitions][Témoignages][Faire un don][Articles médias][Jura et les sectes][La manipulation]

 

Innenminister Herrmann will Diskussion über mögliches Verbot

Staatsregierung knöpft sich Scientology vor (nn-online.de - 02 April 2010)

Le ministre de l'Intérieur veut une discussion sur l'interdiction possible de la Scientologie (Gravis- 2.4.2010)

Feinde der Verfassung. Interview mit Niki Stein (www.fr-online.de - 03 April 2010)

Wie die Sekte mit Aussteigern umgeht (abendblatt.de- 23. März 2010)

Scientology-Film. Mitgehangen, mitgefangen (stuttgarter-zeitung.de - 21.03.2010)

 

Staatsregierung knöpft sich Scientology vor

Innenminister Herrmann will Diskussion über mögliches Verbot

Scientology sorgt weiter für kritische Diskussionen.     Foto: dpa

MÜNCHEN - Der in der ARD ausgestrahlte Film über einen Scientology-Aussteiger hat eine neue Debatte über die Sekte bewirkt. Bayerns Innenminister befürwortete ein Verbot der Organisation.

»Das ist keine Kirche, sondern eine Organisation mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen.« Scientology stelle eine große Gefahr für die Psyche vieler Menschen dar, warnte Joachim Herrmann. Der Politiker räumte ein, dass es bislang bundesweit keine Mehrheit in der Politik für ein Verbot von Scientology gebe. Man werde ein Verbot aber im Kreis der Innenminister wieder diskutieren. Auch der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein räumt einem solchen Vorhaben wenig Chancen ein. Für ein Verbot gebe es hohe Hürden, sagte der Vize-Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der ARD-Sendung »Hart aber fair«.

Abschreckende Wirkung

Herrmann fügte aber hinzu, dass schon die Diskussion über ein Verbot eine abschreckende Wirkung habe. »So können wir noch mehr Menschen auf Distanz zu Scientology halten.« Als »völlig absurd« kritisierte er, dass ein Vorgehen gegen Scientology in Deutschland von den USA als Verstoß gegen die Religionsfreiheit kritisiert werde. Scientology habe »mit anderen Religionen überhaupt nichts zu tun«, erklärte der Minister. »Das ist alles nur vorgeschoben.«

Totalitäres Herrschaftssystem

»Laut Herrmann zielt die Lehre der Scientologen auf ein totalitäres Herrschaftssystem, in dem eine Gleichberechtigung der Menschen nicht vorgesehen sei. »Dabei sollen die Besseren, Klügeren und Stärkeren über die Schwächeren herrschen.« Der Politiker sprach zudem von einem »gigantischen Wirtschaftskonzern, der nur die Maximierung des Gewinns verfolgt«.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) widersprach derweil einer Darstellung von Scientology Deutschland in der Frage der Kinderbetreuung durch Scientologen. In »Hart aber fair« habe ein Scientology-Sprecher den Eindruck erweckt, der Gerichtshof halte ein Kinderbetreuungsverbot für verfassungswidrig, das gegenüber einem Sekten-Mitglied ausgesprochen worden sei. Diese Behauptung treffe nicht zu. Die Frage eines Verbots der Kinderbetreuung durch Scientology-Mitglieder sei überhaupt nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen.

Eilentscheidung in Einzelfall

In einer Eilentscheidung hatte der BayVGH entschieden, dass die Tagesmutter vorerst weiterhin Kinder erziehen darf. Dabei ging es dem Gerichtshof zufolge aber lediglich um den Einzelfall. Die Tagesmutter habe glaubhaft erklärt, dass Scientology für die Kinderbetreuung keine Rolle spiele. Der BayVGH verpflichtete die Frau zudem dazu, die Eltern der Kinder über ihre Mitgliedschaft bei Scientology zu informieren. Die Hauptverhandlung in diesem Fall findet am 19. Mai in Ansbach statt.

In einer weiteren Entscheidung hatte der Gerichtshof sogar die vorläufige Schließung eines von Scientology-Mitgliedern betriebenen Kindergartens bestätigt.

ARD-Film nicht wiederholt

Mit dem Film über einen Scientology-Aussteiger hat das Erste einen Quotenerfolg erzielt: 8,69 Millionen Zuschauer sahen »Bis nichts mehr bleibt«. Auch die anschließende Sendung »Hart aber fair« kam auf einen Marktanteil von 28 Prozent. Trotz des Erfolgs wurde der Film jedoch nicht, wie angekündigt, im gestrigen Vormittagsprogramm wiederholt. Der Film sei erst ab zwölf Jahren freigegeben gewesen, und dürfe daher erst ab 20 Uhr ausgestrahlt werden, entschuldigte sich eine ARD-Mitarbeiterin für die Panne.

ddp/epd/dpa//johs

2.4.2010

Le ministre de l'Intérieur, Hermann, veut une discussion
sur l'interdiction possible de la Scientologie

Allemagne - 2 avril 2009

Un film diffusé cette semaine par la chaîne ARD et basé sur l'histoire d'un ex-scientologue a provoqué un nouveau débat sur la secte.

En Bavière le ministre de l'Intérieur a appuyé une interdiction de l'organisation.

«La Scientologie représente un grand danger pour la psyché de beaucoup d'hommes, a averti Joachim Herrmann. Le politicien a accordé qu'il n'y a pas jusqu'ici au niveau fédéral de majorité dans la politique pour une interdiction de Scientologie. On examinera toutefois à nouveau une interdiction dans le cercle des ministres de l'Intérieur.

L'ancien président du Conseil bavarois Günther Beckstein accorde également peu chances à un tel projet. Il y a des obstacles élevés, a indiqué le Vice-Président du synode de l'église évangélique en
llemagne (EKD)

Herrmann a jugé absurde "qu'une procédure contre la Scientologie en Allemagne soit critiqée par les USA comme étant une infraction à la liberté de culte."

"Le Scientologie n'a rien é voir avec une religion", a expliqué le ministre. "C'est uniquement un système de pouvoir totalitaire. L'enseignement de la Scientologie vise un système de pouvoir totalitaire dans lequel l'égalité des droits des hommes n'est pas prévue où les meilleurs, les plus intelligents, et les plus forts doivent régner sur les plus faibles"

«Le politicien a en outre parlé» d'un groupement de sociétés
économique gigantesque qui ne poursuit que la maximisation du profit"

Les sociétés affiliées à Wise:

 

Feinde der Verfassung

Interview mit Niki Stein

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/2443548_Feinde-der-Verfassung.html

Die Schauspieler Nina Kunzendorf und Felix Klare (r) mit Regisseur Niki Stein in Berlin
vor der Preview des Films "Bis nichts mehr bleibt". (Bild: ddp)

Niki Stein hat im Auftrag des SWR und Nico Hofmanns Produktionsfirma Teamworx einen Film gedreht, der die Scientology-Organisation erstmals in einem Spielfilm beim Namen nennt. Stein versteht seinen Film dabei als klares politisches Statement. Am 31. März wird "Bis nichts mehr bleibt" in der ARD ausgestrahlt.

Herr Stein, Sie haben sich eineinhalb Jahre lang intensiv mit Scientology beschäftigt. Wie lautet Ihr Befund ?

Ich kenne nicht eine Publikation, die sagt: Man überschätzt die Gefahr. Nicht eine. Die Äußerungen von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard und auch die seiner Nachfolger sind eindeutig. Es geht um die Beseitigung einer freiheitlich-demokratischen Ordnung. Es geht um die Errichtung eines Staates, der streng selektiert in Fähige und Unfähige. Es geht letztlich um das, was auch Hitler wollte – um eine sozialdarwinistische Form von Staat.

Würden Sie sagen, dass Scientology in den letzten Jahren verharmlost wurde ?

Definitiv. Man nimmt sie nicht ernst, auf Grund von Uninformiertheit. Deswegen habe ich es wichtig gefunden, den Film zu machen. Es ist unglaublich mutig, dass die ARD sich so etwas traut.

Der Film ist unter großer Geheimhaltung entstanden. Es wurde eine Informationssperre verhängt und Sie taten so, als würden Sie einen Krimi drehen. War die Geheimniskrämerei im Rückblick notwendig ?

Ja. Wenn Sie einen Film über die Verfassungsfeindlichkeit der NPD drehen, entsteht der auch unter Geheimhaltung. Kein Mensch kündigt das vorher an. Kein Journalist würde darauf kommen, Ihnen das vorzuwerfen. Bei Scientology schon – verstehe ich nicht. Wir hatten aber auch eine Verantwortung für unsere Schauspieler. Schauspieler sind sensible Menschen. Ich weiß nicht, wie sie reagiert hätten, wenn sie obskure Anrufe bekommen hätten.

Sie selbst haben solche Anrufe bekommen, weil Scientology durch eine Unachtsamkeit Wind von der Sache bekam. Hatten Sie Angst ?

Angst ist zu viel gesagt. Ich hatte manchmal ein mulmiges Gefühl. Im Grunde hatte ich aber noch mit viel mehr gerechnet. Die Einschüchterungsversuche waren eher dezent. Sie haben mich nicht bedroht nach dem Motto: "Pass auf deine Kinder auf." Dafür sind die viel zu klug. Sie kriegen nur Anrufe, wo Ihnen gesagt wird: "Wir wissen, was Sie machen." Das reicht. Es gab auch ganz offene Arbeitsangebote nach dem Motto: "Bevor ihr hier was Falsches erzählt, redet doch lieber mit uns."

Wie funktioniert das von Manipulation und Abhängigkeit geprägte System Scientology ?

Das Grundprinzip ist das Prinzip der Umwidmung. Die reden dauernd von Freiheit. Freiheit heißt aber Unterwerfung unter deren Technologie. Freiheit heißt, die scientologische Einengung perfekt zu beherrschen. Freiheit heißt, "Clear" zu werden. "Clear" heißt aber, sie sind abgestumpft gegen eine Außenwelt und nur noch offen für scientologische Arbeitsanweisungen.

Sie stellen in Ihrem Film dar, wie eine Familie in das Scientology-System hineingerät. Was für Überlegungen hatten Sie bei der Konstruktion Ihrer Geschichte ?

Für mich war das Wichtigste und auch die größte Hürde, die ich zu nehmen hatte, dass man irgendwie Verständnis für die Hauptfigur Frank entwickeln muss, ohne dass der Zuschauer sagt: Das könnte mir nicht passieren. Denn dann würde man denken: Klar, der hat ein Riesenproblem, das habe ich nicht, mir passiert das also nicht. Auf gut Deutsch: Nur Leute, die einen an der Waffel haben, geraten da rein.

Wie nah ist Ihr Film an der Realität ?

Was Sie bei uns sehen in dem Film, ist so oder in anderer Form passiert, wir haben mit verschiedenen Aussteigern gesprochen. Natürlich mussten wir mit den Persönlichkeitsrechten extrem aufpassen. Aber die Praxis, die wir zeigen – auch die Form der Einschüchterung, der Drangsalierung, der Zerstörung von Familie, diese RPF-Lager –, die gibt es, das ist recherchiert, das findet genauso statt. Und schlimmer. Wir haben uns schon sehr zurück genommen, um jede Möglichkeit einer Klage zu vermeiden.

Das Scientology-System ist auf die totale Effizienz des Menschen ausgerichtet. Findet das nicht Nährboden in unserer Leistungsgesellschaft ?

Sie haben völlig recht. Jeder muss dafür sorgen, dass er als Maschine immer noch perfekter arbeitet. Im Grunde ist die Welt heutzutage viel offener für Scientology als noch vor 20 Jahren, wo wir noch stark geprägt waren von Freiheitsbegriffen, gegen Bevormundung, gegen Autoritäten. Wir leben in einer Kultur, wo jeder aufgefordert wird, noch mehr an sich zu arbeiten. Die Anforderungen sind ungemein groß. Das sind alles Begünstigungen für ein System, das die Perfektion von mir verlangt. Insofern finde ich den Film extrem aktuell.

In Deutschland wird Scientology seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet. Ein Verbotsverfahren, wie in Frankreich erwogen, wurde bisher nicht angestrengt. Sollte Scientology in Deutschland verboten werden ?

Ja, es ist eine verfassungsfeindliche Organisation in Wort und Schrift und Tun und Tat.

Das Interview führte Tobias Goltz.

 

Wie die Sekte mit Aussteigern umgeht

Von Karolin Jacquemain

http://www.abendblatt.de- 23. März 201

Erstmals zeigt ein TV-Film, wie die Sekte mit Aussteigern umgeht und
die Schwierigkeiten, wieder ein normales Leben zu führen.
Hauptdarsteller Nina Kunzendorf (l.) und Felix Klare in "Bis nichts mehr bleibt".
Ihre Figuren sind angelehnt an den Biografien des Ehepaars Rönn.
Foto: © SWR/Christine Schroeder

Hamburg. Gäbe es ein Leben, in dem sich Dinge ungeschehen machen lassen, hätte Astrid von Rönn vermutlich Kinder, ein Haus und viele Freunde. Ihr Mann Heiner hätte noch Kontakt zu seinen Söhnen aus erster Ehe. Es wäre ein Leben, in dem Scientology keine Rolle spielen würde. Die Rönns wären Ursula Caberta nicht begegnet, der Scientology-Beauftragten in der Hamburger Innenbehörde, und es würde jetzt keinen Spielfilm geben, der sich anlehnt an ihr Leben. All das ist Theorie, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Ein Stück dieser Wirklichkeit ist das Büro von Ursula Caberta in der Admiralitätstraße, in das nur wenig Licht fällt, Ordnung scheint hier nebensächlich. Dabei ist dies ein Ort, an dem es um Klarheit geht. Leute kommen hierher, die nicht länger Teil eines Räderwerks sein wollen. Die etwas zurückgewinnen wollen, was ihnen lange verwehrt wurde: Eigenständigkeit, Individualität, persönliches Glück. "Bei Scientology steigt man nicht einfach aus wie bei einem Kegelverein", sagt Caberta. Es gehört Mut dazu und Kampfgeist und Ausdauer, wie zu einem Drogenentzug.

Über zehn Jahre ist es her, dass Astrid von Rönn beschloss, der Organisation endgültig den Rücken zu kehren und mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie ist dunkelhaarig, klein und etwas stämmig, 54 Jahre alt und sieht aus wie eine Frau, die mit beiden Beinen mitten im Leben steht. Man mag ihn fast nicht glauben, den Satz aus ihrem Mund: "Ich hatte den Kopf im Himmel." Heiner von Rönn sagt es nüchterner und meint dasselbe: "Ich hatte einen an der Klatsche." Zwei Ausdrücke, die harmlos klingen und das Gegenteil sind. Die viel darüber verraten, wie Scientology Menschen verändern kann: ihren Alltag, ihren Kontostand, aber vor allem ihr Fühlen und Denken.

In der ehemaligen Hamburger Scientology-Dependance am Steindamm haben sich die Rönns 1990 kennengelernt, Heiner von Rönns erste Ehe war zu diesem Zeitpunkt gescheitert. Über seine frühere Frau kam der heute 52-Jährige zu der Sekte, besuchte einen "Kommunikationskurs" und arbeitete sich hoch zum Estate-Manager - eine Mischung aus Hausmeister und Techniker. "Obermacker", sagt er und grinst. Astrid war eine sogenannte Ethik-Offizierin, eine der Ranghöheren in der Scientology-Hierarchie. Sie brachte Mitglieder, die nicht "funktionierten", wieder "auf Kurs", überwachte und bestrafte: Krankheit, Zuspätkommen - alles, was dem übergeordneten Zweck nicht diente.

Viel ist geschrieben worden über die Organisation, die seit 1997 als "neue Form des politischen Extremismus" vom Verfassungsschutz beobachtet wird und angeblich rund 6000 Mitglieder hat. Über die Lehren des Gründers L. Ron Hubbard, die Mobbing- und Gehirnwäschetaktiken und natürlich über Prominente, die sich öffentlich als Anhänger outen, allen voran Hollywoodstar Tom Cruise. Was Scientology über das Hörensagen hinaus für ein Menschenleben bedeuten kann, das wissen wohl nur wenige so gut wie die Rönns.

Kein Wunder also, dass Scientology-Gegnerin Caberta die beiden vorschlug, als der Südwestrundfunk auf der Suche war nach Aussteigern für das geplante Filmprojekt. Nein, Angst vor möglichen Konsequenzen hätten sie nicht, sagt Heiner von Rönn - und vielleicht bekomme so alles wenigstens im Nachhinein einen Sinn. "Bis nichts mehr bleibt", so der Filmtitel (ARD, 31. März, 20.15 Uhr), bringt gewissermaßen zu Ende, wofür die Rönns und Ursula Caberta viele Jahre gekämpft haben. Der Film ist eine Warnung. Ein Stück Aufklärung im Unterhaltungsgewand. Für seine Vorbilder kommt er in vielerlei Hinsicht zu spät.

Die Rönns sind verschuldet, sie leben in einer kleinen Wohnung am Hamburger Stadtrand. Wenn sie ein paar Euro übrig haben, leisten sie sich etwas zum Anziehen, einen neuen Fernseher - Dinge, die früher nicht möglich waren, weil alles Geld für Kursgebühren draufging, für Vitamine, die Gift aus dem Körper spülen sollen, und für die Internatskosten der beiden Söhne von Heiner von Rönn, die in Bjerndrup kurz hinter der deutschen Grenze in Dänemark auf eine private Scientologen-Schule gingen. Weit über 100 000 Euro hat die Organisation sie gekostet - zuzüglich der Dinge, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen.

Seit vier Jahren hat das Paar keinen Kontakt mehr zu den Kindern, die mittlerweile 28 und 22 Jahre alt sind und in einer von Scientologen geführten Vertriebsfirma arbeiten. Bis vor Kurzem hat Heiner von Rönn ihnen zum Geburtstag und zu Weihnachten eine SMS geschickt - bis sie im vergangenen Jahr ihre Nummern änderten. Wenn er von ihnen spricht, sagt er immer: meine Söhne, nie ihre Namen. Den Schmerz macht das vielleicht abstrakter, aber nicht kleiner.

Heiner von Rönn reibt sich beim Erzählen mit den Händen über das müde, blasse Gesicht. Es strengt ihn an, über die Vergangenheit zu reden. Für einzelne Entscheidungen kann man sich rechtfertigen, für einen kompletten Lebensentwurf nur schwer. Zudem ist es, als spreche er in einer fremden Sprache. Mit Thetanen und OT3-Stufen können wenige Menschen etwas anfangen. Für Scientologen, auch ehemalige, sind diese Begriffe so alltäglich wie E-Mails und Internet für Berufstätige. "Die Leute mögen das nicht, wenn man in diesem Scientologen-Slang spricht", sagt Rönn, "die halten einen dann immer gleich für blöde."

Möglich, dass sich ihr soziales Umfeld auch deshalb auf eine Handvoll Menschen beschränkt. "Man weiß nicht, was die Leute nach Feierabend so machen, wem man vertrauen kann", sagt Heiner von Rönn. Nach seinem Ausstieg nahm er Kontakt zu einem früheren Bekannten aus dem Handball-Verein auf. Er solle doch mal vorbeikommen, bot der ihm an. Heiner von Rönn ist nie hingefahren - immer kam etwas dazwischen. Es ist eben nicht so leicht, aus einer fernen Parallelwelt in die Wirklichkeit zurückzukehren.

Astrid von Rönn lässt meistens ihren Mann reden, "Heiner soll das machen", sagt sie und geht dann eine Zigarette rauchen. Wenn sie schließlich doch spricht, wirkt sie konzentriert. Sie kann Jahreszahlen, Episoden und Namen besser ordnen, muss nicht um Worte ringen, wie es ihr Mann manchmal tut. Sie fühle sich "gesellschaftlich total ausgegrenzt", sagt sie: " Es läuft in dieser Gesellschaft ja so: Haste was, biste was. Nun hatten wir ja gar nichts." Auch sie versuchte Ende der 90er-Jahre alte Freundschaften wieder aufzufrischen - dann kamen die Bedenken: "Die haben bestimmt eine neues Auto, unseres ist 20 Jahre alt. Wir können nicht in Urlaub fahren. Wir haben nichts zu bieten, wir sind quasi Unterschicht." Es geht bei Scientology unter anderem darum, die "Brücke zur völligen Freiheit" hochzugehen. Die Rönns sind nie auf der anderen Seite des Ufers angekommen. Sie sind - um im Bild zu bleiben - auf offener See gekentert und müssen jetzt mühsam zurückpaddeln.

Heiner von Rönn konnte lange Zeit nicht reden über die Vergangenheit, auch mit seiner Frau nicht. Wenn das Wort Scientology fiel, bekam er im selben Augenblick Kopfschmerzen. Darüber sprechen kann er erst seit den Vorbereitungen für den Film, seit jenem Tag, an dem er zusammenbrach, weinte. "Da hat einer geschoben von hinten", sagt er. Die Kopfschmerzen sind nicht wiedergekommen, trotzdem meldet sich manchmal wie aus dem Nichts die Welt, von der er sich eigentlich für immer verabschiedet hat. Wenn er sich schneidet zum Beispiel. Scientologen fragen sich in einem solchen Fall: Was habe ich falsch gemacht? Wofür werde ich bestraft? "Man ist immer selbst für alles verantwortlich, das ist das Gemeine an Scientology", sagt Rönn. Heute weiß der Verstand, dass das Messer abgerutscht ist, das Unterbewusstsein braucht oft ein wenig länger.

Mit seinem älteren Sohn saß Rönn 2002 in einem Steakhaus beim Mittagessen. "Wenn du nicht zu Scientology zurückkommst, will ich nichts mehr mit dir zu tun haben", sagte der zum Abschied. Für den jüngeren Sohn wurde der Ex-Frau 2003 das alleinige Sorgerecht vom Hamburger Familiengericht zugesprochen, danach brach auch er den Kontakt ab. Die Szene vor Gericht bildet die dramaturgische Klammer des Films, mit ihr beginnt und endet er. Sie ist Höhepunkt auf dem Bildschirm und Tiefpunkt im Leben der Rönns.

Es ist ein Ende, das härter ist, ungeschönter, als man es sonst im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt. Das sei ihre Bedingung gewesen, bei dem Projekt mitzumachen, sagt Sektenexpertin Caberta: "Es darf nicht gut ausgehen - weil es in der Realität niemals gut ausgeht, wenn Kinder mit im Spiel sind."

Es ist nicht gut ausgegangen.

 

Scientology-Film

Mitgehangen, mitgefangen

Antje Hildebrandt, veröffentlicht am 21.03.2010
Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de

Um Franks Vertrauen zu gewinnen, ködern sie ihn mit einem ersten Auftrag als Architekt. Der Loser blüht auf, das tut seiner kriselnden Ehe gut - und treibt auch Gine geradewegs in die Fänge der Sekte. Fassungslos erlebt er, wie sie ihrer Karriere bei der Organisation erst ihr Erbe und dann das Familienleben opfert. Am Ende entfremdet sie ihn von der gemeinsamen Tochter. Sarah (Lale Kann) landet in einem Scientology-Internat.

"Ich wusste, wir müssen diesen Film machen"

Standing Ovations gab es für diesen Film nicht. Das lag in der Natur der Sache. Es ist ein stilles Grauen, das den Zuschauer ergreift. Man hat zwar schon viel über die Scientology-Methoden gelesen. Aber wie es sich anfühlt, wenn eine unsichtbare Macht Eheleute voneinander oder Eltern von ihren Kindern entfremdet, das lässt erst dieser Film erahnen.

Carl Bergengruen hat dieses ambitionierte Projekt auf den Weg gebracht. Inspiriert hat ihn dazu eines der prominentesten Mitglieder von Scientology. Er sagt, er sei erschrocken darüber gewesen, dass Tom Cruise bei der Bambi-Verleihung vom FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher einen Preis in der Kategorie "Mut" verliehen bekam. "In dem Moment wusste ich, wir müssen diesen Film machen."

Jetzt ist Bergengruen bemüht, die Wogen zu glätten. Noch vor kurzem wurde im Umfeld der ARD kolportiert, Scientologen hätten versucht, Details über den Film in Erfahrung zu bringen und die Dreharbeiten zu stören. Davon will Bergengruen jetzt nichts mehr wissen. Es scheint, als habe er erkannt, dass zu viel Rummel auch schaden kann. Dass der Film neben dem Krimi hinter den Kulissen verblassen könnte.

Scientology plant "Gegen-Doku"

Bei Scientology liegen die Nerven blank. Offiziell hat den Film zwar noch kein Vertreter gesehen. Dennoch hat die Gemeinschaft bereits mit rechtlichen Konsequenzen gedroht. Von einem "Propagandafilm" und einer "beispiellosen Diffamierungskampagne der ARD" war die Rede. Und davon, dass das zu Ausgewogenheit verpflichtete öffentlich-rechtliche Fernsehen die Kunstfreiheit missbrauche, um eine Glaubensgemeinschaft zu diskreditieren.

Sabine Weber, die Präsidentin der Scientology-Kirche in Berlin, geht jetzt noch einen Schritt weiter. Sie wirft den Produzenten vor, sie hätten sich eines fragwürdigen Kronzeugen bedient, um die Gegner von Scientology anzustacheln. Aus Sicht der Exfrau und der Kinder von Heiner von Rönn stelle sich die Geschichte jedenfalls ganz anders dar, sagt Weber der Stuttgarter Zeitung. In Form einer "Gegen-Doku" wolle Scientology diese andere Seite ins Internet stellen.

Sendetermin

Der Film "Bis nichts mehr bleibt" läuft am 31. März um 20.15 Uhr in der ARD.

 

«Bis nichts mehr bleibt»

Personen:

 

Gine

Silke Bodenbender

Frank

Felix Klare

Dr. Gerd Ruppert

Kai Wiesinger

Helen

Nina Kunzendorf

Ursula Friedrich

Suzanne von Borsody

Angela

Paula Schramm

Karin Clasen

Sabine Postel

Ludwig Clasen

Robert Atzorn

 

Kamera: Arthur W. Ahrweiler

Buch: Niki Stein

Regie: Niki Stein

Der Film erzählt, mit welch raffinierten Methoden es der Organisation Scientology immer wieder gelingt, Menschen von sich abhängig zu machen.  Der junge Familienvater Frank schafft es, sich selbst wieder aus den Fängen des Systems zu lösen – aber in diesem Kampf verliert er seine Familie an Scientology.

Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein beschloss nach umfangreichen Recherchen und vielen Gesprächen mit Scientology-Aussteigern, die Geschichte einer jungen Familie zu erzählen: Deren Leben driftet auseinander, als der Vater Felix Klare beschließt, bei Scientology auszusteigen.

Seine Frau Silke Bodenbender bleibt mit der gemeinsamen Tochter Jessy Teichert weiterhin bei der Organisation – ein erbitterter Sorgerechtsstreit beginnt.

Mit Silke Bodenbender, Felix Klare, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Kamera: Arthur W. Ahrweiler

Drehbuch und Regie: Niki Stein

 

Film: «Bis nichts mehr bleibt» (ARD 1 - März 31, 2010)

 

Der Film "Bis nichts mehr bleibt" in Bildern

http://www.daserste.de/filmmittwoch/sendung_galerie_dyn~galerie,filmmittwochfolge_... (Das Erste - März 2010)

Die Hauptdarsteller zu ihren Filmfiguren:

http://www.daserste.de/filmmittwoch/soundslide-20100331.asp (Das Erste - März 2010)

Hart aber fair zum Thema Scientology:

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2010/20100331.php5?akt=1 (März 31, 2010)

Die Suche nach der Wahrheit

Der Film „Bis nichts mehr bleibt“ über Scientology sorgt im Vorfeld für viel Wirbel. Es ist hierzulande der erste Spielfilm, der die Methoden der Psycho-Sekte beleuchtet. Die Gemeinschaft drohte breits mit rechtlichen Konsequenzen. (...)

http://www.ksta.de/html/artikel/1264185986976.shtml - März 19 , 2010

Scientology auf dem Sender

Der SWR nimmt die umstrittene Organisation "Scientology" ins Visier und will die "Methoden der Menschenfängerei" aufzeigen.(...)

http://www.suedkurier.de/news/panorama/panorama/art410967,4214647 - März 19, 2010

Download the film «Bis nichts mehr. bleibt»:

http://www.downtr.net/find/Bis+nichts+mehr+bleibt+mp4.html

http://www.torrentz.com/6bf3ab692ce0b0f79029941f75017b63c44ef104

 

Documents vidéo sur les abus de la secte de scientologie

Exposing Scientology Through Streaming Video
 

Français

             

 

English

            

 

Deutsch

 

LA SCIENTOLOGIE DANS LES MÉDIAS

Les articles médias sont classés par pays
Cliquez sur le drapeau de votre choix
 

Suisse

France

Belgique

Allemagne

Espagne

Danemark

Roumanie

USA

Russie

Italie

Canada

Hollande

Luxembourg

Autriche

Suède

Grèce

Angleterre

Hongrie

Maroc

Serbie

New Zealand

Israel

Australia

India

Anonymous

 

Un must: "Ron Hubbard, le gourou démasqué"

Ce livre de Russell Miller révèle la face cachée de la scientologie. On y découvre un Ron Hubbard, malade, mythomane et poursuivi par la justice. Il est disponible en format pdf ou html sur notre site. Nous avons également publié une version résumée.

 

Témoignage de
Jean-Luc Barbier
LE GRAVIS
CP 224
CH - 2900 Porrentruy 2
 
contact@anti-scientologie.ch
 
Les textes de notre site peuvent être utilisés
pour tout usage non commercial
Anti scientologie
est hébergé par

TiZoo Sàrl

 

[Accueil][Objectifs][Nouveautés][Pétitions][Témoignages][Faire un don][Articles médias][Jura et les sectes][La manipulation]