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Scientology: Erklärung von Philipp Mattheis Berlin: Zehn Tage bei Scientology (stern.de/tv - 30.01.2008) "Can you remember a bad event back then ?" (stern.de/tv - 30.01.2008) |
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"Meine Persönlichkeit ist im Arsch"
Philipp Mattheis: Zehn Tage bei Scientology - © stern TV
"Tun Sie es nicht", warnte ein Sektenexperte. "Genauso wenig würde ich Ihnen raten, testweise Heroin zu spritzen." Trotzdem wagte der Journalist Philipp Mattheis den Selbstversuch: zehn Tage bei Scientology. Die Gehirnwäsche wirkte auch bei ihm. Von Philipp Mattheis 1. Tag: Der Einstieg Vor dem Dianetik-Zentrum an der Münchner Freiheit wirbt ein Schild: "Heute kostenloser Stresstest". In der Eingangshalle steht ein Bionade-Automat. Mir ist mulmig. Ein junger Mann mustert mich aufmerksam und kommt dann auf mich zu. Er heißt Markus*. Ich gebe mir und Scientology zehn Tage Zeit. In der Aula stehen mehrere kleine Tische mit Stühlen. Darauf das "E-Meter", ein Apparat mit Zeigern und zwei Aluminium-Dioden an den Enden. Das "E-Meter" reagiert auf elektrische Impulse an der Hautoberfläche. Damit können Scientologen im Unbewussten gespeicherte Erlebnisse aufspüren. Markus bittet mich, an irgendwas zu denken. Der Zeiger schlägt aus. "An was denkst du?", fragt er. An die Scheidung meiner Eltern.
Ich setze mich auf eine zerschlissene Ledercouch, und Markus legt eine DVD ein. Es folgt ein 45 Minuten langes Interview mit L. Ron Hubbard, Science-Fiction-Autor und legendärer Gründer der Sekte. Hubbard sitzt vor einem Gemälde mit Mohnblumen und erzählt: Scientology mache Menschen effizienter und glücklicher. Scientologen würden nicht mehr krank, denn alle Krankheiten hätten psychische Wurzeln. Scientologen seien außerdem fleißig, hilfsbereit und stressresistent. Wären da nicht die Hollywood-Ikonen Tom Cruise und John Travolta, Scientology wäre die spießigste Sekte der Welt. Dann kommt Sonja zu mir. Sie sieht gut aus. Mit großen Augen mustert sie mich. Alle Menschen hier haben einen sehr eindringlichen Blick. Wir vereinbaren einen Termin für ein "Auditing". Ich soll bis dahin keinen Alkohol trinken und keine Aspirin nehmen. Das mache meinen Geistkörper unnötig schwer. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie man angeblich "clear" wird – das nervenaufreibende erste "Auditing" bei Scientology ...
2. Tag: Das Auditing Katholiken haben die Beichte, Buddhisten meditieren, Atheisten gehen zur Psychoanalyse. Und Scientologen machen "Auditing" – eine Mischung aus allen dreien. Sonja stellt mich Sigrid vor, meiner "Auditorin". Sie führt mich in den zweiten Stock. Wir betreten eine winzige Zelle mit zwei Stühlen und einem Tisch. Sigrid verschließt die Tür von innen. Ich bin ein "Pre-Clear". Auditing macht "clear". Dann schließe ich die Augen. Mein Puls steigt. Sigrid fordert mich auf, an eine wichtige Situation in meinem Leben zu denken. Ich entscheide mich für meine Führerscheinprüfung. "Gehe zum Anfang des Geschehnisses zurück und hole alle Informationen, die du kontaktieren kannst", sagt sie. Ich erzähle von meiner Führerscheinprüfung. Nach zehn Minuten bin ich fertig. Sigrid sagt danke und: "Gehe nun zum Anfang des Geschehnisses zurück und hole alle zusätzlichen Informationen, die du kontaktieren kannst." Ich erzähle die Geschichte noch einmal: Berganfahrt, Autobahn, rückwärts einparken. Nach 15 Minuten habe ich den roten Lappen in der Hand. Sigrid sagt danke und: "Gehe nun zum Anfang des Geschehnisses zurück und ..." Man kann eine Geschichte dreimal erzählen. Man kann eine Geschichte auch viermal erzählen. Spätestens beim sechsten Mal fühlt man sich debil. Sigrid zermürbt mich. Beim siebten Mal erzähle ich auch, wie ich von meinem Heimatdorf mit dem Bus zur Prüfung gefahren bin. Beim achten Mal, wie wir die Sitze des Schulbusses, der 1997 schon längst ausrangiert gehört hätte, angekokelt haben. Ich rieche den Gestank wieder. Sigrid ist eine Maschine: "Gehe nun zum Anfang ..." Zwei Stunden später darf ich meine Augen wieder öffnen – meine Führerscheinprüfung ist "gecleared". Die Dinge im Zimmer wirken plötzlich eigenartig intensiv: Die weiße Wand ist noch weißer, Sigrids Augen noch blauer und mein Mund vom vielen Reden noch trockener. Ich fühle mich befreit. Weil ich die zwei Stunden überstanden habe? Oder weil ich dem Clear ein Stück näher gekommen bin? Zum Abschied gibt mir Sonja den "Oxford-Persönlichkeitstest" und bittet mich, ihn bis morgen auszufüllen. 200 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren: Haben Sie das Gefühl, dass Menschen hinter ihrem Rücken schlecht über Sie reden? Sind Sie oft gestresst? Leiden Sie unter nervösen Ticks ? In letzter Zeit zucken die Muskeln meines rechten Auges so eigenartig. Auf der nächsten Seite: Ein "Thetan" aus dem Jahr 1683 taucht auf, und einem Ritter wird ein Bein abgehackt ... 3. Tag: Der Persönlichkeitstest Ein "Systemfehler": Wilfried Handl und das "E-Meter - © stern TV Dass ich nicht ganz normal bin, habe ich zum ersten Mal in der siebten Klasse vermutet, als ich den achten Verweis innerhalb von drei Monaten kassierte. Jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Meine Persönlichkeit ist im Arsch. Fast alle meine Eigenschaften sind im "nicht annehmbaren Zustand". Sonja starrt mich an. "So kann es doch nicht weitergehen. Du bist orientierungslos, unsicher und du verschwendest deine Energie. Du lebst nicht effizient." Sonja arbeitet seit zehn Jahren bei Scientology. Sie hat Menschen Lesen und Schreiben beigebracht, Drogenabhängige kuriert und Ehen gerettet. Sie verunsichert mich. "Nun schau nicht so traurig", sagt sie. "Wir können dir helfen!" Ich lächle, Sonja strahlt. Mit dem Kommunikations-Trainings-Kurs werde ich in nur acht Kursstunden besser mit meinen Mitmenschen auskommen und meine Schüchternheit überwinden. "Weißt du, was das Beste ist?" Ich zucke mit den Schultern. "Der Kurs kostet nur 37,90 Euro!" Mein Training wird am Dienstag beginnen. 4. Tag: Der Aussteiger Wilfried Handl leitete Scientology Österreich, und er war "clear". Wir treffen uns am Münchner Hauptbahnhof, er ist auf dem Weg nach Kempten zu einer Podiumsdiskussion über Scientology. Er sieht jünger aus als 55, der Krebs hat Handls Körper zerfressen. Die Hoden, die Bauchhöhle, die Lunge, 2004 folgt ein Gehirntumor. Er zeigt mir einen langen Schnitt auf seinem Hinterkopf. Er hat seine Frau und zwei seiner Söhne an die Sekte verloren. Der Krebs hat ihn gerettet. "Auf der Stufe, die ich erreicht hatte, hätte ich laut Scientology eigentlich keinen Krebs mehr bekommen dürfen." Zum ersten Mal nach 28 Jahren hatte Handl im Krankenhaus Zeit zum Nachdenken. Denn Scientologen haben keine Zeit. Sie arbeiten im Zentrum für etwa 40 Euro pro Woche. Deswegen brauchen sie Zweitjobs. 28 Jahre hat Handl 16 Stunden am Tag gearbeitet. Dann stieg er aus und wurde 2004 von Scientology zur "unterdrückerischen Person" erklärt. Kein Mitglied darf seitdem mehr Kontakt zu ihm haben. Handl blickt mir in die Augen. "Immer Blickkontakt zu halten, lernen Scientologen relativ schnell. Sie erhalten Macht über Menschen. Es beginnt harmlos mit Kursen über Psychologie und Kommunikation. Am Ende zahlen Sie mehrere Tausend Euro für den nächsten Kurs, weil Sie eine noch höhere Stufe erreichen wollen. Und dann beginnt der Druck." Als wir im Zug nach Kempten sitzen, macht Handl eine Art Spiel mit mir. "Denken Sie bitte nicht nach, antworten Sie einfach auf meine Fragen." So muss Handl früher gewesen sein: einnehmend und hypnotisierend. "Welchen Beruf hatten Sie im Jahr 1683?" – "Tischler", sage ich. "Können Sie sich an ein schlimmes Erlebnis damals erinnern?" Ein paar Sekunden und ein paar Fragen später bin ich im 13. Jahrhundert. Ich bin Söldner und kämpfe auf einem Schlachtfeld in Norditalien. Meinem Nachbarn hackt ein kaiserlicher Ritter das Bein ab. "Sehen Sie, es funktioniert ganz einfach. Sie waren gerade auf dem Weg, ihre Reinkarnationen zu identifizieren. Scientologen sind in diesem Denken gefangen. Um ihre wahre Identität zu finden, den 'Thetan', geben Sie immer mehr Geld für immer noch teurere Kurse aus." 7. Tag: Der Thetan Ich bin der einzige Kursteilnehmer. In der Nacht habe ich geträumt, ich sei ein Tischler im 17. Jahrhundert. Mein Kollege schnitt sich während der Arbeit den Daumen ab. Alles war voller Blut. Jetzt liegt vor mir ein Scientology-Bilderbuch, aus dem ich lerne, dass ein Mensch aus sterblichem Körper, dem Verstand und dem Thetan besteht. Der Thetan ist unsterblich und wandert nach dem Tod eines Menschen in einen anderen Körper. Ich habe schon verrücktere Sachen gelesen. Die christliche Trinitätslehre ist da wesentlich kryptischer. Auf der nächste Seite: Die Gehirnwäsche beginnt zu wirken ... 8. Tag: Die Hemmungen Mein neuer Kursleiter sieht aus wie eine Eule. Er trägt ein braunes Hemd, dessen Stoff an eine Raufasertapete erinnert. Ich soll einen "Kommunikationszyklus" üben: Aufnahmebereitschaft des Gegenübers feststellen, Frage stellen, Antwort bestätigen. Ich muss durch das Haus gehen und Scientologen ansprechen. Überall freundliche Gesichter und nette Antworten. Ich baue Hemmungen ab. Am Abend sitze ich in einer Kneipe. Als sich die Frau am Nebentisch einen Lugana bestellt, sage ich zu ihr, dass Lugana der beste Weißwein auf der Karte ist: Er ist trocken und hat wenig Säure. Sie lächelt, wir unterhalten uns eine halbe Stunde lang. Das letzte Mal habe ich eine wildfremde Frau auf dem Oktoberfest angesprochen. Nach drei Maß Bier. 10. Tag: Der Ausstieg Ich habe den Kurs nicht beendet. Am zehnten Tag kam die erste SMS: Sonja möchte mit mir meinen Stundenplan verifizieren. Ich habe nicht geantwortet. Ich habe Abmachungen mit mir selbst getroffen, an die ich mich halte. Heute hat mir mein Mitbewohner gesagt, dass ich glücklicher aussehe. Ich hätte so ein Leuchten in den Augen. Ich habe ihm tief in die Augen gesehen und dann seinen Daumen betrachtet. Wir kennen uns schon sehr lange. 1683 waren unsere Thetane beide Tischler. *Namen geändert
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"Can you remember a bad event back then ?" A report from january 30th this year, titled "My personality is fucked up" about a young journalist who went to Scientology for just ten days and had a hard time stopping even though he realized that his personality was beginning to change. Just ten days. Before it appeard in "Stern" it appeared in the magazine "KLARTEXT", which is the magazine of the german journalist school in Munich. Source: http://www.stern.de/tv/sterntv/609248.html - 30.01.2008 Quote: "Don't do it" a cult-expert warned. "I wouldn't advise you as well to test heroin." Still the journalist Philipp Mattheis tested it for himself: 10 days at Scientology. The brain-washing worked on him as well. 1. day ... There are several small tables with chairs. On them, the "e-meter" a device with pointers and two aluminium-diodes at the end ... Markus asks to me to think of something. The pointer reacts. "What are you thinking of ?" My parent's divorce .... I sit down on an old sofa and Markus puts in a DVD. An 45 minute interview with L. Ron Hubbard ... Next, Sonja comes to me. She's looking good. With big eyes she looks at me. All people here have a very insistent view. We agree on a date for an Auditing. Until then I shouldn't drink any alcohol and no aspirin. It would make my spiritual body unnecessarily heavy. 2. day Sigrid closes the door shut from within. I'm a "Pre-Clear". Auditing makes you "clear". I close my eyes, my heartbeat rises. Sigrid asks me to think of an important event in my life. I decide for the drivers license test. "Now go back to the beginning of the event and get all information you can contact." ... Ten minutes later, I'm done. Sigrid says thank you and: "Now go back to the beginning of the event and get all additional information you can contact." ... You can tell a story three times. You can tell it four times. But at least after six times you feel mentally subnormal. Sigrid is wearing me down. The seventh time I tell her how I drove by bus from my home town to the test. The 8th time how we burned the seats a little of the school bus, that shouldn't have been in use for a long time in 1997. I smell the stench once more. ... Two hours later I may open my eyes again- my drivers license test has been "cleared". The things in the room suddenly seem strangely intensive. The white wall is even whiter, Sigrid's eyes even bluer and my mouth even drier because I talked so much. I feel freed. Because I got through the two hours ? Or because I approached Clear a bit ? ... 3. day: The personality test The first time I gathered that I'm not entirely normal was in seventh grade as I got the 8th reprimand within three months. Now I got it black on white: My personality is fucked up. ... Sonja stares at me: "It can't go on this way. You're without orientation, insecure and you're wasting your energy. You don't live efficient." ... "Now don't you look so sad," she says. "We may help you!" I smile. ... "You know what's best?" I shrug my shoulders. "The course is only 37,90 euros !" 4. day: The ex-member ... On the train to Kempten, Handl does a sort of game with me. "Please don't think, just answer my questions. " That's how Handl must have been in the past: winning and hypnotizing [personality]. "What was your profession in the year 1683?"- "Joiner" I say. "Can you remember a bad event back then ?" A few seconds and a few questions later I'm in the 13th century. I'm a mercenary and fight on a battle field in northern italy. My neighbour is cutting off the leg of an emperor's knight. "See, it works really easy. You have just been on the way of identifying your reincarnations. Scientologists are cought in this thinking. To find their true identity, the 'Thetan' they give more and more money for courses ever increasing in cost." 7. day: The thetan ... This night I dreamt I was a joiner in the 17th century. My collegue cut off his thumb while working. Everything was full of blood. ... The thetan can't die and wanders after death of a person to another body, I have read crazier things before. The christian teachings of trinity are much more cryptic. 8. day ... I'm supposed to train a "communication cycle": Test for acceptance to receive from the other person, ask question, confirm answer. I have to walk through the house and talk to Scientologists. Friendly faces and nice answers everywhere. I remove inhibitions. At the evening I'm in a bar. As the woman on the neighboring table orders a Lugana I tell her that it's the best white wine on card. She smiles, we talk for half an hour. The last time I approached an unknown woman at the october fest. After a lot of beer. 10. day: Exit I did not end the course. The first SMS arrived the tenth day: Sonja would like to verify my schedule. I didn't answer. I've made arrangements with myself which I keep. Today my room mate told me I looked happier. My eyes were shining. I looked him deep into the eyes and then took a look at his thumb. We've known us for a very long time. In 1683 both of our thetans were joiners. |
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Un must: "Ron Hubbard, le gourou démasqué" Ce livre de Russell Miller révèle la face cachée de la scientologie. On y découvre un Ron Hubbard, malade, mythomane et poursuivi par la justice. Il est disponible en format pdf ou html sur notre site. Nous avons également publié une version résumée.
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